Toggenburger Orchester
Jubilieren und musizieren auf dem Klangweg: Eine Freude für Wanderer und Musiker

Das Toggenburger Orchester spielte am Samstag auf dem Klangweg zwischen der Sellamatt und Iltios in Kammerorchester-Formationen eine Wandersymphonie. Es war ein Teil des Festivaljahrs der Klangwelt Toggenburg.

Christiana Sutter
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Bei der Wandersymphonie auf dem Klangweg holte sich das Toggenburger Orchester Unterstützung, unter anderem mit einem Alphornspieler.

Bei der Wandersymphonie auf dem Klangweg holte sich das Toggenburger Orchester Unterstützung, unter anderem mit einem Alphornspieler.

Bild: Christiana Sutter

«Eine wahre Freude ist es, dass wir wieder vor Publikum spielen dürfen», hört man von den Musikanten. «Endlich erhalten wir wieder Applaus, wenn wir spielen», äussert sich eine junge Cellistin mit einem Strahlen im Gesicht. «Richtig kribbelig war ich vor dem heutigen Tag», sagt Paul Koller, Präsident des Toggenburger Orchesters. Für ihn sei dieser Anlass eine Chance, ein Experiment. Und:

«Mit der Öffnung an diesem Samstag kehrt wieder neues Leben in die Kultur ein, es ist ein wunderbarer Start.»

Schon bei der Fahrt mit der Bahn hinauf auf die Sellamatt werden die Fahrgäste auf halbem Weg von Trompeten empfangen. Die Wandersymphonie beinhaltet Musikstücke vom Barock bis in die Neuzeit, zu hören sind auch Heimatklänge, Alphorn und Juchzer.

An elf Stationen spielen die Formationen von Musikerinnen und Musikern des Toggenburger Orchesters mit ihren Naturinstrumenten passende Melodien zu den Klanginstallationen. Begleitet werden sie von einer natürlichen Klangkulisse: Vogelgezwitscher und Kuhglockengeläut.

Dirigent Ernst Hüberli hat die Musikstücke teilweise neu arrangiert. Die Musikantinnen und Musikanten bringen den Klangweg so richtig zum Klingen. Seit Februar haben sie in kleinen Gruppen an verschiedenen Orten geübt.

Klanginstrumente als Thema für die Musik

Hühnerhautatmosphäre erwartet die Besucherinnen und Besucher bei der Lukas-Kapelle auf der Alp Sellamatt. Es sind die ersten Töne der Wandersymphonie. Streicherinnen und Streicher spielen Musik, die unter die Haut geht, dies vor der Kulisse des Alpsteins. Ganz andächtig hören die Gäste den Klängen zu.

Immer wieder hört man unterwegs, dass man endlich wieder an ein Konzert gehen kann, wenn auch an ein spezielles in einer wunderbaren Gegend. Überall sind die Freude und Erleichterung zu spüren, dass es wieder vorwärtsgeht mit dem Leben, dies nach langer Zeit der Entbehrungen.

Bei der Klanginstallation Nachklang spielt eine Flötistin immer wieder dieselben zwei Töne, während die anderen Musikanten fröhliche Klänge auf den Streichinstrumenten spielen. Die Instrumente der Klanginstallationen hat Dirigent Hüberli als Thema für die Musikstücke aufgenommen.

Beim Kuhlöckler erkennen die Zuhörenden sofort, um welchen Toggenburger Kuhreihen es sich handelt. «Gang rüef dä Brune, gang rüef dä Gäle» ertönt es aus den Instrumenten und schon wird mitgesungen und auch die Füsse stehen nicht still. Passend zu dem Musikstück tragen die Musikantinnen und Musikanten jeweils ein Kleidungsstück, das zum Thema passt. Beim Kuhlöckler gelb-braun gestreifte Stulpen.

Das wandernde Publikum darf auch mitspielen

Der Klangweg ist in dieser Jahreszeit auch ein Naturerlebnis. Wandern auf den Wanderwegen umgeben von Farn, Blumen in allen Farben, Vogelgezwitscher und ein Rauschen von den Bäumen. «Ist das ein Specht?», ruft jemand aus dem wandernden Publikum – und schon hört man die passende Musik dazu. Das Publikum bleibt stehen und lauscht den Klängen. Der Specht gibt den Takt an.

Eines der beiden Musikstücke beschreibt den Sonnenaufgang, das Publikum hört andächtig zu.

Eines der beiden Musikstücke beschreibt den Sonnenaufgang, das Publikum hört andächtig zu.

Bild: Christiana Sutter

Wanderer aller Altersgruppen sind unterwegs, Kleinkinder auf den Schultern des Papas, Familien, Jugendliche und ältere Menschen. Ein Zuhörer, der selber in einem Orchester spielt, sagt:

«Wandern mit Musik ist fantastisch.»

Auch die Musikerinnen und Musiker des Toggenburger Orchesters sind altersmässig gut durchmischt. Bei einigen Stationen integrieren Orchestermitglieder die Kleinsten. Die Glockenbühne bietet sich dafür bestens an zur Freude der Kinder.

Der arbeitslose Dirigent

Ernst Hüberli, der arbeitslose Dirigent, spielt am Ende der Wandersymphonie die Drehorgel.

Ernst Hüberli, der arbeitslose Dirigent, spielt am Ende der Wandersymphonie die Drehorgel.

Bild: Christiana Sutter

Am Ende der Wandersymphonie steht ein Orgelspieler hinter einer Drehorgel. Es ist Dirigent Ernst Hüberli. Ein kleines Plakat hängt um seinen Hals: der arbeitslose Dirigent. Er strahlt übers ganze Gesicht.

«Die Idee dieser Wandersymphonie trage ich schon seit Jahren mit mir herum.»

Letzten Herbst war es Zeit für die Umsetzung. «Ich sagte mir, wenn nicht jetzt, wann dann. Wir können musizieren und jubilieren.» Das Orchester feierte zwar 2020 sein 125-jähriges Bestehen, doch es blieb einiges offen. Ernst Hüberli war vor dem Konzert gespannt, wie es ankommt. Wie es klingt, hat er nicht gewusst. «Jetzt habe ich eine Riesenfreude, dass das Publikum diese Art des Konzerts schätzt.»

Am Wochenende vom 3./4. Juli spielt das Toggenburger Orchester nochmals die Wandersymphonie auf dem Klangweg. Informationen auf: www.toggenburgerorchester.ch.