TOGGENBURG
Baustellen-Dorf: So reagieren die Gewerbler des Wattwiler Zentrums

Die Gemeinde Wattwil gleicht einer grossen Baustelle. Wie gehen die Gewerbetreibenden mit dem Lärm und dem Dreck vor ihren Geschäften um? Ziemlich gelassen. Vor allem der Verkehr sorgt aber für Reaktionen.

Simon Dudle
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Die zu sanierende Bahnhofstrasse sorgt für Reaktionen in Wattwil.

Die zu sanierende Bahnhofstrasse sorgt für Reaktionen in Wattwil.

Bild: Simon Dudle

Seit knapp zwei Monaten werden Bahnhof- und Poststrasse im Zentrum Wattwils komplett neu gestaltet. Und es geht vorwärts. In der Näppis-Ueli-Strasse sowie in der Bahnhofstrasse bis zum Schuhgeschäft Dosenbach wurden die Randsteine eingebracht und die Strassenfläche (Planie) erstellt. Noch vor Ostern soll der Belag folgen.

Da auch der Belag des Trottoirs erneuert wird, muss der Zutritt zum Schuhgeschäft während der Arbeiten für rund eine Stunde gesperrt werden. In der Poststrasse wurden im Bereich nach der Postbrücke die Werkleitungen fertig verlegt. Bei der katholischen Kirche ist die neue Treppe ausgeschalt worden und die behindertengerechte Rampe wurde aufgeschüttet.

Baustelle bringt einige Unannehmlichkeiten

Doch wie gehen die Gewerbetreibenden mit der Grossbaustelle vor ihren Geschäften um? Immerhin bringt die Baustelle einiges an Unannehmlichkeiten mit sich. Genau das ist an einem virtuellen Znüni, welcher vom Verein Zentrum Wattwil am Freitagmorgen organisiert wurde, diskutiert worden.

Gregor Menzi von der Bäckerei Abderhalden sieht Positives und Negatives: «Der Umsatz ist um bis zu 20 Prozent zurückgegangen. Das hat aber auch damit zu tun, dass unser Café derzeit nicht offen sein darf.» Darauf habe man sich aber einstellen können. Alles in allem sei es eine ruhige Situation.

Ganz im Gegensatz zu jener Phase Anfang Februar, als auch noch die Umfahrungsstrasse während eines verlängerten Wochenendes gesperrt war und sich der Verkehr durchs Dorf staute. Menzi sagt:

«Da gab es kritische Stimmen und gewisse Leute waren ausser sich.»

Alles in allem stellt er den Bauverantwortlichen aber ein gutes Zeugnis aus.

Noch eine Sperre der Umfahrung

Max Staub, Leiter Migros Wattwil

Max Staub, Leiter Migros Wattwil

Bild: PD

Auch andere Gewerbler berichteten davon, dass während der Umfahrungssperre die Situation alles andere als zufriedenstellend war. Max Staub, Leiter der Migros Wattwil, sprach gar von einem «Chaos». Dieses sei so gross gewesen, dass nicht einmal das Aufbieten von Verkehrskadetten Sinn gemacht hätte. Ausgestanden ist die Situation noch nicht. Denn im Juli wird die Umfahrung noch einmal für drei Tage gesperrt.

Bauleiter Thomas Graf erläuterte, dass man bewusst die Zeit der zweiwöchigen Baumeisterferien dafür gewählt habe, weil dann weniger Verkehr erwartet wird. Zudem würden dann keine Arbeiten an der schmalsten Stelle – der Postbrücke – ausgeführt. Und man werde Verkehrskadetten aufbieten.

Auch wenn die Tische bei der St.Galler Kantonalbank zwischendurch vibrieren und die Brillen bei Ott Augenoptik teilweise herunterfallen, zeigen die Gewerbler Verständnis für die Situation. Den Baufirmen wird eine saubere Bauweise attestiert.

Im Spätherbst die Eröffnung

Grosse Überraschungen sind während des Baus bisher ausgeblieben. Kleinere aber hat es gegeben. So staunte Bauleiter Thomas Graf über den Aufbau der alten Strasse:

«Im Trottoir hatte es besseren Dreck drin. Früher hat man das halt so gemacht. Heute wäre das ein No-Go.»

Die Bauarbeiten liegen gut in der Zeit und man ist der Marschtabelle gar rund eine Woche voraus. Trotzdem werde es nicht so sein, dass man schon im September das neue Wattwiler Zentrum einweihen könne. Im Spätherbst dieses Jahres wird es so weit sein, ehe kommendes Jahr noch der Deckbelag eingebaut wird.