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Damals: Toggenburger Birnbrot an Weltausstellung

Aus vergangenen Zeiten – Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Martin Gnädinger und Paul Bedford bei der Zubereitung der Birnbrote für die Expo 2000.

Martin Gnädinger und Paul Bedford bei der Zubereitung der Birnbrote für die Expo 2000.

Bild: PD

Vor 100 Jahren

15. Mai: Wattwil. Am 17. Mai ist genau ein Jahr verflossen, seitdem unsere Gemeinde vom zweiten grossen Brandunglück, der Vernichtung der Anstalt Hochsteig, heimgesucht wurde, wobei wiederum zwei Menschenleben den Tod in den Flammen erlitten. In Wehmut gedenken wir dieses Unglücktages. Wie wir vernehmen, hat der seit 42 Jahren segensreich wirkende Anstaltsvater, Herr Anderegg resigniert, um in den wohlverdienten Ruhestand zu treten.

15. Mai: Kanton St.Gallen. Die Bodensee-Toggenburgbahn hat beim schweizerischen Eisenbahndepartement das Gesuch gestellt, es möchte ihr gestattet werden, die Linie zu verpfänden, und zwar im ersten Rang für eine Summe von 5 Millionen Franken zugunsten des Kantons St.Gallen. Auf der Bahn besteht bereits eine Verpfändung für 9 Millionen Franken im ersten Rang zugunsten des Kantons.

19. Mai: Wattwil. Bei der Kaufmännischen Fortbildungsschule ist das Lehrprogramm einer gründlichen Revision unterzogen worden und den durch das Lehrlingsgesetz geschaffenen Bedingungen angepasst worden. Im bevorstehenden Semester werden bei genügender Beteiligung folgende Fächer erteilt: Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch, Kaufmännisch Rechnen, Deutsche Handelskorrespondenz, Wirtschaftsgeografie und Handelsrecht. Als freie Fächer sind vorgesehen Kalligrafie und eventuell Maschinenschreiben, Stenografie, Buchhaltung und höhere Stufen der vorgenannten Fächer werden im Wintersemester durchgeführt.

Vor 50 Jahren

15. Mai: Toggenburg. Der erste Kurdirektor im Toggenburg ist lic.oec. Reinhard Kobelt. Für den Obertoggenburger Fremdenverkehr ist der 15. Mai ein besonderer Tag: Kurdirektor Reinhard Kobelt tritt sein Amt in Wildhaus an. Reinhard Kobelt bringt eine lange Ausbildung und reiche Erfahrung in sein neues Amt als Kurdirektor mit.

20. Mai: Ober- und Neutoggenburg. Auszug aus dem Jahresbericht der Berufsberatungsstelle Ober- und Neutoggenburg. Vergleicht man ein Bauerndorf im oberen Toggenburg oder Neckertal mit dem fortwährend angewachsenden Industrie- und Wirtschaftsschwerpunkt im Raume Ebnat-Kappel bis Lichtensteig, so wird man sich der herrschenden Gegensätze im gleichen Tal erst recht bewusst: Dörfer, deren Bevölkerungszahlen rückläufig sind, anderseits Wattwil, wo neue Wohnquartiere aus dem Boden schiessen und die Bevölkerungszahlen anwachsen lassen. Ähnlich verhält es sich mit den verschiedenen Wirtschaftszweigen: da eine Ballung von Industrie-, Mittel- und handwerklichen Kleinbetrieben, dort landwirtschaftliche Familienbetriebe und Handwerk örtlich gepaart mit Fremdenverkehr. Einerseits halbstädtische Betriebsamkeit, die den Menschen in seiner Art prägt, anderseits ländliche Verhältnisse, an denen der schnelle Fluss der wirtschaftlichen Entwicklung scheinbar spurlos vorübergeht. Diese Gegensätze bilden gleichsam den äussern geografischen Rahmen des Beratungskreises, zugleich sind sie weitgehend innere Voraussetzung für die Kontakte des Berufsberaters. In der erwähnten Verschiedenartigkeit prägt sich auch die Besonderheit der Beratungsaufgabe: vermitteln zwischen halbstädtischen und ländlichen Verhältnissen, aufzeigen der verschiedenen Möglichkeiten, erfassen der laufenden Entwicklung, helfen, aufklären und unterstützen, beraten und selber wählen lassen.

