TUFERTSCHWIL
Nach einem Unfall stehen viele unter Schock: Anwalt gibt bei Veranstaltung von TCS Toggenburg/Wil praktische Tipps

Bei Strassenverkehrsdelikten laufen zwei Verfahren, ein Straf- und ein administratives Verfahren. Im administrativen Verfahren steigen die Sanktionen bei Wiederholungen exponentiell. Das heisst, ab dem zweiten Verstoss werden die Sanktionen immer härter. Polizeiprotokolle bei Unfällen muss man unbedingt genau durchlesen und allenfalls berichtigen.

Martin Knoepfel
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Ein Polizist führt bei einem Fahrzeuglenker eine Atem-Alkoholkontrolle durch.

Ein Polizist führt bei einem Fahrzeuglenker eine Atem-Alkoholkontrolle durch.

Bild: Severin Bigler

Ein Blitz – und die Autofahrer ist mit deutlich zu viel Tempo erwischt worden. Bei schweren Verkehrsdelikten gibt es zwei Verfahren: ein Strafverfahren im Kanton, wo es passiert ist, und ein Administrativverfahren im Wohnkanton des Lenkers. Die Verfahren sind unabhängig voneinander. Viele Autofahrer glauben, alles sei überstanden, wenn sie die Busse bezahlt haben. Das ist ein Trugschluss.

Der langjährige TCS-Kantonalpräsident Luigi Rossi.

Der langjährige TCS-Kantonalpräsident Luigi Rossi.

Bild: Ralph Ribi

Im Strafverfahren hat der Angeklagte das Recht, einen Anwalt beizuziehen. Zudem muss er informiert werden, dass er die Aussage verweigern darf und dass seine Aussagen gegen ihn verwendet werden können.

Einmal zu schnell fahren geht, aber danach muss man sich sehr genau an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten. Der Grund: Im Administrativverfahren steigen die Sanktionen bei Wiederholungen exponentiell.

Wenn es ohne Polizei geht

Bei Unfällen ohne Verletzte kann man alles ohne Polizei regeln, sofern man alle Geschädigten sofort erreicht. Wenn das nicht geht, muss man auf jeden Fall die Polizei avisieren, sogar wenn es nur um Schaden an einem Zaun oder einer Leitplanke geht.

Sonst droht ein Verfahren wegen pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfällen. Das gilt auch bei der Meldung am Tag danach. Wenn anzunehmen ist, dass die Polizei eine Blutprobe verlangt, was bei nächtlichen Unfällen der Fall ist, kommt eventuell noch die Vereitelung einer Blutprobe dazu.

Bekannt ist, dass man bei Wildunfällen die Polizei benachrichtigen muss. Das ist wegen des Tierschutzgesetzes auch bei anderen Unfällen mit Tieren nötig. Als Faustregel gilt das, wenn das Tier eine Katze oder grösser ist.

Unter Schock knapp bleiben oder keine Aussage machen

Wenn sie in einen Unfall verwickelt sind, stehen die meisten Menschen unter Schock. Da droht die Gefahr, sich in der Befragung durch die Polizei selber zu belasten. Wenn ein Protokoll unterschrieben ist, sagen die Behörden, dass die geschilderten Vorfälle sich so zugetragen haben. Man sollte also als Autofahrer seine Aussagen knapp halten oder keine Aussage machen. Unbedingt muss man Protokolle genau und ganz durchlesen sowie Fehler berichtigen. Denkbar ist nur zu bestätigen, dass man das Protokoll zur Kenntnis genommen hat. Eine Aussage zum Tempo bei einem Unfall ist heikel.

Bei «Fahren im angetrunkenen Zustand» kommt es auf den Blutalkoholwert an. Bei 0,5 bis 0,8 Promille gibt es eine Busse und eine Verwarnung. Über 0,8 Promille geht es nicht ohne Führerausweisentzug von drei Monaten oder mehr. Wenn jemand bei mehr als 1,4 Promille noch nüchtern wirkt, klärt das Strassenverkehrsamt ab, ob der Lenker Alkoholiker ist.

Luigi Rossi sprach am Donnerstag vor gut 30 Personen an einem Anlass der TCS-Regionalgruppen Toggenburg und Wil in Tufertschwil über das Verhalten bei Unfällen. Luigi Rossi ist Anwalt in St.Gallen. Er präsidierte bis vor kurzem den TCS Kanton St.Gallen.

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