Neues Zuhause für Papageien in der Aachsäge geplant

Vor zwei Monaten hat «Papageienvater» Marcel Jung die Aachsäge gekauft. Er möchte dort für die Tiere und seinen Verein einen Gnadenhof einrichten. Die alte Gattersäge bleibt erhalten.

Michael Hug
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Marcel Jung vor seinem geplanten Gnadenhof in der Aachsäge, rechts das als Vogelhaus vorgesehene Holzlager. (Bild: Michael Hug)

Marcel Jung vor seinem geplanten Gnadenhof in der Aachsäge, rechts das als Vogelhaus vorgesehene Holzlager. (Bild: Michael Hug)

Längst ist es Marcel Jung und seinem Verein Büsi-/Papageien-Gnadenhof in Hönenschwil bei Dicken zu eng geworden. 2004 hatte er den Papageienhof Zum Goldenen Senn als Auffangstation für herrenlose Papageien gegründet. Herrenlos wurden sie, weil zahlreiche Besitzer mit ihren Paradiesvögeln überfordert waren.

Einen Papagei zu halten, braucht zum einen eine Bewilligung, zum anderen aber viel Pflege und Hingabe, zudem tolerante Nachbarn. Ausserdem dürfen auch Papageien nicht allein gehalten werden. Heute sei der Dickler Gnadenhof das einzige Alters- und Pflegeheim für Papageien in der Schweiz, so Jung, und besitze eine kantonale Bewilligung.

Gründung des Gnadenhofs

«Für Papageien neue Plätze zu finden, ist ausserordentlich schwierig», sagte Marcel Jung vor zehn Jahren. Deshalb hatte er sich entschlossen, einmal aufgenommene Tiere nicht mehr weiterzuvermitteln. 200 Vögel leben zwischenzeitlich in Volieren um sein Haus in Hönenschwil. Mit der Zeit sind Katzen, Hunde, sogar Schildkröten dazugekommen: «Ich kann einfach keinem Tier in die Augen sehen und es abweisen.» Durch seine Tätigkeit als Tierschutzbeauftragter der Gemeinde Wil hat sich eine weitere Quelle für herrenlose Tiere aufgetan. Im Nebenzweig betreibt Jung mit seinem Team zusätzlich eine Pension für Ferientiere und einen Vermittlungsservice für überzählige Jungkatzen von Bauernhöfen. Zehn Mitarbeitende, darunter vier Lernende, kümmern sich um die Tiere auf dem Büsi- und Papageienhof. Doch zwölf Jahre nach der Gründung wird es Tieren wie Menschen auf dem Papageienhof zu eng.

Wer einen Papagei halten will, braucht eine Bewilligung und viel Zeit für die Pflege. Im Bild ein Gelbbrustara. (Bild: Eraldo Peres/AP)

Wer einen Papagei halten will, braucht eine Bewilligung und viel Zeit für die Pflege. Im Bild ein Gelbbrustara. (Bild: Eraldo Peres/AP)

Die Aachsäge biete genau das, was er brauche, sagt Jung, und erläutert seine Pläne: «Das Wohnhaus und die Sägerei auf der linken Seite der Zufahrtstrasse bleiben bestehen.» Der vormalige Besitzer Werner Streuli und seine Gattin haben das Wohnrecht erhalten, so der neue Besitzer. Links der Strasse entstehen Papageienhaus, Katzen- und Hundestation. Jung: «Wir haben vor, die beiden bestehenden Holzlagergebäude zu nutzen, wir müssen sie nur ausbauen und erweitern.» Die antike Gattersäge bleibe bestehen und auch der Kran werde nicht demontiert, sagt Jung, «wir nutzen ihn erst mal zum Bauen, und dann, wer weiss, vielleicht bringen wir die Säge irgendwann einmal wieder zum Laufen, dann braucht es den Kran.» Vollkommen neu gebaut werden Ställe und Ausläufe für Hühner, Gänse und Schildkröten sowie Personal- und Arbeitsräume.

Fahrverbot bleibt bestehen

Das Fahrverbot durch das Gelände bleibt vorläufig bestehen, so Jung: «Es ist mir klar, dass der Badeplatz bei der Holzbrücke sehr beliebt ist, und ich bin eigentlich dafür, dass er bestehen bleibt. Doch der massive Abfall, der jeweils im Sommer liegen bleibt, dafür fühle ich mich nicht zuständig.» Das Fahrverbot wird heute von niemandem beachtet. Auch die Polizei kennt das Problem, unternimmt aber nichts, weil sich bisher niemand beschwert hat.

Werner Streuli versuchte stets, sich durch eine Gebühr von den Parkierenden für seine Aufräumarbeiten entschädigen zu lassen. «Diese Lösung ist zu aufwendig für mich», sagt Jung. Vorläufig lässt er dieses Problem offen und kümmert sich um die Baugesuche: «Es hat einen Antrag auf Verlängerung der Einsprachefrist gegeben, ich glaube, dass sich das im Einvernehmen lösen lässt.» Anfang des nächsten Jahres möchte er bauen können, und der Umzug könnte im Laufe des Jahres vollzogen werden. «2018 ist dann unser Gnadenhof voll in Betrieb, hoffe ich.»