Toggenburg
«Jetzt müssen wir alle zusammenstehen»: So reagieren die Tourismusbetriebe auf die Schliessung der Gastronomie und Bergbahnen in der Hochsaison

Weihnachten und Neujahr sind wichtige Tage für den Tourismus im Toggenburg. Dieses Jahr ist vieles anders – und dennoch sind Feriengäste in den Hotels und Ferienwohnungen.

Sabine Camedda
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Tristesse bei der Talstation der Iltiosbahn in Unterwasser: Wo sich sonst um diese Zeit Wintersportler und Wanderer tummeln, sind die Billettschalter zu und die Parkplätze leer.

Tristesse bei der Talstation der Iltiosbahn in Unterwasser: Wo sich sonst um diese Zeit Wintersportler und Wanderer tummeln, sind die Billettschalter zu und die Parkplätze leer.

Bild: Sabine Camedda (Unterwasser, 22. Dezember 2020)

Nein, die Betten der Ferienwohnungen und Hotels in Wildhaus-Alt St.Johann bleiben nicht kalt. «Es hat momentan einige Feriengäste hier», sagt Christian Gressbach, Geschäftsführer von Toggenburg Tourismus. Skifahren und Snowboarden ist derzeit zwar nicht möglich, massenweise Stornierungen gab es deswegen aber nicht.

Christian Gressbach, Geschäftsführer Toggenburg Tourismus.

Christian Gressbach, Geschäftsführer Toggenburg Tourismus.

Bild: PD

Die Gäste seien schon fast geübt im Umgang mit Einschränkungen wegen des Coronavirus. Einige hätten die Schliessung von Restaurationsbetrieben von anderen Kantonen gekannt und auch die Schliessung der Bergbahnen sei länger im Gespräch gewesen, bevor sie dann verordnet wurde, sagt Christian Gressbach.

Die Momentaufnahme: Ein Totalausfall

Die Massnahmen, um die Ansteckungszahlen zu senken, seien nachvollziehbar, aber dennoch brutal für die Leistungsträger. «Die Schneeverhältnisse sind gut, die Bergbahnen Wildhaus haben eine neue 6er-Sesselbahn eröffnet und die Betriebe haben viel Geld und Zeit in Schutzkonzepte investiert, die auch funktionieren», zählt Christian Gressbach auf. Und nun: Totalausfall, keine Gäste am Berg und in den Gastronomiebetrieben.

Toggenburg Tourismus und gewisse Leistungsträger hätten sich auf dieses Szenario vorbereitet und könnten Alternativprogramme bieten. Diese bestehen aus Schneeschuhwandern, Langlaufen und Winterwandern. Alle Indoor-Angebote wie Tennis, Schwimmen und Bouldern, aber auch Kulturelles wie ein Besuch eines Museums oder der Klangschmiede entfallen ebenfalls. Christian Gressbach geht dennoch davon aus, dass es den Feriengästen nicht langweilig wird.

Die Motivation der Gäste habe sich verändert, glaubt Christian Gressbach. Ferien heisse jetzt halt nicht Skifahren, sondern dem Alltag entfliehen.

«Wer jetzt zu uns kommt, macht dies bewusst. Er geniesst es, weg zu sein von der Stadt und vom Nebel.»

Das Bedürfnis nach Kontakten mit anderen Gästen hält sich in Grenzen. Viele buchen momentan lieber eine Ferienwohnung statt ein Hotelzimmer. Dort sind sie unter sich und können auf weitere Kontakte verzichten, wenn es gewünscht ist.

Der Ausblick: «Wir müssen flexibel sein»

Angesprochen auf die erwartete Entwicklung, weist der Geschäftsführer von Toggenburg Tourismus auf die Unsicherheit hin. «Niemand weiss, wie sich die Zahlen entwickeln. Und die Entscheide, ob Bahnen und Gastronomie wieder öffnen dürfen, hängen von diesen Zahlen ab», erklärt er. Das bedeute für die Leistungsträger, flexibel und kreativ zu sein, denn die Situation kann sich von heute auf morgen ändern.

Christian Gressbach hofft, dass sich die Lage entspannt und die Wintersaison doch noch Fahrt aufnehmen kann. «Der Februar wäre für uns ein wichtiger Monat fürs Wintergeschäft, dann könnten wir wenigstens die halbe Saison retten.»

Christian Gressbach ist überzeugt, dass der Winter im Toggenburg gut geworden wäre. Aber: Die Bergbahnen sind der Motor des Tourismus im Toggenburg. Und wenn dieser ausgeschaltet ist, läuft die Maschine nicht. «Die aktuelle Situation ist für alle schwierig», bringt es Christian Gressbach auf den Punkt.

«Wir müssen diese Krise gemeinsam und mit vereinten Kräften durchstehen.»

Toggenburg Tourismus hilft mit, der Tourismusbranche Gehör zu verschaffen, Fördergelder von Bund und Kanton zu bekommen und unterstützt die Leistungsträger beim Einreichen der Härtefall-Gesuche. Für Christian Gressbach müssten nämlich beide Seiten ihren Teil beitragen. Wenn die Toggenburger Leistungsträger jetzt mithelfen, die Ansteckungszahlen zu senken, sollten sie im Gegenzug finanzielle Hilfe bekommen, um den Betrieb langfristig zu sichern. Wenn diese Art der Solidarität spielt, dann kommt der Winter doch noch in Schwung.