Träume aus Schachteln, Karton und Papier in der Klinik Sonnenhof

Elf Kunsttherapiestudentinnen sind vom deutschen Nürtingen nach Ganterschwil gereist, um in der Klinik Sonnenhof eine Kunstprojektwoche mit Kindern und Jugendlichen zu verwirklichen. Am Freitag hat die Vernissage stattgefunden.

Flurina Lüchinger
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Das fotografische Festhalten der selbst gebauten Kulisse mit dem Patienten im Vordergrund. (Bild: PD)

Das fotografische Festhalten der selbst gebauten Kulisse mit dem Patienten im Vordergrund. (Bild: PD)

In der Aula der Kinder- und jugendpsychiatrischen Klinik Sonnenhof in Ganterschwil ist die Anspannung zu spüren. Es ist eine Anspannung der guten Art. Ein Koch schiebt zwei Wägelchen mit Häppchen in die Aula und die letzten Weingläser werden mit Mineralwasser und Apfelschorle gefüllt. Rund 60 Personen stehen erwartungsvoll in einem Kreis und flüstern angeregt miteinander. Es sind die Patienten und Angestellten des Sonnenhofs und an diesem Nachmittag ganz speziell mit dabei sind elf Kunsttherapiestudentinnen aus Nürtingen, nahe bei Stuttgart. Sie stehen am Anfang ihres Master-Studiengangs. Grund für das Zusammentreffen ist eine abschliessende Vernissage der Projektwoche dieses Jahres.

Der Chefarzt des Sonnenhofes, Ulrich Müller-Knapp, bittet alle um ihre Aufmerksamkeit und spricht ein grosses Dankeschön aus an alle, die bei der Verwirklichung des Projektes mitgeholfen haben. Als er die Kinder und Jugendlichen, die beim Projekt künstlerisch beteiligt waren, brandet spontan ein langer Applaus auf.

Elf Studentinnen in Eins zu Eins-Zusammenarbeit

Das siebte Mal haben Kunsttherapeutin Sabine Staroszynski und ihr Mann, Thomas Staroszynski, Professor an den Hochschulstudiengängen Künstlerische Therapien in Nürtingen, eine solche Projektwoche auf die Beine gestellt. In dieser Zusammenarbeit kreieren Studierende des Fachbereichs Kunsttherapie gemeinsam mit ihren Patienten innerhalb von einer Woche ein künstlerisches Werk. Die elf Studentinnen arbeiten in diesem Jahr im Eins-zu-Eins-Setting mit jeweils einem Kind oder Jugendlichen. Zur Verfügung stehende Materialen waren Papier und Karton in allen erdenklichen Ausführungen. Das Konzept bestand darin, dass eine Studentin mit einem Klienten seinen Lebenstraum sichtbar werden lässt.

«be who you want to be», lautet der entscheidende Impuls. Die direkte Zeit pro Tag, die der Klient mit der Studentin verbracht hat, betrug viereinhalb Stunden. Diese Zeit sei sehr intensiv gewesen, betonen die Studentinnen. Neben der aktiven Zusammenarbeit mit dem Kind mussten die Erkenntnisse und Erfahrungen ausgewertet und besprochen und das weitere Vorgehen neu vorbereitet werden. Begleitet und unterstützt wurden die Studentinnen von einem Tobias Loemke, ebenfalls Professor an der Nürtinger Hochschule.

Traumverwirklichung mit Kulisse und Kostüm

Als erstes galt es, das angestrebte Selbstbild des Patienten zu entdecken. Dann wurde diesbezüglich eine passende Inszenierung gebastelt. Dazu gehörten nicht nur ein passendes Kostüm, sondern auch weitere Gegenstände oder räumliche Accessoires, um das Ankleidezimmer einer Prinzessin, einen Strand oder einen U-Bahn-Schacht zu zeigen.

Ein Mitarbeiter des Sonnenhofs, der über eine fotografische Ausbildung verfügt, fotografierte die jeweiligen Szenen. Das beste Bild eines jeden Patienten wurde auf zwei Meter Länge ausgedruckt. Diese Poster sind nun in den Korridoren der verschiedenen Gebäude des Sonnenhofs zu sehen. Die Gesichter der Posierenden sind hinter Masken verborgen, um den Patientenschutz zu gewährleisten.

Ziel dieses Projektes war, den Patienten eine alternative Möglichkeit zu schenken, sich selbst und das, was sich in ihrem Inneren abspielt zum Ausdruck zu bringen. Auch für die Klinik sehr inspirierend, die auswärtige Leute für eine Woche hochfrequent mit einer psychisch kranken Person zusammenzuarbeiten zu sehen und Erkenntnisse und Anregungen untereinander miteinander zu teilen. Diese Projektarbeit, die am Anfang des Masterstudienganges steht, soll den Studentinnen auch als Rückbezugsmittel während des ganzen weiteren Studiums zu Verfügung stehen.