Tiefe Zinsen freuen die Toggenburger Hauseigentümer

Hauseigentümer profitieren von der aktuellen Situation. Das birgt aber auch Gefahren, warnte der Toggenburger Verbandspräsident an der Hauptversammlung.

Ruben Schönenberger
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Elmar Steiger führte durch die HV des Hauseigentümerverbands Toggenburg. (Bild: Ruben Schönenberger)

Elmar Steiger führte durch die HV des Hauseigentümerverbands Toggenburg. (Bild: Ruben Schönenberger)

Es war die zweite Hauptversammlung des Hauseigentümerverbands (HEV) Toggenburg, die am Donnerstagabend stattfand. Und trotzdem war die HV eine Premiere. Zum ersten Mal konnten die Mitglieder auf ein Geschäftsjahr zurückblicken. Entstanden war die Toggenburger Sektion erst vor einem Jahr aus der Fusion der beiden Sektionen Neu- und Obertoggenburg sowie Alttoggenburg und Umgebung.

Auch wenn der Anlass nicht mehr von der gleichen historischen Bedeutung wie die Fusionsversammlung vor Jahresfrist war, kamen 101 Mitglieder ins Zivilschutzausbildungs­zentrum nach Bütschwil. Insgesamt weist die Sektion über 2700 Mitglieder aus und ist damit im Kanton St. Gallen die viertgrösste.

Näher an der Abschaffung des Eigenmietwerts

Präsident Elmar Steiger sieht beim Bestand allerdings noch mehr Potenzial: «Es wurde sehr viel gebaut im Toggenburg.» Es sei wichtig, den Mitgliederbestand auszubauen, um beispielsweise in politischen Auseinandersetzungen Gewicht zu haben. Eine solche ist die Abschaffung des Eigenmietwerts, die der HEV schon an der letztjährigen Fusionsversammlung thematisiert hatte. «Wir sind näher dran als auch schon», sagte Steiger in seinem Jahresbericht dazu. Sollte es so weit kommen, müssten aber auch die Eigentümer Abstriche machen, beispielsweise bei den Abzugsmöglichkeiten von Unterhaltsarbeiten.

Steiger ging in seinem Jahresbericht auch auf die Entwicklungen im Toggenburg und darüber hinaus ein. Die Hypothekarzinsen seien so tief wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Steiger mahnte mit Bezug auf ein in Zukunft eventuell wieder höher liegendes Niveau:

«Das freut die Hauseigentümer, birgt aber auch Gefahren.»

Die tiefen Zinsen führten auch dazu, dass im Toggenburg Einfamilienhäuser weiterhin sehr gut nachgefragt werden. Bei den Mietwohnungen ist jedoch gemäss dem Jahresbericht eine leichte Stagnation zu verzeichnen. Unter dem Strich bleibt aber viel Wohnraum unbewohnt. «Der Leerwohnungsbestand nimmt stark zu», fasste Steiger zusammen. Das führe zu einem Druck auf die Preise und zu längeren Leerständen von Neubauten. «Bis vor kurzem waren Eigentumswohnungen verkauft, bevor die Bagger aufgefahren sind», sagte Steiger. Das sei nicht mehr immer so. Beim Blick auf die Statistik zeigt sich denn auch: Per Stichtag 1. Juni 2018 standen 630 Wohnungen leer. Letztmals so viele Leerstände gab es zu Beginn des Jahrtausends.

Vier von fünf Gebäudehüllen sanierungsbedürftig

Nach der HV referierte Patrizia Egloff, frisch gewählte Präsidentin des Energietals Toggenburg, über die «Energiewende im Eigenheim». Im Toggenburg seien vier von fünf Gebäudehüllen sanierungsbedürftig. Rund zwei Drittel davon stark.

Einen grossen Beitrag zur Verwirklichung der Ziele des Fördervereins könne indes auch die Mobilität leisten. Mit 560 PW auf 1000 Einwohner liege das Thur- und Neckertal über dem kantonalen Schnitt. In diesen Autos sässe dann oft nur eine Person. Hier könne man über den öffentlichen und den Langsamverkehr, aber auch über Elektromobilität viel erreichen. Dem pflichtete Thomas Gämperli von der G&O Sunsolutions GmbH bei. Er erläuterte in einem zweiten Referat Vor- und Nachteile von Elektroautos.