TOGGENBURG
«Es war eine Sucht, von der ich nicht loskam»: So verteidigt sich ein Pädophiler vor Gericht

Ein 63-jähriger Mann hatte über Jahre hinweg mindestens 25'000 kinderpornografische Fotos aus dem Internet heruntergeladen und gespeichert. Am Gründonnerstag musste er sich vor Schranken verantworten und wurde verurteilt.

Christof Lampart
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Immer wieder hatte der Mann Bilder von Minderjährigen verbotenerweise angeschaut und gespeichert.

Immer wieder hatte der Mann Bilder von Minderjährigen verbotenerweise angeschaut und gespeichert.

Themenbild: Keystone

Für den ehemaligen Chauffeur, der seit März 2020 unter anderem wegen mehrfacher harter Pornografie mit tatsächlichen sexuellen Handlungen mit Minderjährigen im vorzeitigen Massnahmenvollzug im Massnahmenzentrum Bitzi einsitzt, ging es ums Ganze. Ihm drohte doch vor dem Kreisgericht Toggenburg in Lichtensteig die sogenannte kleine Verwahrung, hatte er doch - trotz laufender Verfahren - stets munter weiter derelinquiert. «Es war eine Sucht, von der ich nicht loskam», sagte der Mann dem Richter.

Allerdings habe er in der nun seit elf Monaten währenden Haft zuerst in der Gruppen- und nun in der Einzeltherapie «schon profitiert. Man lernt dort, wie man umgehen muss, damit so etwas nicht mehr passiert. Es sollte jetzt nicht mehr passieren, dass ich im Internet solche Fotos anschaue».

Nicht körperliche Nähe gesucht

Deshalb plädierten der Beschuldigte und sein Verteidiger für eine ambulante Massnahme. Der Mann sagte:

«Wenn ich ernsthaft an mir arbeite, dann bringt mir eine ambulante genauso viel wie eine stationäre Therapie.»

Davon wollte der Staatsanwalt jedoch nichts wissen. Er forderte eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten, wobei diese zu Gunsten einer stationären therapeutischen Massnahme, auch bekannt als kleine Verwahrung, aufzuschieben sei. Der Mann sei nicht nur einschlägig vorbestraft, sondern das forensisch-psychiatrische Gutachten attestiere ihm einen «hohe Rückfallgefahr», so der Ankläger.

Für den Verteidiger ein Unding: Es sei zwar «verwerflich» gewesen und gehöre «bestraft», was sein Mandant gemacht habe. Doch habe dieser sich nur Bilder im Internet angeguckt, sich aber nie an Kindern auf die eine oder andere Art und Weise vergangen. «Hands-on-Täter suchen immer die körperliche Nähe zu Kindern. Dies aber ist bei ihm nicht der Fall», so der Verteidiger.

Verhältnismässigkeit nicht gegeben

Mit einer ambulanten Massnahme könnten gute Resultate erzielt werden. Eine stationäre Massnahme sehe aber erheblich längere Zeiträume für die Überprüfung vor. Der Verteidiger sagte:

«Ob mein Mandant nur zwei bis drei oder sieben bis noch mehr Jahre eingesperrt wird, ist aufgrund seiner restlichen Lebenszeit für ihn sehr relevant.»

Entsprechend motiviert sei er, an einer Therapie aktiv mitzuwirken. Zudem habe man es bis jetzt noch gar nicht mit einer ambulanten Therapie versucht, was jedoch immer zuerst geschehe sollte, bevor man eine stationäre Massnahme beantrage, so der Verteidiger.

Der Argumentation folgte das Gericht - auch wenn der Richter keinen Zweifel an der Schuld des Angeklagten hegte -, und fällte folgendes Urteil: 20 Monate Freiheitsstrafe unter Anrechnung der Untersuchungshaft. Diese sei zu Gunsten einer ambulanten Therapie aufzuschieben. Zudem wurde eine 2016 bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 4290 Franken widerrufen und vollzogen. Auch muss der Verurteilte Verfahrenskosten von über 37'000 Franken sowie die Kosten für die amtliche Verteidigerin von 9100 Franken tragen.

Schraube wird noch nicht angezogen

«Wir haben uns den Entscheid nicht leicht gemacht. Am Ende war die Verhältnismässigkeit der einzige Grund, weshalb wir von einer stationären Therapie absahen», so der Richter. Zumal eine ambulante Therapie bis dato nicht erfolgt sei. «So kann man nicht sagen, dass die geringere Massnahme nicht zum Erfolg geführt hat», so der Richter weiter.

Um zu verhindern, dass der Mann ins alte Muster zurückfällt, verurteilte ihn das Gericht dazu, seine elektronischen Geräte monatlich dem Bewährungshelfer zur Kontrolle vorzulegen. Der Richter warnte:

«So besteht für Sie eine höhere Hürde. Wenn das nicht genügt, dann sieht es beim nächsten Mal vor dem Gericht für Sie vielleicht ganz anders aus.»

Er räumte ein, dass es schwer sei, an einen Menschen wie ihn zu appellieren, denn er sei pädophil und habe eine psychische Störung. «Es wird sicher nicht besser für Sie, wenn Sie nichts unternehmen. Bei den ambulanten Massnahmen müssen Sie mitarbeiten; sonst gibt es schon Möglichkeiten, um die Schrauben anzuziehen», so der Richter.