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«Billiger Populismus im Sommerloch»: Heftige Reaktionen zur Juso-Forderung nach einem Baustopp für die Umfahrung Wattwil

Die Forderung der Juso nach einem Baustopp für die 2. Etappe der Umfahrung Wattwil stösst bei den befragten Parteipräsidenten auf keine Gegenliebe. Sie betonten die Bedeutung der Strasse für Wirtschaft und für die Wohnqualität.
Martin Knoepfel
Der Einschnitt für den einzigen Tunnel der 2. Etappe der Umfahrung Wattwil. Die Blickrichtung ist gegen Scheftenau. (Bild: Martin Knoepfel)

Der Einschnitt für den einzigen Tunnel der 2. Etappe der Umfahrung Wattwil. Die Blickrichtung ist gegen Scheftenau. (Bild: Martin Knoepfel)

Die Juso Wil-Toggenburg fordern einen Baustopp bei der 2.Etappe der Umfahrung Wattwil.

Nun wollen die Juso eine Online-Petition lancieren, um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen. Doch was halten die Regionalparteien im Toggenburg davon?

Nicht viel. Das machen die Parteipräsidenten gegenüber dem «Toggenburger Tagblatt» deutlich. Bei der SP war der Präsident gestern nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

«Billiger Populismus im Sommerloch»

Von «billigem Populismus im Sommerloch» spricht der Präsident der FDP Toggenburg, der Kirchberger Simon Seelhofer. Er vermutet einen Zusammenhang mit dem nahenden Wahlkampf.

Man könne den Vorstoss der Juso nicht ernst nehmen, findet Simon Seelhofer. Ein Baustopp wäre seiner Ansicht nach sogar verantwortungslos.

«Fürs Toggenburg sehr wichtig»

Die 2. Etappe der Umfahrung Wattwil sei fürs Toggenburg sehr wichtig. Das gelte für den Erhalt der Arbeitsplätze, für die hier lebenden Menschen und für die Tourismusdestination. Simon Seelhofer sagt:

«Die 2.Etappe der Umfahrung Wattwil füllt eine Lücke in der Erschliessung und entlastet das Zentrum Wattwils.»

«Das Toggenburg benötigt Strassen und den öffentlichen Verkehr. Man darf die beiden nicht gegeneinander ausspielen», unterstreicht der Präsident der FDP Toggenburg zum Schluss.

Für die CVP ist die Forderung realitätsfremd

Deutlich wird auch die CVP Toggenburg in einem Communiqué von gestern Nachmittag. Sie bezeichnet die Forderung nach einem Baustopp als realitätsfremd.

«Eine solche Forderung kann nur stellen, wer die Fakten der Verkehrsplanung im Toggenburg nicht oder zu wenig kennt», doppelt die CVP Toggenburg nach. «Das Volk konnte, wo gewünscht, zu den Projekten Stellung beziehen. Die Umfahrungen wurden anstelle der vorgesehenen Schnellstrasse realisiert», heisst es weiter.

Die Umfahrung Wattwil schliesse nun die letzte vorläufige Lücke. Ein Baustopp und ein Rückbau wären undemokratisch, hält die CVP fest. Thomas Feller, Präsident der CVP-Wahlkreispartei, sagt:

«Die Toggenburger CVP-Kantonsräte haben sich stark für die Umfahrungen engagiert.»

Man solle nicht jede Idee mit dem Klima rechtfertigen. Die Klimafrage werde sonst ins Lächerliche gezogen, sagt die CVP.

Die SVP spricht von Symbolpolitik

«Für mich ist das reine Symbolpolitik. Das Projekt ist in der Phase der Verwirklichung. Jetzt ist ein Baustopp wenig sinnvoll», sagt Kantonsrat Mirco Gerig (Unterwasser). Er ist Präsident der SVP Toggenburg. Und weiter:

«Die Gegner haben 2009 die Möglichkeit gehabt, mit einem Referendum eine Volksabstimmung herbeizuführen»

Nach Ansicht von Mirco Gerig sollte man der Idee der Juso nicht noch durch die Berichterstattung Publizität verleihen.

