Tiere helfen heilen: therapeutisches Reiten für Menschen mit Beeinträchtigungen

Der Umgang mit Tieren kann sich positiv auf die persönliche und soziale Weiterentwicklung auswirken. Das gilt besonders für Menschen mit psychischen oder sozialen Beeinträchtigungen. Die Reittherapeutin Antonia Koller betreut neu in Niederwil unter anderem ebensolche Klienten.

Miguel Lo Bartolo
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Antonia Koller betreut mit Hilfe ihrer Therapiepferde Menschen mit Beeinträchtigungen.

Antonia Koller betreut mit Hilfe ihrer Therapiepferde Menschen mit Beeinträchtigungen.

Bild: PD

Der Klient holt unter Anleitung und Hilfe der Reittherapeutin das Pferd aus dem Stall, putzt und sattelt es. Danach wird nach Möglichkeit – abhängig von der körperlichen und geistigen Verfassung des Klienten – ausgeritten. «Durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Therapiepferd, werden verschiedene Sinne stimuliert», sagt Antonia Koller, Sozialpädagogin und Diplomierte für tiergestützte Therapie. So werde der Klient beim Umgang mit dem Pferd sozial, körperlich und emotional gefördert. «Die persönliche und soziale Weiterentwicklung im Rahmen der Dreiecksbeziehung Klient-Pferd-Reittherapeut ist das Ziel.»

Vor gut einer Woche hat Koller ihren neuen Stall in Niederwil bezogen. Zuvor war sie zwei Jahre lang in Herisau tätig, insgesamt arbeitet sie aber schon seit über acht Jahren mit Pferden. Nach der Matura machte Koller eine sozialpädagogische Ausbildung. In diversen aufbauenden Kursen spezialisierte sie sich auf tiergestützte Therapie und therapeutisches Reiten.

«Meine Ausbildungen habe ich immer mit dem Ziel vor Augen gewählt, eines Tages mein Hobby zum Beruf machen zu können.»

Therapie mit breitem Behandlungsspektrum

Zur therapeutischen Unterstützung werden Tiere schon seit geraumer Zeit beigezogen. Man kennt als Musterbeispiel vor allem den Therapiehund. Weniger bekannt hingegen ist das therapeutische Reiten. Diese Behandlungsform findet bei körperlicher, geistiger und psychischer Beeinträchtigung Anwendung. Dabei werden die motorischen Fähigkeiten gestärkt und die sozialen und psychischen Kompetenzen gefördert.

Durch Erfolgserlebnisse gewinnt der Klient an Selbstbewusstsein, was sich positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung auswirkt. Koller betreut derzeit Klienten aus drei verschiedenen Institutionen. «Das Angebot ist aber noch ausbaufähig», sagt die 35-Jährige.

Beim therapeutischen Reiten, das unter anderem psychotherapeutische, rehabilitative und pädagogische Massnahmen einschliesst, dreht sich alles um die Beziehung des Klienten zum entsprechenden Therapiepferd. «Während mehrerer Sitzungen baut man eine immer stärkere Bindung zum Tier auf», sagt Koller. Sieben Pferde, eine Hündin und ein Kater Die Zielgruppe umfasst Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Kollers Angebot besteht aus klassischem Reitunterricht und therapeutischem Reiten sowie aus Kinderreitkursen wie dem Ponyclub. Zudem führt sie während der Schulferien Reitlager durch. Künftig soll auch eine sogenannte Erlebnis-Spielgruppe entstehen, wo Kinder ab drei Jahren ihre ersten Erfahrungen mit Tieren sammeln können.

Antonia Koller pflegt eine enge Beziehung zu ihren Tieren. Sie reitet schon seit ihrem vierten Lebensjahr.

«Ich wusste schon immer, dass ich einmal mit Pferden arbeiten werde.»

In ihrem Stall in Niederwil hält sie sieben Pferde – drei davon hat sie zu Therapiepferden ausgebildet. Ihre Hündin Shiva ist «immer mit dabei», wie Koller sagt. Shiva sei zwar keine Therapiehündin. Allerdings verstehe sie sich sowohl mit den Pferden als auch mit den Klienten ausgesprochen gut und sorgt für eine lockere Atmosphäre.

Eigentlich sollte Anfang April ihr «Tag der offenen Stalltür» stattfinden. Dieser wird allerdings aufgrund der andauernden Coronakrise verschoben. «Ein etwas ungünstiger Augenblick, in einer neuen Umgebung Fuss zu fassen», sagt Koller. «Umso mehr freue ich mich auf den Tag, an dem es dann wieder richtig losgeht.»