Trotz traumhaft schöner Landschaft: Das Toggenburg ist immer noch günstig

Ein neuer Marktbericht zeigt: Im Toggenburg sind Einfamilienhäuser in Wattwil und Wildhaus-Alt St.Johann am teuersten, Wohnungen in Mosnang und Bütschwil-Ganterschwil.

Hans Suter
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Die Verfügbarkeit von Wohneigentum sorgte im Toggenburg wieder für ein leichtes Nachfragewachstum.

Die Verfügbarkeit von Wohneigentum sorgte im Toggenburg wieder für ein leichtes Nachfragewachstum.

Bild: Sabine Camedda

Die Verfügbarkeit von erschwinglichem Wohneigentum sorgte im Toggenburg auch im vergangenen Jahr wieder für ein leichtes Nachfragewachstum. Das führte dazu, dass hier Eigentumswohnungen im dritten Quartal 2019 erneut teurer gehandelt wurden als im Vorjahresquartal. Dagegen verzeichneten die Handänderungspreise für Einfamilienhäuser im regionalen Durchschnitt nur ein geringfügiges Plus von 1,1 Prozent, was deutlich unter dem kantonalen Mittel von 2,9 Prozent liegt.

Das geht aus dem aktuellen Immobilienmarktbericht der Wüest Partner AG hervor. Dieser wurde im Auftrag der St.Galler Kantonalbank erstellt und basiert auf Preisen (Transaktionspreise), die im 3. Quartal 2019 bezahlt wurden.

Toggenburg: 585'000 Franken für eine Eigentumswohnung

Erst seit Anfang 2018 bewegen sich die Preise für Stockwerkeigentum in der Wohnregion Toggenburg nach oben. Eine gängige Eigentumswohnung wechselt derzeit für durchschnittlich 585'000 Franken den Besitzer. Das sind laut dem Marktbericht 2,3 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Die jüngsten Preisanstiege hängen laut den Experten in erster Linie damit zusammen, dass Eigentumswohnungen hier noch für eine breitere Käuferschaft erschwinglich sind. «Inzwischen ist das Potenzial für weitere Anstiege allerdings begrenzt, haben sich doch die Kaufpreise in Gemeinden wie Bütschwil-Ganterschwil, Lichtensteig und Mosnang dem kantonalen Mittel angenähert», schreiben die Experten. «Obschon der regionale Baumarkt etwas an Fahrt aufnimmt, dürfte die Wohnbautätigkeit auch im Jahr 2020 moderat ausfallen.» Neubauprojekte mit jeweils rund 20 bewilligten Eigentumswohnungen sind derzeit in Bütschwil-Ganterschwil und Nesslau vorgesehen.

Einfamilienhäuser kosten meist weniger als eine Million Franken

In den Augen der Experten geniesst das Toggenburg gerade bei interessierten Hauskäufern einen hohen Zuspruch. «Auch in diesem Segment wird die Nachfrage durch die bezahlbaren Preise begünstigt.» So wechselt ein Standardeinfamilienhaus in den meisten Gemeinden – mit Ausnahme von Wattwil und Wildhaus-Alt St.Johann – für weniger als eine Million Franken die Hand. In Neckertal und Ebnat-Kappel, wo in den vergangenen Jahren zahlreiche Transaktionen stattfanden, liegt das typische Preisniveau bei 840'000 respektive 913'000 Franken. Zudem haben Haussuchende im Toggenburg eine breitere Auswahl als in den anderen Ostschweizer Regionen: Gemessen am Bestand sind 2,6 Prozent aller Einfamilienhäuser auf dem Markt. Das kantonale Mittel liegt bei 1,9 Prozent. Allerdings entwickelt sich der Anteil von Objekten jüngeren Baujahres auch in dieser Gegend rückläufig. Nur 40 Einfamilienhäuser sind derzeit baubewilligt, wovon der Grossteil ohnehin zur Eigennutzung bestimmt ist.

780'000 Franken für eine Eigentumswohnung in Wil

«Die Region Wil stand im Herbst 2019 hoch in der Gunst der Käufer», halten die Immobilienexperten von Wüest Partner in ihrem jüngsten Immobilienmarktbericht fest. Sowohl im Segment der Eigentumswohnungen als auch in jenem der Einfamilienhäuser sind die Verkaufspreise wieder deutlich angestiegen. Als wichtigste Standortvorteile dieser Gemeinden nennt die Studie die gute Erreichbarkeit, zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten innerhalb der Region sowie die Nähe zu den Wirtschaftszentren St.Gallen und Zürich.

Eigentumswohnungen scheinen nach wie vor begehrt zu sein. Trotz intensiver Neubautätigkeit wird das zusätzliche Wohnungsangebot gut vom Markt aufgenommen. «Während sich die Vermarktungszeit in der Region Wil mit rund 65 Tagen unter dem Gesamtschweizer Durchschnitt bewegt, haben die hiesigen Verkaufspreise im vergangenen Jahr erneut zugelegt», wird im Marktbericht festgehalten. Ein deutliches Preiswachstum von mehr als 4 Prozent verzeichneten Zuzwil und Oberbüren sowie das etwas günstigere Kirchberg. Nicht ganz so stark verteuerten sich die Wohnungen mit einem Plus von rund 2 Prozent in der Stadt Wil, wo ein gängiges Objekt rund 780'000 Franken kostet.

«Derweil haben die Bauaktivitäten im Wiler Mehrfamilienhaussegment nachgelassen und dürften sich angesichts des geringen Bewilligungsvolumens auch im neuen Jahr auf moderatem Niveau bewegen», halten die Immobilienexperten im Marktbericht fest.

Einfamilienhäuser immer noch für breite Kreise erschwinglich

Die Einfamilienhauspreise in der Wohnregion Wil entwickelten sich laut der Studie in den vergangenen Monaten ebenfalls überdurchschnittlich stark nach oben. So lag der mittlere Preiszuwachs mit einem Plus von 3,9 Prozent im Vorjahresvergleich hier leicht über dem kantonalen Wert von knapp 2,9 Prozent. Zudem stellen die Experten fest: «Obwohl das Preisniveau für ein durchschnittliches Objekt in praktisch allen Wiler Gemeinden bei über einer Million Franken liegt, sind Einfamilienhäuser – im Gegensatz zu der benachbarten Region St.Gallen oder vielerorts im Kanton Zürich – meist immer noch für eine breitere Käuferschaft erschwinglich.»

An begehrten Standorten werden auch in der Region Wil höhere Preise erwartet. Die vermehrten Transaktionen sowie die steigende Zahl an Suchabos zeugen von einer lebhaften Nachfrage. Auf jedes auf Inseratplattformen zum Verkauf angebotene Einfamilienhaus kommen mehr als zwei Suchende.