Im Wahlkreis Toggenburg gibt es bei den Kantonsratswahlen zwar Überraschungen, sie bleiben aber ohne Auswirkungen

Auch ohne neue Gesichter unter den Toggenburger Kantonsrätinnen und Kantonsräten brachte der Wahlsonntag Unerwartetes.

Ruben Schönenberger
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Das Toggenburg entsendet im nächsten Jahr die gleichen Kantonsrätinnen und Kantonsräte nach St.Gallen wie schon in der zu Ende gehenden Legislatur. Alle elf bisherigen Kantonsrätinnen und Kantonsräte sind wieder zur Wahl angetreten. Und alle elf schafften die Wiederwahl. Ohne Überraschungen ging der gestrige Wahlsonntag dennoch nicht zu Ende.

Platz 1: Andreas Widmer, CVP, bisher, 5285 Stimmen.
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Platz 2: Linus Thalmann, SVP, bisher, 4827 Stimmen.
Platz 3: Ivan Louis, SVP, bisher, 4441 Stimmen.
Platz 4: Mathias Müller, CVP, bisher, 4412 Stimmen.
Platz 5: Martin Sailer, SP, bisher, 4325 Stimmen.
Platz 6: Karl Brändle, CVP, bisher, 4047 Stimmen.
Platz 7: Christoph Thurnherr, SP, bisher, 3834 Stimmen.
Platz 8: Mirco Gerig, SVP, bisher, 3709 Stimmen.
Plazt 9: Christian Spoerlé, SVP, bisher, 3330 Stimmen.
Platz 10: Imelda Stadler, FDP, bisher, 3193 Stimmen.
Platz 11: Kilian Looser, FDP, bisher, 2898 Stimmen.

Platz 1: Andreas Widmer, CVP, bisher, 5285 Stimmen.

Bild: PD

Eher unerwartet ist das gute Abschneiden der CVP. Sie steigert ihren Wähleranteil auf 28,85 Prozent. Damit gewinnt die Partei im Vergleich zu den Wahlen vor vier Jahren deutlich. Gegenüber ihren damaligen Listen legt sie 3,69 Prozent zu. Zieht man die Stimmen für die damals gemeinsam mit der CVP antretenden BDP-Kandidierenden ab, beträgt der Anstieg sogar beinahe fünf Prozent.

Viel dazu beigetragen hat Andreas Widmer. Der Kantonsrat aus Mühlrüti machte wie schon vor vier Jahren das beste Ergebnis im Wahlkreis Toggenburg.

Die Rangliste der Toggenburger Kantonsrätinnen und Kantonsräte

Hinter Widmer wird die Rangliste aber im Vergleich zur letzten Wahl ordentlich durcheinandergewirbelt. Karl Brändle (CVP) lief vor vier Jahren noch auf dem zweiten Platz ins Ziel, wurde gestern aber auf Platz 6 und damit sogar in die hintere Hälfte durchgereicht.

Sailer mit gutem Resultat

Überholt wurde Brändle unter anderem von Martin Sailer (SP). Dieser war vor vier Jahren – damals noch als Parteiloser – neu gewählt worden und lässt nun in seiner zweiten Wahl gleich sechs andere Kantonsräte hinter sich, darunter auch vier Gemeindepräsidenten und seinen Parteikollegen Christoph Thurnherr.

Zu den Verlierern der Wahl gehört die FDP. Angetreten war sie mit dem Ziel, den vor vier Jahren verlorenen Sitz zurückzuholen. Geglückt ist ihr das bei Weitem nicht. Dank den Stimmen ihrer Jungpartei schafft sie es zwar, die SP hinter sich zu lassen, mit Imelda Stadler und Kilian Looser belegen aber zwei FDP-Kandidierende die letzten beiden Plätze der gewählten Toggenburger Kantonsräte.

SVP in sieben, CVP in fünf Gemeinden am stärksten

Etwas verändert hat sich auch in den jeweiligen Gemeinden. In sieben Gemeinden ist die SVP stärkste Kraft, in fünf die CVP. Im Vergleich zu 2016 erobert die CVP die Hoheit in den Gemeinden Kirchberg und Lütisburg von der SVP.

In Bütschwil-Ganterschwil lässt sich der umgekehrte Fall beobachten. Sowieso ist Bütschwil-Ganterschwil die einzige Gemeinde, in der die SVP richtig zufrieden sein kann. Zwar gewinnt sie auch in Nesslau (0,17 Prozent) und in Wildhaus-Alt St.Johann (1,77 Prozent) leicht, aber in Bütschwil-Ganterschwil beträgt der Anstieg über sechs Prozent. In den restlichen neun Gemeinden verliert die SVP Wähleranteile.

SP und Grüne halten ihren Wähleranteil

Nicht ganz so überraschend ist schliesslich das Abschneiden der gemeinsamen Liste von SP und Grüne. Zwar hatte sich die Partei einen dritten Sitz als Ziel gesetzt. Dass die grüne Welle im Toggenburg und allgemein bei den Kantonsratswahlen aber nicht so durchschlägt wie noch bei den eidgenössischen Wahlen, konnte erwartet werden.

Das sieht auch Stefan Widmer von der GLP Toggenburg so. Die Grosswetterlage habe sich etwas verändert. «Wir haben unser Ziel nicht ganz erreicht, aber konnten unseren Wähleranteil immerhin etwas steigern», resümiert er. Die SP-Grüne-Liste kann ihren Wähleranteil fast exakt halten. Hätte sie in den bevölkerungsstarken Gemeinden Kirchberg und Wattwil nicht leicht verloren, wäre wohl sogar mehr drin gelegen.

Die EDU steigert ihren Wähleranteil ebenfalls leicht, wenn man die 2016 auf der gemeinsamen Liste von EVP-Politikern geholten Stimmen ausklammert. «Ich bin eher ein bisschen enttäuscht», sagt Lisa Leisi dazu.

Gemeindepräsident von Wattwil in Lauerstellung

Ob alle gewählten Kantonsrätinnen und Kantonsräte die kommende Legislatur zu Ende machen, ist offen. Rücktritte sind in keiner Fraktion auszuschliessen. Deshalb sind auch die ersten Ersatzplätze von Bedeutung.

Bei einem Rücktritt in ihren jeweiligen Reihen zum Zug kämen Christian Vogel (SVP), Alois Gunzenreiner (CVP), Andrea Abderhalden (FDP) und Joel Müller (SP). Zumindest in der Person von Vogel ist auch das eine kleine Überraschung.

In Neckertal ging nicht mal jeder Dritte wählen

Deutlich tiefer als noch vor vier Jahren war die Wahlbeteiligung. Schon der Wahlkampf verlief eher flau. Dass viele Toggenburgerinnen und Toggenburger der Urne fernblieben, dürfte sich allerdings auch darauf zurückführen lassen, dass gleichzeitig nicht auch eidgenössische oder kantonale Abstimmungen traktandiert waren.

So blieb die Wahlbeteiligung zwischen 29,87 Prozent (Neckertal) und 47,44 Prozent (Mosnang). Insgesamt lag sie bei 37,5 Prozent. 2016 war noch fast jede zweite Toggenburgerin und fast jeder zweite Toggenburger an die Urne gegangen. Die Wahlbeteiligung betrug damals 49,15 Prozent. In einzelnen Gemeinden lag sie gar deutlich darüber.

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