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«Tourismus funktioniert nur miteinander»

Welchen Tourismus braucht das Toggenburg? Diese Frage stellte FDP-Präsident Simon Seelhofer seinen fünf Gästen an einem Podiumsanlass beim Baumwipfelpfad. Alle Redner betonten die Wichtigkeit der Zusammenarbeit.
Sabine Schmid
Diskutierten engagiert über den Tourismus im Toggenburg (von links): Zeltainer-Inhaber Martin Sailer, Hotelier Roland Stump, Diskussionsleiter Simon Seelhofer, Gemeinderätin Andrea Abderhalden-Hämmerli, Tourismusdirektor Christian Gressbach und Klangwelt-Präsident Mathias Müller. (Bild: Sabine Schmid)

Diskutierten engagiert über den Tourismus im Toggenburg (von links): Zeltainer-Inhaber Martin Sailer, Hotelier Roland Stump, Diskussionsleiter Simon Seelhofer, Gemeinderätin Andrea Abderhalden-Hämmerli, Tourismusdirektor Christian Gressbach und Klangwelt-Präsident Mathias Müller. (Bild: Sabine Schmid)

Christian Gressbach als Geschäftsleiter von Toggenburg Tourismus und Hotelier Roland Stump stehen tagtäglich mit Feriengästen in Kontakt. Die Kantonsräte Mathias Müller (CVP) und Martin Sailer (SP) sowie die Nesslauer Gemeinderätin Andrea Abderhalden-Hämmerli (FDP) haben einen eher politischen Blickwinkel auf den Tourismus, obwohl Müller dem Förderverein Klangwelt Toggenburg vorsteht und Sailer als Inhaber des Kleintheaters Zeltainer in Unterwasser eine künstlerische Sicht mitbringt. Die fünf Gäste von Simon Seelhofer legten in der gut besuchten Podiumsveranstaltung in der Blockhütte beim Baumwipfelpfad in Mogelsberg spannende Sichtweisen zum Thema Tourismus dar.

Der Gesprächsleiter stellte jedem Gast einige spezifische, an ihn gerichtete Fragen. Zudem warf er Themen in die Runde, zu welchen sich jeder äussern konnte. Beispielsweise zur Frage nach dem Zustand des Toggenburg. «Wir haben viel Schönes und Gutes im Tal, nur leider wird vor allem das Schlechte nach aussen getragen», bedauerte Martin Sailer.

Dem pflichtete Roland Stump bei und gab ein Rezept, um dem Gegensteuer zu geben: Jeder müsse lernen, sich auf das zu konzentrieren, was er gut könne und diesen Job zu machen. Wenn dies alle machen und sich verbinden würden, hätte man eine Chance. «Denn Tourismus funktioniert nur miteinander».

Andrea Aberhalden-Hämmerli, selbst dreifache Mutter, befremdet es, dass sogar die Kinder die Spaltungen der Erwachsenen weiter tragen. «Ich vermisse im Toggenburg das Zusammenhalten», sagte sie. Diese Spaltung zwischen Dörfern, aber auch zwischen «oben und unten» bemerkt auch Christian Gressbach. Mathias Müller plädierte derweil, dass die Gemeinden und Toggenburg Tourismus vermehrt jene Leute unterstützen sollen, die Ideen haben und mutig sind.

Der Baumwipfelpfad ist ein Highlight

Genau solche Menschen seien es, die ihn für sein Engagement bei der Klangwelt Toggenburg motivieren, sagte Mathias Müller. Er ist überzeugt, dass es im Toggenburg etwas braucht nebst der Natur und der Landschaft. «Das Thema Klang ist dafür ideal, denn es löst Emotionen aus». Dies habe man beim Klangfestival Naturstimmen in Alt St. Johann eindrücklich erleben können.

Bombastisch gestartet: In den ersten zehn Tagen besuchten über 10'000 Personen den Baumwipfelpfad in Mogelsberg. (Bild: Keystone)

Bombastisch gestartet: In den ersten zehn Tagen besuchten über 10'000 Personen den Baumwipfelpfad in Mogelsberg. (Bild: Keystone)

Keine Motivationsprobleme kennt auch Christian Gressbach. Seine Arbeit mache ihm grossen Spass. Nicht zuletzt auch, weil es immer wieder Highlights gebe wie nun den Baumwipfelpfad in Mogelsberg. Für Touristen hätten solche Produkte mehr Bedeutung, als eine Marke. «Wichtig ist bei diesen Produkten aber ein regionaler Bezug», betonte Christian Gressbach. Genau solche Produkte kreiert Martin Sailer als «Ideenschmied» für die Klangwelt Toggenburg. Es sei noch zu früh, um konkret zu werden, sagte er. Seine Erfahrung als Selbstständiger hat ihm gezeigt, dass der Dialog sehr wichtig ist.

