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Theater Brunnadern: Ein Kuckucksei sorgt im Spital Bächli für Aufruhr

Hämorrhoiden, Fensterstürze, Seitensprünge – bei «Alles uf Chrankeschii» der Theatergruppe Brunnadern ist alles möglich. Am Freitag ging die Premiere des Stücks im ausverkauften Saal über die Bühne.
Michael Hug
Die Oberschwestern «Messer» und «Zingge» (von links), gespielt von Leo Pfiffner und Bruno Schweizer. (Bild: Michael Hug)

Die Oberschwestern «Messer» und «Zingge» (von links), gespielt von Leo Pfiffner und Bruno Schweizer. (Bild: Michael Hug)

«I xsee nöd ii, warom mer als Götti nöd au chönnt ä bitzli Verantwortig überneeh!», sagt Louis Leu mit hochrotem Kopf. Nun ist er also plötzlich der Götti des Buben. Eben war er noch der Vater und noch fünf Minuten vorher war er gar nichts von beidem. Da wusste er noch nicht mal, dass der kleine Felix – jetzt ein Teenager – existiert.

Dabei hat der Neo-Papi und Oberarzt im Spital ganz andere Sorgen. Zu viele. Ein Fachkongress steht an, da sollte er eine Rede schreiben und einstudieren. Ausserdem ist heute der Tag seiner Beförderung zum Chefarzt, jedenfalls hat er so etwas läuten hören. Wäre ja auch langsam Zeit, meint auch sein «Goldschatz» Rosemarie Leu (Angela Thalmann). Als wär es noch nicht Stress genug, möchte Eveline Vögeli, die Spitalpsychologin (Lea Blindenbacher), dass er beim geplanten Weihnachtsspiel den Samichlaus übernimmt. Und dann «schwebt» ständig diese durchgedrehte Patientin aus der psychiatrischen Abteilung mit Shakespeare-Zitaten durch das Zimmer.

Erfolgreichster Lachschlager

Louis Leu, gespielt von Leo Pfiffner, ist zu bedauern. Und doch wieder nicht – selber schuld, möchte man sagen. «Shit happens» lautet ein Sinnspruch aus dem Englischen, wenn es schiefläuft, dann läuft es eben richtig schief.

Schief läuft bei «Alles uf Chrankeschii» alles. Die englische Komödie mit dem Originaltitel «It Runs In The Family» ist weltweit einer der erfolgreichsten und meistgespielten Lachschlager des Theaterautors Ray Cooney. Sie hat alles, was die Leute zum Lachen bringt: Verwechslungen, Verwirrungen, Schabernack und Slapstick, Szenekomik, Witz und Humor, Schenkelklopfen. Nicht eine Minute der Premiere im «Rössli» in Bächli ist um, schon hat das Publikum den ersten Lacher.

Dafür hat auch Regisseur Ruedi Näf gesorgt. Er hat dem Stück viel zusätzlichen Pepp verpasst, mehr Tempo und die eine und andere zusätzlich komische Szene. Turbulent, tempo- und pointenreich, aber auch völlig überdreht, ja durchgeknallt und wirklichkeitsfremd, nichtsdestoweniger frappant und absurd ist das Resultat – eine fast dreistündige Slapstickunterhaltung – herausgekommen.

Seitensprung vertuschen

Drei Handlungsstränge bestimmen das Stück: der anstehende Kongress inklusive Beförderung, das ebenso anstehende Weihnachtsspiel des Spitalpersonals und der Hauptstrang, das Kuckucksei, der 17-jährige Sohn Felix Kuster (Simon Pfiffner), den die ehemalige Krankenschwester Rita Kuster (Martina Langenegger) präsentiert. Natürlich will Louis Leu nicht, dass die Sache mit seinem Seitensprung herauskommt, und so verstrickt er sich zunehmend in einem Lügengebäude, das permanent zusammenzubrechen, seinen Auftritt vor dem Kongress und seine Beförderung bedroht.

Aber weil «Shit» eben passiert, wenn’s passiert, stehen plötzlich ziemlich viele Leute im Oberarztzimmer, die alle mit ihrem höchst eigenen Anliegen auch noch etwas wollen vom bedauernswerten Chef. Der, es sei ihm wirklich nicht verwehrt, so langsam die Übersicht im Schlamassel verliert. Ein Chaotenbetrieb sei das, meint ein Patient schliesslich: «Wenn du hier mit Gallensteinen eingeliefert wirst, kommst du ohne Hämorrhoiden wieder raus!»

Notfallplättli und Hexeschuss

Es braucht viel Selbstvertrauen, sich an Cooneys Glanzstück aus dem Jahr 1987 heranzumachen. Diverse Laientheatergruppen haben sich daran schon versucht und man kennt den Schwank auch von Aufführungen mit Volksschauspieler Jörg Schneider. Das Stück dürfte sich das Ensemble der Theatergruppe Brunnadern mindestens einmal auf DVD angesehen haben.

Wichtig sei ihm, sagt Ruedi Näf, dass es rund läuft auf der Bühne und dass es ständig etwas zu lachen gibt. Die Vorgabe hat das zwölfköpfige Ensemble auf der kleinen Bühne im Rösslisaal an der Premiere vom letzten Freitagabend vortrefflich hingekriegt. Es lief tatsächlich rund, es wurde viel gelacht, es gab köstliche Unterhaltung und aus der Küche von Wirtin Heidi Müller themagerecht «Notfallplättli» (Ghackets mit Hörnli) und «Hexeschuss» (Zwiebelsuppe mit Brotwürfel). Zwölf Aufführungen sind geplant, 1350 Tickets seien bereits verkauft, noch wenige sind zu haben.



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