Schulratspräsident von Kirchberg tritt gar nicht zurück – besorgte Bürger suchen dennoch per Inserat einen Nachfolger: «Wir sind unzufrieden mit der jetzigen Situation»

Die unabhängige Plattform «Pro Gemeinde Kirchberg» möchte einen neuen Schulratspräsidenten installieren. Der bisherige Amtsinhaber tritt allerdings nicht zurück.

Beat Lanzendorfer
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Die Arbeit des Kirchberger Schulratspräsidenten Orlando Simeon (FDP) scheint nicht überall auf Gegenliebe zu stossen. Die unabhängige Plattform «Pro Gemeinde Kirchberg» hat unter ostjob.ch ein Stelleninserat geschaltet, mit dem sie einen Schulratspräsidenten oder eine Schulratspräsidentin sucht. Laut Inserat möchte die Plattform den Bürgerinnen und Bürgern an den nächsten Gemeindewahlen eine echte Auswahl ermöglichen.

Gewählt werden dann die Mitglieder der kommunalen Behörden für die Amtsdauer ab 1. Januar 2021. Interessierte könnten sich online auf ostjob.ch oder bei der Findungskommission von «Pro Gemeinde Kirchberg» bewerben. Anonymität und Persönlichkeitsschutz seien garantiert.

Das Vorgehen überrascht

Orlando Simeon, Kirchberger Schulratspräsident.

Orlando Simeon, Kirchberger Schulratspräsident.

Bild: Beat Lanzendorfer

Das Vorhaben überrascht, denn der bisherige Amtsinhaber Orlando Simeon hat angekündigt, sich für eine weitere Amtszeit zur Verfügung zu stellen. Auf das Inserat angesprochen entgegnet er:

«Ich habe keine Probleme mit dem Stelleninserat. Wer Träger eines Amtes ist, muss sich immer darauf einstellen, dass bei Erneuerungswahlen mögliche Gegenkandidaten aufgestellt werden. Das ist legitim.»

Und weiter: «Ein möglicher Kandidat braucht lediglich 15 Unterschriften, um sich aufstellen zu lassen.»

Kein Alleingang des Schulratspräsidenten

Hinter «Pro Gemeinde Kirchberg» stehen besorgte Bürger. Sie möchten mit ihrer Plattform jenen eine Stimme geben, die nicht öffentlich auftreten wollen.

Seit einiger Zeit gebe es in Kirchberg nämlich «verschiedene Anzeichen, dass Anliegen aus der Bevölkerung durch die Behörden nicht oder nur halbherzig zur Kenntnis genommen werden». Als Beispiel erwähnt die Plattform explizit «den kompletten Alleingang der Schulbehörde (ohne Integration der Bevölkerung oder der Parteien) zur Durchsetzung einer neuen Schulorganisation».

Hierzu erklärt Simeon: «Die neue Schulorganisation war eine Gemeinschaftsarbeit des Schul- und Gemeinderates und keinesfalls ein Alleingang von mir.»

Unzufrieden mit der jetzigen Situation

Otto Noger ist einer dieser besorgten Bürger. Er erklärt, weshalb es zum Stelleninserat gekommen ist: «Wir sind unzufrieden mit der jetzigen Situation. Bereits bei der Wahl von Orlando Simeon zum Schulratspräsidenten ist einiges schief gelaufen.» Die Parteien hätten damals nicht zusammengearbeitet. Letztlich sei es ein Alleingang der FDP gewesen.

Otto Noger, ein besorgter Bürger.

Otto Noger, ein besorgter Bürger.

Bild: Beat Lanzendorfer

Noger ist auch der Meinung, «dass die Reduzierung des Schulrates der falsche Weg ist.» Im Weiteren gehe es nicht, dass der Schulratspräsident, der im Gemeinderat sitzt, durch die Anstellung zweier Geschäftsführer entlastet werde. Dies wäre der Fall gewesen, wäre der Antrag zur neuen Schulorganisation gutgeheissen worden. Das habe vielerorts für Kopfschütteln gesorgt.

Das Inserat soll provozieren

Das Inserat sei durchaus als Provokation anzusehen.

«Wir möchten damit eine Diskussion anregen, denn zurzeit gibt es einfach zu viele Leute, welche die Faust im Sack machen und sich nicht getrauen, öffentlich Kritik am jetzigen System anzubringen.»

Er sei der Meinung, in Kirchberg werde zu viel geschwiegen, statt offen miteinander zu reden. Vor allem in den Schulen gebe es etliche Stimmen, die nicht gehört würden.

Der FDP-Präsident ist irritiert

Simon Seelhofer, Präsident der FDP Kirchberg, stört sich am Umstand, dass auf der Website nicht die vollständigen Namen der Initianten aufgeführt seien. Auch Otto Noger ist nur als O. Noger aufgeführt. «Es ist nicht ganz schlüssig, wer dahintersteckt, das irritiert. Auch werden die Vorwürfe gegen Orlando Simeon nicht weiter ausgeführt. Insgesamt arbeitet das Komitee intransparent.»

Simon Seelhofer, Präsident FDP Kirchberg.

Simon Seelhofer, Präsident FDP Kirchberg.

Bild: Sascha Erni

Zusammenfassend hält er fest: «Die FDP steht voll hinter Orlando Simeon, seine gute Arbeit wird sehr geschätzt und selbstverständlich unterstützen wir ihn bei den Erneuerungswahlen.» Auch Seelhofer hat keine Probleme damit, wenn sich weitere Kandidaten ins Rennen bringen. «Die Wahlen stehen allen offen.»