Hitze lässt die Wasserhüter im Toggenburg kalt: Es hat mehr Grundwasser als im Vorjahr – auch dank des vielen Schnees

Die Anbieter von Trinkwasser sehen der aktuellen Hitzewelle gelassen entgegen: Die Quellen sind nicht versiegt.

Sabine Camedda und 
Martin Knoepfel
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Die Bilder aus dem Hitzesommer 2018 sind noch in allen Köpfen: Das ausgetrocknete Thurbett, trockene Quellen, abgestellte Brunnen und Schilder, die um einen schonenden Umgang mit Wasser bitten. Die aktuellen Temperaturen rufen diese Erinnerungen wach. Dennoch ist im Sommer 2019 vieles anderes als vor Jahresfrist. Die Thur bringt Wasser und lädt hier und dort zum Baden ein. «Unsere Quellen liefern der Jahreszeit entsprechend Wasser», sagt etwa Norbert Fischbacher, Brunnenmeister der Wasserkorporation Wildhaus. Auch die Grundwasserreserven im obersten Toggenburg hätten ein gutes Niveau. Der Brunnenmeister sieht darum keine Notwendigkeit, die Bevölkerung vermehrt zum Wassersparen aufzufordern. «Wir sind heute schon sensibel im Umgang mit Trinkwasser», sagt er. Engpässe im laufenden Sommer erwartet Fischbacher nicht, denn aktuell liege noch viel Schnee im Alpstein und im Churfirstengebiet.

Lehren aus dem 
Hitzesommer gezogen

Gelassen bleibt auch Thomas Rütsche, Betriebsleiter der Dorfkorporation Ebnat-Kappel, trotz der Hundstage. «Die Wassersituation ist weniger kritisch als im vergangenen Jahr», sagt er. Dies aber alleine mit der Witterung zu begründen, greift zu wenig weit. Die Trockenheit sei nur der Faktor, der alles akzentuiere. Ein Beispiel: Die Dorfkorporation konnte 2018 wegen Bauarbeiten nicht auf zwei Quellen zugreifen. Dies hatte zur Folge, dass sie vermehrt Grundwasser ins Netz pumpen musste. Thomas Rütsche sagt:

«Wir haben Lehren daraus gezogen und können unsere Grundwasserreserven mit den beiden Pumpwerken nun optimaler nutzen.»

Dass es in diesem Sommer, im Gegensatz zum vergangenen Jahr, ab und zu regnet, helfe insofern, dass der Grundwasserpegel nicht weiter sinke. Weil die Wassersituation weniger kritisch ist als im vergangenen Jahr, werden keine besonderen Massnahmen zum Wassersparen angeordnet. «Die Erfahrung von 2018 hat gezeigt, dass die Bevölkerung den Aufrufen Folge leistet. Wir haben 2018 weniger Wasser verkauft als in den Vorjahren», sagt Thomas Rütsche.

«Lage ist nicht
aussergewöhnlich»

Hanspeter Bär aus Wald-Schönengrund ist Verwaltungsratspräsident der Wasserkorporation Neckertal. Deren Einzugsgebiet erstreckt sich von Wald-Schönengrund bis Brunnadern und im Süden bis Oberreitenberg. Die Lage sei nicht ausserordentlich, sagt Hanspeter Bär. Die Wassermengen, die die Quellen lieferten, seien im Sommer etwas zurückgegangen. Das stelle man allerdings jedes Jahr fest.

Auf Zahlen wollte sich Hanspeter Bär nicht festlegen, da die Zahlen schon in wenigen Tagen überholt sein könnten. Er habe mit anderen Wasserversorgern gesprochen, sagt er. Niemand sei nervös wegen der aktuellen Situation. Deshalb seien keine Massnahmen zur Senkung des Wasserverbrauchs geplant. 2018 sei ein Ausnahmejahr gewesen, betonte Hanspeter Bär. In diesem Jahr bewege sich alles im üblichen Rahmen. Man könne deshalb sagen, dass der schneereiche letzte Winter für die Wasserversorger etwas gebracht habe, räumt Hanspeter Bär ein.

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