Toggenburger Festival-Sommer fällt aus: Die Jazztage Lichtensteig sowie die Open Air Bütschwil und Wildhaus sagen definitiv ab

Am Mittwoch hat der Bundesrat die Open-Air-Saison gestrichen. Einen Tag später haben Toggenburger Festival-Macher die Absage bestätigt.

Fabio Giger
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Das war einmal und wird für einen Sommer ausgelassen: Partyvolk in Lichtensteigs Gassen an den Jazztagen im August 2019.

Das war einmal und wird für einen Sommer ausgelassen: Partyvolk in Lichtensteigs Gassen an den Jazztagen im August 2019.

Bild: Sascha Erni

Die Lieblingsjahreszeit aller Musikfreunde fällt aus. Kein kühles Bier zum Gitarren-Gedröhne am Open Air Wildhaus, kein Schunkeln am Schlagerfestival auf dem Gelände der Bergbahnen. Kein Barfusstanzen auf der Sal-Wiese am Open Air Bütschwil. Keine Saxofon-Melodien in den Gassen des Städtlis an den Jazztagen in Lichtensteig. Der Festivalsommer 2020 ist seit dem Bundesratsentscheid vom Mittwoch offiziell abgesagt: Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern sind bis Ende August nicht erlaubt.

Raphael Gygax, OK Jazztage Lichtensteig.

Raphael Gygax, OK Jazztage Lichtensteig.

Bild: Sabine Camedda, August 2018)

Mit rund 7000 Besuchern übersteigen die Jazztage Lichtensteig, die vom 7. bis 9. August stattgefunden hätten, diese Grenze bei weitem. «Das OK hat sich zwar kurz Gedanken gemacht, ob man die Jazztage Lichtensteig verschieben könnte», berichtet OK-Präsident Raphael Gygax am Telefon.

«Wir haben die Umstände aber als zu unsicher eingestuft und sahen uns gezwungen, die diesjährigen Jazztage abzusagen – auch um ein grösseres finanzielles Loch zu vermeiden.»

Es ist das erste Mal in der über 30-jährigen Geschichte, dass das Musikfest in den Gassen von Lichtensteig nicht durchgeführt werden kann. Raphael Gygax: «Das müssen wir erst mal verkraften. Die Enttäuschung ist entsprechend riesig.»

Line-up so weit wie möglich übernehmen

Der Vorverkauf für den Anlass, der vom 7. bis 9. August 2020 stattgefunden hätte, war im kleinen Stil bereits angelaufen. Da der grosse Vorverkauf jeweils erst Anfang Juni startet, sind es wenige Tickets, welche vollumfänglich zurückerstattet werden müssen. Das Line-up der nun nicht durchgeführten Veranstaltung will das OK so weit als möglich für den Anlass im 2021 übernehmen. «Es ist aber nicht auszuschliessen, dass es gerade auch bei den Headlinern Änderungen geben könnte», erklärt Raphael Gygax.

Hätte jemand ein Ticket nur wegen eines Acts gekauft, der nächstes Jahr aber nicht mehr auf dem Programm stehen würde, wäre es unfair, wenn man das diesjährige Ticket nicht zurückerstatten würde, so die Philosophie der Festival-Macher.

Investitionen fliessen in grosse Headliner

«Der finanzielle Schaden ist schmerzhaft, aber tragbar», sagt Gygax. Das Marketing ist bereits angelaufen und erste Investitionen wurden schon getätigt. Existenzgefährdend sei die Absage aber nicht. Einerseits, weil aufgrund der nun herrschenden rechtlichen Grundlage Verträge mit Bands und Technikausstattern nichtig sind. Andererseits, weil das gesamte Organisationskomitee ehrenamtlich arbeitet und die Fixkosten tief sind.

Grosse Geldreserven horte man keine. «Wir investieren die Gewinne jedes Jahr wieder in grosse Headliner oder neue Infrastruktur», erklärt Raphael Gygax.

Open Air Wildhaus

Nächstes Jahr fast zur gleichen Zeit


Bis Ende August sind keine Grossveranstaltungen erlaubt. Diese Weisung betrifft auch das Open Air Wildhaus, welches am 3. und 4. Juli auf dem Gelände der Bergbahnen Wildhaus hätte stattfinden sollen. Auf der Website des Open Airs sind bereits die neuen Daten im Vordergrund. Das Zwei-Tage-Fest wird auf den 9. und 10. Juli 2021 verschoben. «Wir sind bereit, alle für dieses Jahr engagierten Bands und Künstler an unseren neuen Daten im 2021 zu verpflichten. Lasst uns dafür etwas Zeit», schreibt das Veranstalter-Team auf der Website. Betont wird, dass alle bereits gekauften Tickets ihre Gültigkeit auch für die Ausgabe 2021 behalten. Tickets können nicht zurückgegeben werden. (pd/lis)