Toggenburger Arbeitgeber kritisieren Datengrundlage im Spitalstreit

Die Datengrundlage reiche nicht aus, um über Spitalschliessungen zu entscheiden, findet die Arbeitgebervereinigung der Region Toggenburg. Auch der Förderverein will ein Daten-Fundament.

Ruben Schönenberger
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Für die Arbeitgeber der Region Toggenburg reicht die Datengrundlage nicht, um einen Schliessungsentscheid in der Spitaldiskussion fällen zu können.

Für die Arbeitgeber der Region Toggenburg reicht die Datengrundlage nicht, um einen Schliessungsentscheid in der Spitaldiskussion fällen zu können.

Bild: Mareycke Frehner

Die Regierung des Kantons St.Gallen hat viel Post aus dem Toggenburg erhalten. Nachdem bereits mehrere Parteien und Organisationen ihre mehrheitlich ablehnende Haltung gegenüber den Spitalplänen kundgetan hatten, veröffentlichen auch der Förderverein Regionalspital Toggenburg Wattwil und die Arbeitgebervereinigung Region Toggenburg (ART) kurz vor Weihnachten ihre Stellungnahmen.

Die Arbeitgeber kritisieren, dass die Pläne der Regierung praktisch deckungsgleich mit dem Grobkonzept des Verwaltungsrats der Spitalverbunde seien. Mit Staunen habe die ART festgestellt, dass das von der Gemeinde Wattwil vorgeschlagene Modell einer Integrierten Gesundheitsversorgung gar nicht eingehend geprüft wurde. «So stellt sich für uns die Frage, inwieweit eine ergebnisoffene und transparente Prüfung aller Eingaben vorgenommen wurde», schreiben die Arbeitgeber in ihrer Stellungnahme.

Transparenz nur mit Spartenrechnung

Weiter kritisiert die ART, dass nicht nachvollziehbar sei, wie die Daten für den Entscheid der Schliessung des Spitals Wattwil aufbereitet wurden. Die Regierung sage, dass aus betriebswirtschaftlichen Gründen der Standort Wattwil zu schliessen sei. «Transparenz und Gewissheit kann nur eine saubere Spartenrechnung bringen», finden die Arbeitgeber. Deutlich wird die ART auch, dass «man von einem notwendigen Abschreiben zu Lasten der Erfolgsrechnung überrascht wurde». Das entbehre jeglichem kaufmännischem Verständnis. Jeder Unternehmer wisse, wenn er investiere, müsse er auch abschreiben.

Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Standorte Wattwil und Wil führt die ART ins Feld, dass in Wattwil bereits Investitionen getätigt wurden, während in Wil noch solche anstehen. Am Standort Wattwil über 50 Millionen einfach abzuschreiben, könne nicht akzeptiert werden. Die Einzugsgebiete und Versorgungsregionen müssten grundsätzlich überdacht werden, gerade weil auf der Achse von Rorschach bis Winterthur ein Überangebot bestünde.

Aufschwung nicht abbremsen

Die ART führt weiter an, dass die Schliessung des Spitals auch ein nicht tolerierbarer staatlicher Abbau wäre. «Der seit einiger Zeit spürbare Aufwärtstrend an Arbeitsplätzen und Wachstum würde damit nicht nur gestoppt, sondern geradezu demontiert», sind sich die Arbeitgeber sicher. In den Anträgen fordert die ART entsprechend eine Beibehaltung des Spitals Wattwil anstelle des Spitals Wil.

Ähnlich wie die Arbeitgeber argumentieren auch die Verantwortlichen des Fördervereins. Auch sie kritisieren, dass die Regierung sich zu sehr auf das Grobkonzept des Verwaltungsrats stütze. Mehr noch: «Die Regierung hat sich dem Diktat des Spitalverwaltungsrates unterworfen.» Die Verantwortlichen orten bei der Regierung gar ein Demokratiedefizit. Einerseits, weil vom Volk beschlossene Investitionen nicht mehr erfolgen oder wieder vernichtet werden sollen. Andererseits auch, weil der Förderverein bis heute auf eine Antwort auf seine Petition «Pro Spital Wattwil» warte, die von 6000 Personen unterzeichnet worden war.

Förderverein will Regionalspital auflösen

Auch der Förderverein fordert eine Überarbeitung der Strategie, die auf einem umfassenden Daten-Fundament abzustützen sei. Bezüglich der Standorte Wil und Wattwil wird der Förderverein indes gar noch etwas deutlicher und fordert die Auflösung der Spitalregion Fürstenland-Toggenburg. Das Spital Wil solle der Spitalregion 1 mit dem Kantonsspital zugewiesen werden, in das Spital Wattwil dürften keine weiteren Investitionen getätigt werden.

Wenig Unterstützung gibt es bei beiden Organisationen auch für das geplante Gesundheits- und Notfallzentrum. Dieses sei untauglich und noch dazu eine direkte Konkurrenz für die Haus- und Fachärzte der Region.

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