Interview

Touristiker Christian Gressbach erklärt die gestiegenen Übernachtungszahlen: «Das Toggenburg ist ein interessanter Flecken»

Ein Plus bei den Gästeankünften, ein Plus bei den Logiernächten: Die Toggenburger Hotellerie kann auf ein gutes Jahr 2019 zurückblicken. Dies als einzige Tourismusdestination in der Ostschweiz. 

Sabine Camedda
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Das Toggenburg ist vor allem bei den Schweizern eine beliebte Feriendestination.

Das Toggenburg ist vor allem bei den Schweizern eine beliebte Feriendestination.

Bild: Dolores Rupa

Zum zweiten Mal in Folge verzeichnete die Toggenburger Hotellerie mehr Ankünfte und mehr Logiernächte. Worauf führen Sie das zurück?

Christian Gressbach: Im Toggenburg widerspiegelt sich der schweizerische Trend. Das ist erfreulich. Ich führe dies auf zwei Hauptfaktoren zurück: Der Schweizer Franken ist wieder ein bisschen schwächer geworden, sodass wieder mehr Gäste aus Deutschland zu uns reisen. Und die Schweizer reisen gerne innerhalb der Schweiz. Für sie ist das Toggenburg ein interessanter Flecken. Ebenfalls darf erwähnt werden, dass durch das von uns initiierte Impulsprogramm von 2017 bis 2019 einige Hotels ihre Aufgaben gemacht haben und wieder marktfähiger sind.

Christian Gressbach, Geschäftsführer Toggenburg Tourismus.

Christian Gressbach, Geschäftsführer Toggenburg Tourismus.

Bild: PD

Die Zunahme der Logiernächte ist weniger stark als bei den Ankünften. Das heisst, die Gäste bleiben weniger lange. Können Sie dies erklären?

Der Unterschied bei der Aufenthaltsdauer zum Vorjahr ist minim. Im Vergleich zu anderen Destinationen stehen wir mit einer Aufenthaltsdauer von über 2,2 Tagen gut da. Der Trend geht nach wie vor zu kürzeren Urlauben, dafür fährt man öfters weg. Und das Toggenburg wird immer besser erschlossen. Wir müssen aber bei der Aufenthaltsverlängerung den Hebel ansetzten, denn je länger ein Gast bleibt, desto höher ist die Wertschöpfung.

Wie kann man dem entgegensteuern?

Die Hoteliers sind gefordert, das Angebot in ihren Betrieben attraktiv zu gestalten und zu vergrössern. Aber auch wir von Toggenburg Tourismus und die Leistungsträger sind gefordert, dass der Gast im Toggenburg nicht nur an zwei Tagen etwas erleben und Spass haben kann, sondern aufgrund einer grossen Angebotspalette an fünf Tagen.

In den Monaten Mai und September waren die Ankünfte und Logiernächte tiefer als im Vorjahr. Andererseits gab es starke Zunahmen (10 Prozent und mehr) im Februar, im April, im Juni und im November. Wie ist das zu erklären?

Es gibt immer wieder Schwankungen, wenn ein Anlass stattfindet oder nicht. Im Mai 2019 fehlte beispielsweise das Klangfestival, das schlägt sich in der Statistik nieder. Auch das Wetter spielt eine Rolle, vor allem, weil viele Gäste sich kurzfristig entscheiden, wo sie ihren Kurzurlaub verbringen wollen.

Wie ist das Jahr 2020 angelaufen?

Ich kann nur für einige Betriebe in der Gemeinde Wildhaus-Alt St.Johann reden. Sie sind im Januar nicht schlecht gestartet. Sie klagen aber, dass sie wegen der Situation der Bergbahnen Stammgäste verloren haben. Wir müssen diese Situation unbedingt im Auge behalten, weil die zweite Saison nach dem Wegfall des gemeinsamen Tickets die Situation wohl noch verschlimmert. Aus meiner Sicht muss auf jeden Fall eine Lösung gefunden werden, denn neben den Einheimischen und Zweitwohnungsbesitzern wollen in erster Linie die Aufenthaltsgäste ein ganzheitliches Angebot.

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