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«Trotz des Aufstands waren die Menschen stets hilfsbereit»: Wie eine Wattwilerin die Unruhen in Bolivien erlebte

In Bolivien herrschen seit den Wahlen im Oktober grosse Unruhen. Die Demonstrationen arten immer mehr aus. Regierungskritiker fordern den Rücktritt von Präsident Morales. Eine Toggenburgerin war vor einigen Tagen in Südamerika und erzählt von ihren Erlebnissen.
Alexandra Pavlovic

Derzeit treibt es viele Menschen in Bolivien auf die Strassen. Nicht etwa wegen wirtschaftlicher Probleme, sondern wegen Unregelmässigkeiten bei den vergangenen Wahlen. Evo Morales, seit 2006 Präsident, hat sich zum vierten Mal zum Präsidenten wählen lassen, obwohl die Verfassung nur zwei Amtszeiten vorsieht. Morales' Gegner sprechen daher von Wahlbetrug und fordern seinen Rücktritt. Die Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der Regierung und der Opposition sind unterdessen eskaliert; drei Todesopfer sind bislang die Folge. Die 18-jährige Wattwilerin Leonie Keist hat die Unruhen hautnah miterlebt.

Die Wattwilerin Leonie Keist. (Bild: PD)

Die Wattwilerin Leonie Keist. (Bild: PD)

Sie waren vor einigen Tagen noch in Bolivien, weshalb?

Leonie Keist: Meine Kollegin ist mit der Big Band der Kantonsschule Wattwil im Oktober für vier Konzerte nach Bolivien gereist. Im Anschluss daran haben wir noch einige Zeit im Land verbracht. Die Demonstrationen waren bei unserer Ankunft in Bolivien Ende Oktober schon im Gange. So haben wir etwa erlebt, wie in der Stadt La Paz gestreikt wurde und in der Stadt Santa Cruz diverse Strassenblockaden bestanden. Jedes Auto wurde auf Waffen kontrolliert, man konnte sich nur sehr mühsam fortbewegen.

Hatten Sie keine Angst?

Natürlich waren wir wegen der Vorfälle beunruhigt. Angst jedoch verspürten wir keine. Ich hatte auch nie das Gefühl, in Gefahr zu sein. Das lag hauptsächlich an den Bolivianern. Trotz des Aufstands waren die Menschen stets hilfsbereit und freundlich.

Die Auseinandersetzungen waren aber teils äusserst brutal; es sind gar Menschen gestorben.

Ja, das stimmt. Doch das ist nur eine Seite. Mir ist bewusst, dass die Medien ihren Fokus auf die schlimmen Ereignisse legen, dennoch ist es auch nötig und wichtig, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

Das heisst?

Die Bolivianer haben zunächst friedlich gegen das Wahlergebnis protestiert. Es gab keine Unruhen seitens der Opposition. Die Menschen forderten lediglich die Aufklärung der Wahlergebnisse, was ihr gutes Recht ist. Schliesslich beteuern sie immer, dass sie ein Land der Demokratie sind. Und es ist ja offensichtlich, dass der Präsident gegen die eigene Verfassung gehandelt hat. Die Anhänger der Regierung gingen aber je länger, je brutaler gegen die Protestierenden vor.

Haben Sie sich ebenfalls an den Protesten beteiligt?

Ja, das habe ich. Ich habe Bekannte vor Ort, welche sehr engagiert sind und sich auch aktiv bei den Aufständen beteiligen. Ich habe sie, so gut es geht, unterstützt. Wir wären bei einem der Proteste gerne an der Front mitgelaufen, doch wir wurden von unserem Vorhaben abgehalten.

Weshalb?

Weil es zu gefährlich war. Maskierte Personen mit Schlagstöcken lieferten sich erbitterte Kämpfe mit der Polizei und der Armee. Wir haben uns daher im Hintergrund gehalten.

Werden Sie Bolivien nach Ihren Erfahrungen überhaupt noch besuchen?

Allerdings. Ich habe mich in das Land verliebt und will gerne wieder dahin. Vor einer erneuten Reise warte ich aber zunächst die Unruhen ab.

Demonstranten überschütten die Bürgermeisterin von Bolivien mit Farbe und schneiden ihre Haare ab

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