«Auch die Menschen profitieren»

Die 2. Etappe der Umfahrung Wattwil sei fürs Obertoggenburg wichtig. Einerseits als Instrument zur Förderung der Wirtschaft und zur Förderung des Tourismus.

Andererseits profitieren laut Mirco Gerig auch die Menschen, die im Obertoggenburg leben, von guten Verbindungen, weil viele für den Arbeitsweg aufs Auto angewiesen sind. «Wir haben nicht vor jedem Haus eine Tramhaltestelle.»

Jungfreisinnige gegen «radikale Schnellschüsse»

In einem Communiqué nehmen die Jungfreisinnigen ebenfalls Stellung zur Idee der Juso. «Die Umwelt benötigt echte und effektive Massnahmen und keine radikalen Schnellschüsse», heisst es.

Eine Bauruine im Toggenburg nütze weder der Umwelt noch der Bevölkerung. Sogar die Umwelt profitiere, denn flüssiger Verkehr belaste die Luft weniger als stehende Fahrzeuge mit laufenden Motoren, betonen die Jungfreisinnigen.

Die Brücke über die Thur, die Bahnlinie und die Kapplerstrasse ist das markanteste Bauwerk der 2.Etappe der Umfahrung Wattwil. (Bild: Martin Knoepfel)

Die Brücke über die Thur, die Bahnlinie und die Kapplerstrasse ist das markanteste Bauwerk der 2.Etappe der Umfahrung Wattwil. (Bild: Martin Knoepfel)

Die ersten Pläne für Umfahrungsstrassen im Toggenburg entstanden in den 1950er-Jahren. Seither wurden unzählige Varianten studiert und wieder verworfen.

Ebnat-Kappel erhielt die erste Umfahrung

Die erste Umfahrung war Ende der 1960er-Jahre fertig, es handelt sich um diejenige von Ebnat-Kappel. In den 1980er-Jahren folgte Lichtensteig.

Vorher hatte sich nicht nur der Ortsverkehr und der Verkehr über die Wasserfluh durch die Altstadt gezwängt, sondern auch die Autos und Lastwagen auf der Achse Wil-Wattwil.

Längere Pause eingelegt

Rund zehn Jahre später folgte die erste Etappe der Umfahrung Wattwil mit dem Iberg-Tunnel. Dann gab es eine längere Pause. 2006 wurde Bazenheid entlastet.

2009 stimmte der Kantonsrat dem Bau der Umfahrungen von Bütschwil und Wattwil (2.Etappe) zu. Es handelte sich aus finanziellen Gründen um referendumsfähige Vorlagen. Das Referendum gegen diese beiden Beschlüsse kam nicht zu Stande.

Rekurse gegen die Umfahrung Wattwil, die bis vors Bundesgericht gezogen und dort abgelehnt wurden, verzögerten den Baubeginn bis in den Sommer 2018. Beim Bau der Umfahrung Bütschwil fiel der Startschuss schon im Jahr 2016.

Zweispurig mit Gegenverkehr

Die 2.Etappe der Umfahrung Wattwil führt von der Brendi in die Stegrüti zwischen Wattwil und Ebnat-Kappel. Sie schliesst damit die Lücke zwischen der 1. Etappe der Umfahrung Wattwil und der Umfahrung Ebnat-Kappel.

Die neue Strasse misst rund 3,36 Kilometer und umfasst unter anderem einen Tunnel von 313 Metern Länge sowie diverse Brücken von zusammen 836 Metern. Sie wird als zweispurige Strasse mit Gegenverkehr ausgestaltet.

Die Einweihung soll 2022 erfolgen

Die Kosten für die 2. Etappe der Umfahrung Wattwil belaufen sich Stand 2008 auf 124 Millionen Franken. Die Einweihung ist für den Sommer 2022 vorgesehen. Das ergibt eine Bauzeit von knapp vier Jahren.

Der Kanton hat einen offiziellen Internet-Auftritt zur Umfahrung Wattwil erstellen lassen (www.umfahrungwattwil.ch).

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