Interview
Toggenburger wird Kantonalpräsident von Holzbau Schweiz. Er sieht den Verband als Förderer der Berufsbildung

Der Mogelsberger Willi Roth ist neuer Präsident der Kantonalsektion St.Gallen von Holzbau Schweiz.

Interview: Urs M. Hemm
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Im Baustoff Holz sieht Willi Roth eine grosse Zukunft. Für die professionelle Verarbeitung setzt er sich mit dem Verband Holzbau Schweiz gezielt für die Aus- und Weiterbildung von jungen Fachkräften in der Holzbau-Branche ein.

Im Baustoff Holz sieht Willi Roth eine grosse Zukunft. Für die professionelle Verarbeitung setzt er sich mit dem Verband Holzbau Schweiz gezielt für die Aus- und Weiterbildung von jungen Fachkräften in der Holzbau-Branche ein.

Bild: PD

Sie sind zum Präsidenten der Kantonalsektion St. Gallen von Holzbau Schweiz gewählt worden. Was bedeutet Ihnen diese Wahl?

Willi Roth: Mein Vorgänger, Sepp Steiger, war 16 Jahre Präsident von unseren Verband. Da ist sein Rücktritt verständlich. Für mich ist diese Wahl eine grosse Herausforderung.

Welche Aufgaben warten als Kantonalpräsident auf Sie?

Wir haben neu auf ein Ressortsystem gewechselt, damit wir die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen können. Das war bis anhin nicht so. Zu unserem Gremium gehören die Sektionspräsidenten der vier Sektionen von Holzbau Schweiz Kanton St.Gallen, da hat jeder seinen Aufgabenbereich.

«Unsere Aufgabe ist in erster Linie die Berufsausbildung der Zimmerleute.»
Willi Roth, St.Galler Kantonalpräsident von Holzbau Schweiz.

Willi Roth, St.Galler Kantonalpräsident von Holzbau Schweiz.

Bild: PD

Unser Verband betreibt dafür zwei Kurszentren für überbetriebliche Kurse, eines in Wattwil und eines in Buchs. In diesen Kursen wird nebst dem Berufsschulischen Teil, das Grundwissen vom Zimmermann vermittelt. Dies in den Bereichen Handwerk, Arbeitstechniken und Arbeitssicherheit. Dieser Teil wird in Blockkursen abgehalten und umfasst 12 Kurstage pro Lehrjahr.



Leidet der Holzmarkt im Kanton St. Gallen noch immer an der grossen Menge an Sturm- und Käferholz? Wie sieht die Situation aktuell aus?

«Die Situation im Bereich Käferholz ist immer noch angespannt und der warme Winter wird das auch nicht so schnell ändern.»

Wie akut die Lage ist, wird sich dann im Frühling zeigen. Den Stand beim Sturmholz kenne ich nicht genau. Ich schätze den aber nicht als dramatisch ein.

Sie sind in Mogelsberg zuhause. Was hören Sie von den Toggenburger Waldbesitzern?

Die Nachfrage nach Nutzholz ist gut, wobei die Preise immer noch viel zu tief sind. Eine Veränderung ist nicht in Sicht, da der Preis auch vom benachbarten Ausland mitgestaltet wird.

Was empfehlen Sie den Waldbesitzern angesichts der aktuellen Lage?

Die Nachfrage nach Nutzholz ist gut und das wird sich in nächster Zeit nicht ändern. Was Waldbesitzer aber tun können, ist, den Wald zu nutzen und zu pflegen und damit fit zu halten. Denn ein verjüngter Wald ist auch resistenter gegen Käfer.

Sägereien in der Region Toggenburg sagen, dass es schwierig ist, beispielsweise Käferholz den Kunden zu verkaufen. Was raten Sie ihnen?

Da geht es darum, den Endverbraucher zu sensibilisieren. Holz kann beispielsweise in der Randzone leicht verblaut sein, ansonsten aber keine Beeinträchtigung aufweisen. Weiter gibt es auch gute Beispiele, wie die Markthalle Toggenburg in Wattwil und eine im Dezember gebaute Lagerhalle im Neckertal, welche komplett aus Käferholz hergestellt sind. In diesem Bereich engagieren sich auch andere Organisationen wie zum Beispiel die IG Holz Toggenburg.

Gibt es konkrete Massnahmen, um den Käferbefall einzudämmen?

Bis jetzt kenne ich keine neuen Massnahmen. Wenn es im Frühling schnell warm wird, kann das sofort wieder zu starkem Befall führen. Dann müssen alle reagieren.

Welche Rolle spielt das Wetter, ob der Befall wieder zunimmt?

Das Wetter spielt dabei die Hauptrolle, wie sich der Käfer entwickeln kann. Der milde Winter macht den ersten Schritt und wenn es im Frühling so weiter geht, ist ein Anstieg der Population kaum zu verhindern.

Sie selbst besitzen eine Holzbaufirma. Wie gehen Sie mit der Situation um?

Wir versuchen in Absprache mit den einzelnen Bauherrschaften Käferholz im nicht sichtbaren Bereich oder im Bereich Industrie oder Landwirtschaft einzusetzen.

«Der Käferbefall ist rein ästhetisch und hat auf die Festigkeit keinen Einfluss.»

Der Borkenkäfer befällt nur Holz im Wald und bringt den Baum bei starkem Befall zum Absterben. Wenn das Holz zeitnah geschlagen wird, kann es gut genutzt werden.

Im Vergleich zu ausländischem Bauholz ist Schweizer Holz teurer. Welchen Mehrwert bekommt ein Kunde, der mit Schweizer Holz baut?

Der Kunde unterstützt indirekt die Wertschöpfung direkt vor Ort und erhält durch die kurzen Transportwege einen ökologischen noch wertvolleren Baustoff.

Welche Rolle wird Holz als Baustoff in der Zukunft spielen?

Die Bedeutung von Holz wird auch in der nächsten Zeit laufend zunehmen. Der Baustoff Holz ist sehr im Trend.

Bereits jetzt nimmt die Wertschöpfungskette im Toggenburg einen hohen Stellenwert ein. Was können Produzenten und Verarbeiter noch besser machen, um diese Stellung zu behaupten?

Insbesondere im öffentlichen Bereich könnte die Verwendung von Schweizer Holz bei Ausschreibungen noch vermehrt zur Bedingung gemacht werden. Ausserdem müssen Bauherren öfters angegangen und von den Verarbeitern informiert und aufgeklärt werden, damit sie für ihre Bauprojekte Schweizer Holz verwenden.

Branchenverband Holzbau Schweiz

Der Verband Holzbau Schweiz nimmt sich verschiedener Aufgaben an: Zum einen wahrt er die Interessen der Holzbau-Branche gegenüber dem Staat, der Wirtschaft und der Öffentlichkeit. Zum anderen fördert er die unternehmerische und bauliche Qualität der Holzbau-Branche. Nicht zuletzt fördert der Verband die Aus- und Weiterbildung in der Branche und sorgt für die Durchführung von Berufs- und höheren Fachprüfungen. (uh/pd)