Toggenburger Orchester – Beschwingt ins Jubiläumsjahr

Das Toggenburger Orchester prägt seit stolzen 125 Jahren frisch und lebendig die Musikkultur im Toggenburg mit.

Peter Küpfer
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Vorfreude pur: Solistin und Solisten von Pianissimo proben zusammen mit dem Orchester für das Jubiläumskonzert.

Vorfreude pur: Solistin und Solisten von Pianissimo proben zusammen mit dem Orchester für das Jubiläumskonzert.

Bild: Peter Küpfer

Das Toggenburger Orchester entstand 1980 aus dem Zusammenschluss des Jungen Kammerorchesters Wattwil und des 1895 gegründeten Orchestervereins Wattwil. Mithin jährt sich dieses Jahr das Bestehen des Ensembles zum 125. Mal.

Zum bevorstehenden Jubiläumskonzert schlüpft das Toggenburger Orchester in historische Gewänder der Mozart-Zeit. Am festlichen Event hat auch das eigens zu diesem Anlass komponierte Stück «Besuch aus Wien» von Matthias Roth seine Uraufführung. Im Anschluss an das Konzert wird gemeinsam mit dem Publikum auf das Jubiläum angestossen.

Im Toggenburg fest verwurzelt

Das Toggenburger Orchester erarbeitet jährlich ein bis zwei Konzertprogramme. Die Auftritte der über 40 Laienmusiker finden jeweils an verschiedenen Orten im ganzen Toggenburg statt. Neben traditionellen Programmen werden immer wieder auch ausgefallene Spielorte gesucht. So musizierte das Ensemble schon auf dem Säntis, auf dem Chäserrugg, in Fabrikhallen oder im Hallenbad Bütschwil. Gross in der Publikumsgunst stehen auch die alle drei Jahre stattfindenden Neujahrskonzerte in Lichtensteig mit jeweils über 2000 Besuchern.

Vielen sind besonders aufwendige Konzerte in lebendiger Erinnerung, zum Beispiel dasjenige in der Kiesgrube der Firma Grob Bütschwil («Baggerballett») oder das legendäre Tunnelkonzert unter dem Titel «Orpheus in der Unterwelt», das der ideenreiche Dirigent im Mai 2007 im Tunnel der Umfahrungsstrasse Wattwil durchführte. Ein weiteres Tunnelkonzert erwartet die Besucher nun Anfang Juni dieses Jahres im neu erstellten Umfahrungstunnel Bütschwil. Es findet unter dem verheissungsvollen Titel «Tanz der Vampire» am 5. und 6. Juni statt.

Spürbare Vorfreude in der Probe

Nun stehen die Zeichen aber auf dem bevorstehenden Jubiläumskonzert Mitte Januar in der katholischen Kirche Wattwil. Daraufhin wird gegenwärtig intensiv geprobt, wie ein kürzlicher Besuch bei der Probenarbeit zeigte. Der geräumige Musiksaal der Textilfachschule Wattwil war prallvoll ausgefüllt mit den Musikerinnen und Musikern des verdienten Orchesters.

Der linke Teil war bis tief nach hinten von den höheren Streichinstrumenten besetzt, rechts sah man unter den Cellisten auch ganz junge Gesichter, während von hinten schlagkräftige Trommeln wirbelten und der metallische Glanz der satt besetzen Bläser aufblitzte. Vor dem konzentriert ablaufenden Geschehen auf seinem Podium, ruhig und bestimmt wie immer, Dirigent Ernst Hüberli. Wie immer setzte er dem Ganzen mit knappen, aber umso entschiedeneren Gesten und Kommentaren klare Konturen.

Kurz vor acht erschienen die Pianisten. Es waren deren drei, die sich beschwingt gemeinsam an die Tastatur setzten. Die Solisten des Ensembles Pianissimo, Claudia Dischl, Matthias Hüberli und Matthias Roth, kamen sich bei ihrem sechshändigen Spiel keineswegs in die Quere. Die mitreissenden Klänge vom derart bespielten Flügel mischten sich mit dem satten Klangteppich des Orchesters zu intensivem Ohrenkitzel. Solisten und Orchester war das Vergnügen an ihrem Auftritt ins Gesicht geschnitten.

Wie man erfährt, ist das Konzert vom Sonntagnachmittag, 19. Januar, 17 Uhr, schon ausverkauft. Neben dem Konzert vom Samstagabend, 18. Januar, 20 Uhr, findet am Sonntag deshalb noch ein Zusatzkonzert um 14 Uhr statt, alle in der katholischen Kirche Wattwil.

Dirigent seit 40 Jahren

Ernst Hüberli feiert dieses Jahr ebenfalls ein Jubiläum: Der ideenreiche Musiker dirigiert das Toggenburger Orchester seit 1980. Nebst seinem grossen Fachwissen zeichnen ihn seine Fröhlichkeit und seine Begeisterungsfähigkeit aus. Ernst Hüberlis Devise ist: Musik macht Freude, und diese Freude geben wir unserem Publikum weiter. Für das Jubiläumskonzert Anfang Januar dieses Jahres hat er sich programmgemässe historische Kostüme einfallen lassen: Er selbst und alle seine Musikerinnen und Musiker werden in prächtigen Rokoko-Kostümen erscheinen, zu Ehren von Wolfgang Amadeus Mozart, dessen immer wieder neu hinreissende Musik das diesjährige Jubiläumsprogramm inspiriert.

Am 6. und 7. Juni lädt der Impresario dann in den neu erstellten Umfahrungstunnel Bütschwil ein. Dort erwartet das Publikum ein schaurig-schönes Konzert unter dem Titel «Tanz der Vampire».