Toggenburg Tourismus
Corona hat das Toggenburg beflügelt: Touristiker ziehen eine positive Bilanz aus dem Krisenjahr 2020

Der Einbruch bei den Logiernächten war nicht so stark wie in den Städten, die Ferienwohnungen waren gut besucht: Die Tourismusdestination Toggenburg hat das Coronajahr nicht schlecht gemeistert. Das soll Schwung für die Zukunft geben.

Sabine Camedda
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Der Schwendisee ist ein Publikumsmagnet. Auch im vergangenen Sommer wurde er von vielen Gästen besucht.

Der Schwendisee ist ein Publikumsmagnet. Auch im vergangenen Sommer wurde er von vielen Gästen besucht.

Bild: Christiana Sutter (Unterwasser, 17. September 2019)

Die Mitgliederversammlung von Toggenburg Tourismus im Hotel Sternen in Unterwasser war so gut besucht wie seit langem nicht mehr. 55 Personen waren da, um sich von Präsident Max Nadig und Geschäftsleiter Christian Gressbach über das vergangene und das aktuelle Jahr berichten zu lassen. Eins vorneweg: Die beiden zeigten sich zufrieden.

«Das Toggenburg klingt nicht nur gut, es macht auch vorwärts.»

Diese Worte äusserte Max Nadig zu Beginn der Versammlung und führte sogleich aus, was er damit meinte. Mit dem Berg-Foxtrail in Wildhaus und der Klangspur in Alt St.Johann wurden zwei attraktive Ganzjahresangebote geschaffen. Die Eröffnung der «Säntis Lodge» in Unterwasser als Zentrale von «Berg & Bett» steht unmittelbar bevor. Und mit dem räumlichen Tourismusentwicklungskonzept (rTEK) sind Grundlagen für viele Ideen im ganzen Tal geschaffen worden.

Zeigen, was das Toggenburg und die Toggenburger können

Max Nadig zeigte sich erfreut über die Preise, welche der Chäserrugg als «Landschaft des Jahres 2021» und die Bergbahnen Wildhaus AG für ihre neue 6er-Familienbahn verliehen bekamen. Dass beim Schwendisee die Baumaschinen für die ersten Vorbereitungsarbeiten für den Bau des Klanghauses aufgefahren sind, stimmt ihn positiv. Die Chääswelt ist ebenfalls gut gestartet und breitet sich langsam über die ganze Region. «Damit können wir den Leuten zeigen, was die Toggenburger und das Toggenburg alles können», sagte er.

Auch bei den Leistungsträgern gebe es viel zu entdecken. «Wir möchten konsequent auf diesem Weg weitergehen», betonte Max Nadig.

«Die vielen Projekte und Idee zeigen, dass wir an die Zukunft glauben.»

In diesem Sinne habe Corona beflügelt und aufgezeigt, was alles möglich ist, wenn die Pandemie vorbei ist. «Wir konnten Schwung aufnehmen für die Zeit danach», ist Max Nadig überzeugt.

Das Warum ist wichtiger als das Wo

Geschäftsleiter Christian Gressbach führte aus, dass gerade ländliche Gebiete von der Pandemie profitiert hätten, während die Städte weniger gut besucht waren. «Aber es gab auch bei uns Verlierer», sagte er und sprach damit die Gruppenunterkünfte an, die seit gut eineinhalb Jahren keine Gäste mehr beherbergen. Diesen soll nun Anschubhilfe geleistet werden.

Der Tourismus habe sich gewandelt. Heute entscheidet sich der Gast in erster Linie nicht mehr für einen Ort. Er wählt das Ziel nach dem Erlebnis und den Möglichkeiten aus, sagt Christian Gressbach. Dazu habe sich im vergangenen Jahr gezeigt, dass die Menschen wieder weniger oft, dafür länger verreisen. Er sagt:

«Von diesem Trend kann das Toggenburg profitieren.»

Dies bedinge aber, dass der Gast in der Feriendestination etwas erleben könne. Und diesbezüglich sei im Toggenburg einiges gemacht worden.