Vor 20 Jahren

17. Mai: Wattwil. An der grossen Weltausstellung vom 1. Juni bis 30. September in Hannover ist auch das Toggenburg vertreten. Die Wattwiler Bäckerei/Konditorei Abderhalden liefert jede Woche 50 bis 100 Kilogramm ihrer Birnbrot-Spezialität. Zum Expo-Auftrag kam Markus Abderhalden durch die Bekanntschaft mit dem Chef Gastronomie im Schweizer Pavillon, Max Riegendinger. Auf den Birnbroten in Hannover wird aber nicht der Kleber der Bäckerei Abderhalden platziert. Vielmehr wirbt Abderhalden mit dem Toggenburger Logo, den Churfirsten mit Schriftzug. «Ich will die Chance nutzen, das Toggenburg in Hannover bekannt zu machen und zu präsentieren», sagt Markus Abderhalden.

19. Mai: Nesslau. Anfang Juni werden die Älpler mit ihrer Viehhabe auf die Alp Heumoos am Fusse des Speers ziehen. Vorerst aber werden dort Zäune erstellt und Weiden geräumt. Frondienst ist angesagt. Die Alpgenossen der privatrecthlichen Alpkorporation Heumoos wurden zum Schwenden und Hagen aufgeboten. Pro dreieinhalb Kuhrechten oder pro Anteil müssen jedes Jahr fünf Stunden Fronarbeit geleistet werden. So will es das Alpreglement. Kann ein Älpler diese Vorgabe nicht erfüllen, so werden ihm von der Alpkommission pro fehlende Frondienststunde 18 Franken in Rechnung gestellt. An den beiden Schwendtagen werden einige Kilometer Grenzzäune erstellt. Dies muss alle Jahre wieder gemacht werden, weil im Herbst die Drähte wegen des zerstörerischen Schneedrucks sorgfältig abgelegt werden müssen. Kurz vor dem Alpfahrtstermin werden die Älpler nochmals durch die Alpkommission zum «Vechschwenden» aufgeboten. Dann gilt die Aufmerksamkeit der Bauern dem dornigen Gestrüpp, Steinen und anderlei Dingen, die mit dem Schnee und dem Schmelzwasser in die Alpweiden verfrachtet wurden. Ein drittes Mal werden die Auftreibenden im Herbst zum Frondiensteinsatz gerufen.

Vor 10 Jahren

14. Mai: Wattwil. Seit letztem Sommer entsteht hinter der Markthalle eine der grössten Fabrikationshallen, die Wattwil je gesehen hat. 128 Meter lang, 86 Meter breit, 10 Meter hoch – die Högg AG wird demnächst mit ihren rund 100 Mitarbeitern auf 10000 m2 produzieren, inklusive Reinraum. Damit vergrössert das Metallbau-Unternehmen seine Produktionsfläche um 50 Prozent. Aus Platzgründen war ein Ausbau am bisherigen Standort in Lichtensteig nicht möglich. Zudem wollte die Högg AG die verschiedenen Zweige des Unternehmens sowie die Büros und das Lager wieder an einem Ort zentralisieren.

15. Mai: Nesslau. Es brauchte viel Zeit, bis alle Bewilligungen erteilt waren, doch nun konnte der Spatenstich zur Erweiterung der Wasserversorgung im Gebiet Bühl-Rietbach ausgeführt werden. teiligten abdecken können. Für 40 Objekte wird ein Voll-Anschluss und für 20 Objekte der Feuerschutz realisiert. Das Finanzvolumen beträgt rund 3,5 Millionen Franken.