Interview

Tödlicher Unfall bei Baumfällung in Ebnat-Kappel: «Auch bei grosser Erfahrung bleibt ein erhebliches Restrisiko»

Ein 28-Jähriger verunglückt bei der Fällung einer Tanne tödlich. Wie risikoreich sind Waldarbeiten? Der Leiter der Forstwart-Ausbildung des Kantons St.Gallen im Interview.

Laura Widmer
Drucken
Teilen
Forstwart: Ein Beruf mit Risiken.

Forstwart: Ein Beruf mit Risiken.

Ein 28-jähriger Mann wurde am Mittwoch in Ebnat-Kappel von einer Tanne erschlagen. Er verstarb noch auf der Unfallstelle. Immer wieder kommt es zu Unfällen bei Forstarbeiten.

Der Beruf birgt Risiken, die auch mit Vorsichtsmassnahmen nicht komplett auszuschliessen sind, wie Felice Crottogini sagt. Er ist Mitglied des St.Galler Kantonsforstamtes und Leiter der Forstwart-Ausbildung.

Wie gross ist die Gefahr in diesem Beruf?

Crottogini: Es gibt verschiedene Faktoren, die das Unfallrisiko bei Waldarbeiten erhöhen. Dazu gehören beispielsweise schlecht funktionierende Arbeitsabläufe bei der Baumfällung oder wenn sich jemand im Gefahrenbereich aufhält. Auch abbrechende Äste oder Baumkronen können gefährlich werden.

Ist die Gefahr von abbrechenden Ästen nach einem Sturm höher?

Grundsätzlich ja. Sturmholz kann unerwartete Spannungen enthalten oder leicht brechende Baumteile aufweisen.

Sind grosse Bäume generell gefährlicher als kleine?

Solche starren Regeln gibt es nicht. Es kommt bei einer Fällung nicht auf Dicke oder Grösse eines Baumes an. Einer mit 20 Zentimetern Durchmesser kann ebenso gefährlich sein wie einer mit 80 Zentimetern.

Wie gross ist in diesem Beruf die Unberechenbarkeit?

Wegen häufig wechselnder Arbeitsorte und unterschiedlichen Bedingungen in der Natur ist die Ausbildung und Arbeitserfahrung des einzelnen Forstwartes oder Waldarbeiters von grosser Bedeutung.

Wichtig ist eine gute Planung der Arbeiten: Diese erleichtert die Einschätzung einer Situation. Waldarbeiter müssen sich jedoch bewusst sein: Auch bei grosser Erfahrung bleibt ein erhebliches Restrisiko.

Welcher Wert wird in der Ausbildung auf den Sicherheitsaspekt gelegt?

Neben der Holzerntetechnik ist die Arbeitssicherheit der wichtigste Teil der Ausbildung. An oberster Stelle steht der Eigenschutz eines Forstwartes oder Waldarbeiters. Ebenfalls wichtig ist der Schutz der Arbeitsrotte und von Drittpersonen. Zum Dritten ist es wichtig, die eigenen Fähigkeiten nicht zu überschätzen.

Was raten Sie Laien?

Holzerntearbeit ist durch professionell tätige Forstwarte oder Waldarbeiter auszuführen. Bei eigener Ausführung der Arbeiten sind die Sicherheitsregeln zu beachten.

Das Unfallrisiko ist erheblich grösser bei Personen, die keine Arbeitserfahrung oder eine ungenügende Ausbildung haben.