Mit der Natur, wie beispielsweise den Thurwasserfällen in Unterwasser, kann das Toggenburg bei den Feriengästen punkten.

Mit der Natur, wie beispielsweise den Thurwasserfällen in Unterwasser, kann das Toggenburg bei den Feriengästen punkten.

Bild: Sabine Camedda

Strategie gibt vor, wohin man sich bis 2025 bewegen will

Der Kern dieser Arbeit ist in der Tourismusstrategie festgeschrieben. Diese ist im vergangenen Jahr überarbeitet worden. Die Menschen würden vermehrt die Nähe, das Lokale suchen – genau das, was sie im Toggenburg finden, sagte Christian Gressbach. Sind die Gäste da, will man ihnen keine schnellen Erlebnisse bieten, sondern tiefgründige Erfahrungen, die bis über den Aufenthalt hinweg nachschwingen.

Mit neuen Angeboten, die während des ganzen Jahres genutzt werden können, will man den Aufenthaltstourismus stärken. Dieser sei nachhaltig und bringe Wertschöpfung, betont Christian Gressbach. Basierend auf dem rTEK soll der Tourismus in vier Gemeinden gestärkt werden, jeweils zu einem definierten und passenden Thema. In Wildhaus-Alt St.Johann steht der Klang im Vordergrund, in Nesslau das Thema Natur, in Lichtensteig die Kulinarik und in Neckertal wird Holz und Wald thematisiert.

Der Vorstand von Toggenburg Tourismus wurde wiedergewählt: (von links) Roland Stump, Richard Brander, Mélanie Eppenberger, Vreni Wild, Präsident Max Nadig, Geschäftsleiter Christian Gressbach, Michael Beck. Es fehlt Rolf Züllig.

Der Vorstand von Toggenburg Tourismus wurde wiedergewählt: (von links) Roland Stump, Richard Brander, Mélanie Eppenberger, Vreni Wild, Präsident Max Nadig, Geschäftsleiter Christian Gressbach, Michael Beck. Es fehlt Rolf Züllig.

Bild: Sabine Camedda

Letztlich sei das Erlebnis vor Ort von Bedeutung und hier sei das Toggenburg auf einem guten Weg. Dafür braucht es alle Leistungsträger. Denn, so sagt Christian Gressbach:

«Der zufriedene Gast ist der beste Marketing-Botschafter für uns.»

Dass die Angebote im Toggenburg auf das Klangerlebnis und das Naturerlebnis fokussiert werden, ist aus Sicht des Touristikers ein guter und richtiger Weg.

Gratis Bus fahren mit der Gästekarte

Der Geschäftsleiter von Toggenburg Tourismus gab einige Beispiele, was unter Klangerlebnis und Naturerlebnis möglich ist: Der neue Berg-Foxtrail in Wildhaus und die Klangspur in Alt St.Johann. Erfolgreich waren auch die Klangpisten in Alt St.Johann und in Wildhaus, auf welchen die Wintersportler einen anderen – überraschenden – Zugang zur Klangwelt Toggenburg erhielten.

Mit einer Ergänzung zur Gästekarte, die Touristen im ganzen Toggenburg bekommen und mit der viele Angebote zum halben Preis gebucht werden können, beschreitet Toggenburg Tourismus Neuland. Für Gäste in der Gemeinde Wildhaus-Alt St.Johann ist nun auch der öffentliche Verkehr in den beiden Zonen zwischen Wildhaus und Stein inbegriffen, der mit der Gästekarte gratis genutzt werden kann.

Man wolle sehen, wie dieses Angebot genutzt wird, erklärte Christian Gressbach. Je nach Finanzierungsmöglichkeit könnte er sich vorstellen, dass die Gästekarte irgendwann auch über die Gemeindegrenze hinweg als Billett für den öffentlichen Verkehr gilt. Momentan sei dieser Zusatznutzen aber den Gästen von Wildhaus-Alt St.Johann vorbehalten. Ausserdem können die Touristen weiterhin die Gästekarte Oscar kaufen und nutzen.