Andrea Abderhalden-Hämmerli wäre als Gemeinderätin bereit, Projekte aus öffentlicher Hand zu unterstützen, «solange bis sie fliegen». Das müsse aber nicht immer mit Geld sein, es könne auch genügen, wenn die Gemeindebehörde ein offenes Ohr hat oder selbst etwas an die Hand nehme.

Das Toggenburg verdient einen Aufenthaltstourismus

Simon Seelhofer wollte von den Podiumsteilnehmern wissen, ob es im Toggenburg einen Übernachtungstourismus brauche. Christian Gressbach findet schon, denn die Übernachtungsgäste würden die Orte beleben. Zudem sei die Wertschöpfung viel höher als bei Tagestouristen. Roland Stumpf ist überzeugt, dass das Toggenburg einen Aufenthaltstourismus verdiene, denn es sei eine «Suisse en miniature» vor dem Haus, wie es das sonst nicht gebe. Der Wildhauser Hotelier wies aber auf die Schwierigkeiten hin, dass viele Hotels Kleinbetriebe seien, der Gast aber dennoch ein Komplettangebot erwarten würde. «Ein Kleinbetrieb ist dann eine Existenz, wenn die Gastgeber mit Leib und Seele arbeiten», sagte er. Der Preisdruck sei aber so gross, dass es schwierig sei, eine Erneuerung aus eigener Kraft zu schaffen.

Schliesslich befragte der Gesprächsleiter seine Gäste nach den Inhalten der Zukunft. Toggenburg Tourismus, sagte Christian Gressbach, setze weiterhin auf die Themen Klang, Wintererlebnis und Meeting, aber auch auf Natur und Familien. Zudem wolle man das Feld der Grup­penreisen vermehrt bearbeiten. Mathias Müller fand, dass es ein Thema brauche, um sich von anderen Regionen abzuheben. Für ihn ist Klang ein solches. Darunter habe es viel Platz und Möglichkeiten für weitere Angeboten. Martin Sailers Ideen gehen auch in Richtung Kulturtourismus, wo er viel Wertschöpfung und Potenzial sieht. Kulturtourismus wäre gerade mit dem Klanghaus möglich.

Andrea Abderhalden-Hämmerli findet das Thema Klang eine gute Ausgangslage und jede Idee eine gute Ergänzung. «Mein Wunsch wäre aber, dass wir gegen aussen als Einheit auftreten würden», sagte sie. In diese Richtung zielte auch Roland Stump. Beim Johlen würden die Toggenburger beweisen, dass sie eine Einheit sein können. Jeder könne das machen, was er für richtig hält. Davon müsse man aber das Verbindende sehen und nicht das Gegensätzliche. «Das braucht aber Respekt und Toleranz», sagte Roland Stump.

"Ideen müssen aus der Region kommen"

Als Einstimmung auf die Podiumsdiskussion legte Dominik Siegrist einige Gedanken dar. Er ist Professor für naturnahen Tourismus und Pärke und leitet das Institut für Landschaft und Freiraum an der Hochschule Rapperswil. Dominik Siegrist kennt das Neckertal und das Toggenburg gut, denn er hat bei der Planung der beiden nicht realisierten Naturpärke Toggenburg-Werdenberg und Neckertal mitgearbeitet. Zudem war er an der Machbarkeitsstudie für den Baumwipfelpfad beteiligt. Dass dieser nun realisiert worden ist und sich schon wenige Tage nach der Eröffnung zum Publikumsmagneten entwickelt hat, freut Dominik Siegrist.

Der Referent kam bewusst nicht mit einem Strauss von Ideen an die Veranstaltung in Mogelsberg. «Ideen müssen aus der Region kommen, damit sie funktionieren», ist er überzeugt. Anhand von Zahlen legte er dar, wie die Anzahl Logiernächte seit 1992 abgenommen hat. Dies hat laut Siegrist aber auch mit dem veränderten Reiseverhalten der Menschen zu tun. Und: Auch die Zahlen beim Tagestourismus sind rückläufig. Darum seien in diesem Bereich Innovationen gefragt, die der Nachfrage der Reisenden entsprechen.

Als Erfolgsfaktor nannte Dominik Siegrist an erster Stelle die Kooperation innerhalb der Region. Es sei auch wichtig, dass ein Angebot spezialisiert sei, wie beispielsweise der Baumwipfelpfad. Es brauche auch vermehrt Unternehmertum bezüglich touristischer Angebote und klare Konzepte in den Projekten. Nicht zuletzt müsse Tourismus zwingend ein Teil der Regionalentwicklung sein, sagte Dominik Siegrist. Anhand von verschiedenen Beispielen führte er aus, dass eine positive Entwicklung möglich ist. Das Obergoms hat sich im Winter auf den Langlauf konzentriert und mit einer Hängebrücke ein neues Angebot für den Sommer geschaffen. Die Gäste kämen hauptsächlich aus der Schweiz, was die Abhängigkeit vom Eurokurs verringere. (sas)

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