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Theater gab es nur auswärts

Am 2. Juni haben sich die Theaterladiesaus Bazenheid endgültig von ihrem Publikum verabschiedet. 21 Jahre nach der Gründung nehmen es die fünf Frauen in Zukunft etwas gemächlicher.
Beat Lanzendorfer
Die Theaterladies Helen Sennhauser, Margrit Stadler, Margrit Meile, Marlene Silvestri und Esther Burkhalter im Jahre 2009 bei ihrem Auftritt mit «Damebsuech uf dä Meiersalp» am Originalschauplatz (von links). (Bild: PD)

Die Theaterladies Helen Sennhauser, Margrit Stadler, Margrit Meile, Marlene Silvestri und Esther Burkhalter im Jahre 2009 bei ihrem Auftritt mit «Damebsuech uf dä Meiersalp» am Originalschauplatz (von links). (Bild: PD)

Margrit Stadler, CVP-Kantonsrätin von 1996 bis 2015 und in dieser Funktion 2004/2005 höchste St. Gallerin, pflegte jeweils mit einem Lächeln zu sagen: «Politisieren und Theater spielen liegen gar nicht so weit auseinander.»

Schlug sie den Weg in die Politik relativ spät ein, gehörte sie 1977 zu den sieben Gründungsmitgliedern der Theatergruppe Bazenheid. Ihr Talent zur Schauspielerei blieb im Dorf nicht unbemerkt. Immer wieder kamen Anfragen des katholischen Frauen- und Müttervereins, ob sie Lust hätte, an der Hauptversammlung etwas zur Unterhaltung beizutragen – sie hatte. In unterschiedlicher Besetzung lockerte sie während einiger Jahre die eher trockene Abhandlung der Traktandenliste mit einem Sketch oder Theaterstück zum Teil aus dem Repertoire von Rösly Baumgartner auf.

Wenn Frauen zu Männern werden

Im Jahre 1998 fanden sich dann Margrit Meile, Marlene Silvestri, Esther Burkhalter, Helen Sennhauser sowie Margrit Stadler und gründeten die Theaterladies. Was folgte, hätten sie selber kaum für möglich gehalten. Es sprach sich schnell herum: Wer einen kurzweiligen Anlass organisieren möchte, engagiert am besten die Theaterladies. Ob Hauptversammlung, Altersnachmittage oder andere Aktivitäten: Der Applaus nach den Vorstellungen war den fünf Frauen sicher. «Ein grosses Stück des Kuchens darf sich Rösly Baumgartner als Autorin abschneiden. Sie hat uns Frauen die Rollen immer perfekt auf den Leib geschrieben», sagt Margrit Stadler.

Dabei liess sie die Stärken der Frauen bewusst einfliessen. So war es bei Marlene Silvestri ihre gut ausgebildete Stimme, die ihr häufig einen Sonderapplaus eingetragen hat. Helen Sennhauser und Margrit Meile sorgten mit ihrem resoluten Auftreten voller Komik für manche Lacher. Während erstere auch als Chauffeurin mit eigenem Theaterladies-Anhänger viele Kilometer auf den Ostschweizer Strassen zurücklegte, offenbarte Margrit Meile ihre Talente ebenso als Maskenbildnerin. Weil beim Theater auch das starke Geschlecht Platz finden sollte, waren es Esther Burkhalter und Margrit Stadler, die bei allen acht einstudierten Stücken ausschliesslich Männerrollen ausfüllten – und das gekonnt.

Gab es für Margrit Stadler in den vergangenen zwei Jahrzehnten auch einen persönlichen Höhepunkt? «Wir waren hauptsächlich in den Kantonen Thurgau und St. Gallen unterwegs. Mir bleibt ‘Damebsuech uf dä Meiersalp’ am Originalschauplatz im Jahre 2009 in besonderer Erinnerung. Die vier Open-Air-Vorstellungen auf der Meiersalp fanden vor einem begeisternden Publikum statt und waren alle restlos ausverkauft. Auf dieses Ereignis werden wir heute noch angesprochen.»

Sehr viele Helfer im Hintergrund

«Die Unterstützung im Hintergrund war genauso grossartig», erzählt Margrit Stadler weiter. Manuela Winteler malte die passende Kulisse, Josef Brunschwiler zimmerte diese auf die Bühne. Weil vielfach die Begleitung am Klavier erforderlich war, übernahm diesen Part in den Anfangsjahren Annette Holenstein, später gesellten sich Maria-Luise Abt, Corinne Hörler und Antonia Widmer hinzu.

Nach über 400 Vorstellungen verabschiedete sich das Theaterensemble Anfang Juni in der «Alten Zwirnerei Mühlau» von seinem Publikum. Warum eigentlich? «Wir fünf Frauen waren eine ideale Zusammensetzung. Ich denke, es ist uns immer gelungen, unsere Stücke, die auch einen sozialen Hintergrund hatten, humorvoll rüberzubringen. Dementsprechend haben wir die Herzen des Publikums berührt. Mittlerweile sind wir nicht mehr die Jüngsten. Wir möchten aufhören, wenn es am schönsten ist», sagt Margrit Stadler. Und weiter: «Der Aufwand war nicht zu unterschätzen. Weil wir öfters abwesend waren, gab es zu Hause nie ein Theater, dafür auswärts umso mehr», schmunzelt sie beim Erzählen.

«Die Begegnungen mit den Menschen waren für uns ein Lebenselixier. Es war schön, sich nach den Vorstellungen unter die Zuhörenden zu mischen und in die glücklichen Augen blicken zu dürfen», ergänzt Margrit Stadler abschliessend.

30000 Besucher

Das erste Stück der Theaterladies war 1997 «D’ Babysitter im Stadtpark». Es folgten «E hektischi Nacht i dä Geburtsklinik» (1999), «Mitternachtsdrama im Schottehus» (2001), «En ewige Stress am Himmelstor» (2003), «In diesem ehrenwerten Haus» (2006), «Damebsuech uf dä Meiersalp» (2009), «Das kleine Glück am Bahnhofplatz» (2012) sowie «Dä Spion im Hotel Seeblick» (2016). Die acht Theaterstücke wurden gesamthaft über 400 Mal aufgeführt, was rund 30000 Besuchern entspricht. (bl)

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