Toggenburg
«Sture Chauffeure»: Postauto-Passagier in Gams nicht mitgenommen – weil er keine Reservation fürs Velo hatte

Ein Fahrgast wollte mit seinem Velo in Gams in ein Postauto Richtung Wildhaus einsteigen. Weil der Fahrgast keine Reservation getätigt hatte, wollte der Chauffeur ihn aber nicht mitnehmen.

Sara Stojcic
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Die Türen des Postautos sind für Velofahrer mit Reservation immer offen.

Die Türen des Postautos sind für Velofahrer mit Reservation immer offen.

Bild: Urs Flüeler/Keystone

Das Mitnehmen von Fahrrädern wird bei Fahrgästen des Postautos immer beliebter. «Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Hat Postauto beispielsweise in Graubünden im Jahr 2014 noch gut 25'000 Velos transportiert, so waren es 2020 bereits doppelt so viele», teilt die Mediensprecherin von Postauto, Katharina Merkle, auf Anfrage mit. Vor allem in touristischen Regionen zeigt sich die Beliebtheit gut, denn dort benutzen die Fahrgäste gerne das Postauto, um ihr Velo zum Ausgangspunkt einer Tour mitzunehmen.

So auch Franz Steiner aus Neu St.Johann. Er war vergangene Woche mit dem Rennvelo im Rheintal unterwegs und wollte in Gams das Postauto für die Fahrt auf die Passhöhe Wildhaus nehmen. Von dort aus wollte der Velofan weiterfahren. «Obschon bereits am Vortag (!) eine Reservation für einen Velotransport vonstattengehen muss, war ich im Glauben, dass der Chauffeur Kulanz zeigen würde», schreibt Franz Steiner in einem Brief an unsere Zeitung. Weiter:

«Aus Erfahrung weiss ich, dass auch ein spontaner Velotransport auf dieser Strecke möglich sein sollte.»

Die besagte Strecke sei nämlich gemäss Steiner üblicherweise nicht stark frequentiert. Im Postauto spielte sich jedoch eine andere Szene ab: Der Fahrer habe sich über Steiner und sein Rennvelo echauffiert und den Fahrgast aufgefordert, den Bus zu verlassen, da er die nötige Reservation nicht vorweisen konnte. Dabei soll der Fahrer den Motor demonstrativ abgestellt und gesagt haben, dass er nicht weiterfahren werde, solange das Velo im Postauto sei, schildert Steiner. Der Velofahrer war irritiert: «Er brüskierte mich in einem Masse, dass ich nach seinem Namen fragte, da ein Namensschild fehlte.» Und weiter:

«In Sachen Kundenentgegenkommen müsste bei den Verantwortlichen ein Umdenken stattfinden.»

Postauto reagiert auf den Vorfall

Auf Anfrage dieser Zeitung schildert Postauto-Mediensprecherin Merkle die Situation aus Sicht des Fahrers. Seine Geschichte tönt etwas anders, wie Merkle erklärt: «Im entsprechenden Kurs fuhren bereits zwei Velofahrer mit ihren Velos mit. Die beiden Velofahrer hatten eine Stunde gewartet, bis sie Platz hatten.»

Mediensprecherin des Postautos, Katharina Merkle.

Mediensprecherin des Postautos, Katharina Merkle.

Bild: PD

Merkle sagt weiter, dass Franz Steiner nicht alleine ins Postauto gestiegen sei, sondern zusammen mit einem weiteren Velofahrer. Da es keine Befestigungsmöglichkeiten mehr gab, habe der Fahrer die beiden Fahrgäste gebeten, aus Sicherheitsgründen mit den Velos wieder auszusteigen. Sie hätten den nächsten Kurs, welcher eine halbe Stunde später fuhr, benützen können. Daraufhin habe Steiner eine Diskussion mit dem Chauffeur begonnen, sagt die Mediensprecherin.

Aus Steiners Sicht liess er sich nur kurz in die Diskussion mit dem Chauffeur ein, und sei dann relativ rasch mit dem Velo wieder ausgestiegen. Er dementiert die weiteren Aussagen des Postauto-Fahrers: «Der Busfahrer hat uns nicht aufgeklärt, dass wir wegen Sicherheitsgründen raus müssten. Er hat uns ebenfalls nicht über den nächsten Kurs informiert.»

Die Mediensprecherin schreibt zum Vorfall:

«Wir pflegen einen freundlichen Austausch mit unseren Fahrgästen. Sollte Herr Steiner dies nicht so empfunden haben, tut uns dies leid.»

Reservationspflicht aus Kapazitätsgründen

Franz Steiner ist die Reservationspflicht für Velos ein Dorn im Auge: «Wie kann ich am Vortag wissen, dass ich für einen Velotransport an einer bestimmten Postauto-Haltestelle zusteigen möchte?» Mediensprecherin Merkle zeigt Verständnis: «Die Reservationspflicht ist nicht bei allen Kundinnen und Kunden beliebt, weil sie eine spontane Planung einer Biketour erschwert. Das ist verständlich.» Laut Merkle sei dies jedoch die einzige Möglichkeit, um trotz steigender Nachfrage eine möglichst grosse Transportkapazität für Velos anbieten zu können.

Für den Velofahrer ist klar: «Wenn es im Postauto Platz hat, sollte ein Mitfahren mit dem Velo auch ohne Reservation möglich sein.» Die Mediensprecherin von Postauto bestätigt dies:

«Das spontane Mitfahren mit dem Velo ist durchaus möglich, aber nur, wenn es die Kapazitäten und somit die Sicherheit erlauben.»

Die Reservation habe den Vorteil, dass der Fahrer Veloanhänger einsetzen könne und es so genügend Platz für alle habe. «Auf jener Linie in Richtung Wildhaus konnten im eingesetzten Fahrzeug zwei Velos befestigt werden. Platz für das Velo von Herrn Steiner hatte es also nicht. Deshalb ist eine Anmeldung wichtig, damit ein Anhänger montiert werden kann, um zusätzlichen Platz zu schaffen», so Merkle.

Für Steiner ist dies unbefriedigend: «Es gibt Chauffeure, die auf die Reservationspflicht gepocht hätten, auch wenn kein Velo im Postauto gewesen wäre. Und ich wurde ja nicht das erste Mal von solch sturen Chauffeuren enttäuscht.» Dasselbe Szenario sei ihm vor einiger Zeit in Wattwil im Postauto nach Nesslau geschehen. Da hätten gerade mal drei Passagiere gesessen, so der begeisterte Velofahrer. Darum sei es für ihn nicht relevant, ob nun schon zwei Velos im Postauto abgestellt waren oder nicht. Weiter schreibt Steiner:

«Unsere beiden Velos hätten problemlos Platz gehabt.»

Der Velofahrer sagt: «Klar, die Chauffeure können auf die Reservationspflicht pochen, aber muss man da nicht ein wenig Kulanz walten lassen?»

Dass sich die beiden Versionen des Vorfalls unterscheiden, sieht Steiner auch. Er sagt: «Ich stehe zu 100 Prozent zu meinen Aussagen. Und wie gesagt, dieser Chauffeur hätte uns auch rausgeschmissen, wenn noch kein Velo im Postauto abgestellt gewesen wäre.» Steiner schreibt weiter:

«Für mich ist die Glaubwürdigkeit des Chauffeurs auf sehr dünnem Eis.»

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