Toggenburger Holzverarbeiter setzen auf Schweizer Holz – Sie wollen in der Krise den Inlandvorteil ausnutzen

Trotz guter Auftragslage der Sägereien droht den Waldbesitzern ein Absatzproblem mit Sturm- und Käferholz.

Urs M. Hemm
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Um die Holzmenge auf dem Markt abzubauen sind Waldbesitzer und die Holz verarbeitende Industrie auf die öffentliche Hand, aber auch auf private Bauherren angewiesen.

Um die Holzmenge auf dem Markt abzubauen sind Waldbesitzer und die Holz verarbeitende Industrie auf die öffentliche Hand, aber auch auf private Bauherren angewiesen.

Bild: PD

Die Hölzigen kommen nicht zur Ruhe: Im vergangenen und, wie es scheint, auch in diesem Jahr, stellen die Trockenheit und der Borkenkäfer die Toggenburger Holzindustrie vor grosse Herausforderungen. Nun bremst zusätzlich die Coronakrise vor allem die private Bautätigkeit aus, was zur Verschärfung der Lage auf dem Holzmarkt führen könnte. Aber auch neue Chancen eröffnet.

«Jetzt, da es für Holzimporte insbesondere aus den Nachbarländern schwierig geworden ist, Liefertermine einzuhalten, zahlen sich unsere Strategie, zu Hundertprozent nur Schweizer Holz zu verarbeiten, und unsere Nähe zu den Kunden aus.»

Das sagt etwa Res Nef, Verwaltungsratsmitglied der Necker Holz AG in Brunnadern. Jedoch: Nicht nur der Import ist von der Coronakrise betroffen, weiss Pirmin Fischbacher von der IG Holz Toggenburg und Präsident des Verwaltungsrates der Innoholz AG in Gähwil. «Der Rundholzabsatz ist etwas eingebrochen, weil unter anderem die Exportkanäle nach Italien und Österreich geschlossen sind.»

Derweil droht den Waldbesitzern weiteres Ungemach, da wegen der warmen und trockenen Witterung der Borkenkäfer wieder auf dem Vormarsch ist, was sie zu weiteren Fällaktionen zwingt.

Focus auf Aufträge der öffentlichen Hand

Wegen des Absatzeinbruchs beim Rundholz im Export seien die regionalen Verarbeiter sehr gut damit versorgt, sagt Pirmin Fischbacher.

«Daher sind zusätzliche Übernahmekapazitäten momentan beschränkt.»

Entsprechend sei die Auslastung bei vielen regionalen Sägewerken sehr gut und die Verarbeitungsmenge hoch.

So auch bei der Necker Holz AG, welche Leimholzprodukte herstellt. «Bei uns läuft es zurzeit gut», sagt Res Näf. Dies sei jedoch hauptsächlich noch auf Aufträge zurückzuführen, die vor der Coronakrise eingegangen seien. Neben Privatkunden setzt die Necker Holz AG ihren Fokus hauptsächlich auf Immobilienfirmen, die in Eigenbauten investieren oder auf die öffentliche Hand, sprich auf Gemeinden oder den Kanton.

Um die Holzmenge abzubauen, plädieren Näf und Fischbacher dafür, dass Private, aber vor allem auch die öffentliche Hand, bei Neubauten ausschliesslich Schweizer Holz verwenden. «Es ist erfreulich, dass heute viele Neubauten in Holz realisiert werden. Auch im Toggenburg sind einige Projekte in Planung, in welchen grosse Mengen an regionalem Holz verbaut werden», sagt Pirmin Fischbacher.

Res Näf würde es begrüssen, wenn die öffentliche Hand gar dazu verpflichtet würde, bei Neubauten Schweizer Holz zu verwenden. «Das würde den Waldbesitzern, aber auch uns als Verarbeiter sehr helfen», sagt er. «Wir Sägewerksbetreiber sind uns der schwierigen Situation der Waldbesitzer bewusst und tun alles Mögliche, um Holz abzunehmen», sagt Pirmin Fischbacher. «Trotzdem müssen auch wir die aktuelle Lage genau beobachten und schauen, dass wir über die Runden kommen.»

Auch Käferholz eignet sich zum Hausbau

Die grosse Menge an Rundholz auf dem Markt, insbesondere von schlechterer Qualität (Sturmholz und Käferholz), seien denn auch der Grund dafür, dass die Durchschnittserlöse relativ gering seien, sagt Pirmin Fischbacher. Daher sei es wichtig, den Menschen zu vermitteln, dass auch mit Käferholz dauerhafte Holzbauten erstellt werden können.

«Die Markthalle Toggenburg in Wattwil wurde beispielsweise aus Käferholz erstellt.»

Sollten sich die Prognosen bewahrheiten und der Borkenkäfer auch in diesem Jahr wieder zuschlagen, werde sich die Situation für die Waldbesitzer weiter verschärfen. Am Ende liege es in der Hand der Endverbraucher: «Wenn die Konsumenten beim Holzkauf auf das Label ‹Schweizer Holz› setzten, machen sie alles richtig. Auch wenn es Käferholz sein sollte», sagt Pirmin Fischbacher.