Gemeinden sind nicht erfreut über mögliche Schliessungen von Postfilialen

Eine Umfrage zeigt, dass die Pläne der Post zur Überprüfung von Filialen auf wenig Gegenliebe stossen. Die Post weist auf neue Angebote in Gemeinden ohne Filiale hin.

Martin Knoepfel
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Auch der Postfiliale Brunnadern droht die Schliessung. Es handelt sich um die letzte Poststelle im Neckertal. (Bild: Martin Knoepfel)

Auch der Postfiliale Brunnadern droht die Schliessung. Es handelt sich um die letzte Poststelle im Neckertal. (Bild: Martin Knoepfel)

Wenn ein Brunnödliger auf der Post etwas erledigen muss, das in der Postagentur nicht erledigt werden kann, setzt er sich ins Auto und fährt gut acht Kilometer über die Wasserfluh nach Wattwil. Das gilt etwa für Zahlungsanweisungen, Nachnahmen aus dem Ausland oder die Zustellung von Betreibungsurkunden. Für den Hin- und den Rückweg braucht er je eine knappe Viertelstunde.

Mit der Bahn und dem Bus ist man etwa gleich lang unterwegs und zahlt 5.80 Franken für die Hin- und Rückreise in der 2. Klasse. Die Rechnung basiert auf dem Halbtaxabo. Mit dem Auto kostet der Hin- und Rückweg zusammen rund zwölf Franken, wenn man 70 Rappen pro Kilometer einsetzt, für Mittelklasseautos ein üblicher Wert. Wattwil ist die von Brunnadern aus nächstgelegene Postfiliale.

Kleineres Angebot bei meist längeren Öffnungszeiten

Das sind die praktischen Folgen der drohenden Schliessung der Poststelle Brunnadern. Diese soll überprüft werden (Ausgabe von gestern). «Überprüfung» bedeutete bisher jedoch fast immer Schliessung und Umwandlung in eine Postagentur oder in einen Hausservice. Beide Alternativen bieten nicht alle Dienstleistungen einer Poststelle an (siehe Zusatzartikel). Die Postagentur hat allerdings in der Regel längere Öffnungszeiten als die Filialen der Post, da Postagenturen oft in Dorfläden angesiedelt sind. Beispiele sind Lichtensteig, Mosnang oder Alt St. Johann.

Neben Brunnadern sollen auch die Postfilialen in Bütschwil, Kirchberg, Nesslau und Wildhaus überprüft werden. Im Kanton St. Gallen will die Post gut 40 Prozent der bestehenden Poststellen überprüfen. Im Toggenburg ist es in etwa gleich.

In Bütschwil ist man enttäuscht und befremdet

«Wir sind enttäuscht und befremdet», sagte Karl Brändle, Gemeindepräsident von Bütschwil-Ganterschwil, als das «Toggenburger Tagblatt» ihn auf die Gefahr der Schliessung der Post Bütschwil anspricht. Karl Brändle weist auf die Entwicklung der Gemeinde in den letzten Jahren hin. In jüngster Zeit ist Bütschwil in der Tat bevölkerungsmässig deutlich gewachsen. Die Bautätigkeit ist rege. «Wir sind nicht einverstanden damit, wenn die Post aufgehoben werden soll. Wir haben vorgestern einen Brief der Post erhalten mit der Mitteilung, dass die Filiale Bütschwil überprüft werde», sagte Karl Brändle und versicherte, der Gemeinderat werde sich für den Erhalt der Postfiliale Bütschwil einsetzen.

«Spezielle Situation: ein ganzes Tal ohne Post»

Vreni Wild, Gemeindepräsidentin von Neckertal, hat schon mehrere Schliessungen von Poststellen erlebt. Sie betont, dass der Gemeinderat sich noch nicht offiziell mit dem Thema befasst hat. Persönlich schätzt sie die Chance als klein ein, dass die Gemeinde die Post davon überzeugen kann, die Filiale Brunnadern beizubehalten. Die Gemeinde Neckertal werde das Argument ins Feld führen, dass mit der Schliessung der Filiale in Brunnadern ein ganzes Tal keine Poststelle mehr haben werde. «Das ist schon speziell. Wir werden uns so gut als möglich wehren, aber die Post kann tun, was sie will», sagt Vreni Wild.

Die Gemeindepräsidentin von Neckertal weist aber zugleich darauf hin, dass ab September das Dienstleistungsangebot in Gemeinden ohne Postfiliale erweitert wird (siehe Zusatzartikel). Dass Bargeldeinzahlungen an der Haustür möglich würden und dass man Massensendungen aufgeben könne, entspreche weit verbreiteten Wünschen der Bevölkerung. Wichtig ist für Vreni Wild, dass Firmen einen guten Service im Paket- und im Briefverkehr haben, da es in der Gemeinde Neckertal einige Firmen gibt, die häufig Versände per Post vornehmen.

Kopfschütteln in Nesslau

«Im Moment bleibt nur das Kopfschütteln», sagt Kilian Looser, Gemeindepräsident von Nesslau. «Drei Jahre lang ist Ebnat-Kappel für uns die nächste Post, und dann wird das Wattwil sein». Die Gemeinde Nesslau sei von der Post in einem «inhaltsarmen Schreiben» über die bevorstehende Überprüfung der Post Nesslau informiert worden. ­Niemand habe erklärt, wie es funktionieren solle, wenn die Gemeinde eingeschriebene Briefe in Ebnat-Kappel abholen oder aufgeben müsse, sagt Kilian Looser. Er erinnert an die älteren Einwohner, die Mühe haben mit Einzahlungen. Unklar sei auch, welche Lösungen es für die Geschäftskunden geben werde. Die Gemeinde wisse nicht, ob die Post eine Postagentur in einem Verkaufsgeschäft einrichten wolle.

Rolf Züllig, Gemeindepräsident von Wildhaus-Alt St. Johann, war gestern Nachmittag telefonisch nicht erreichbar.