Tennis
«Nach drei Turniersiegen in Folge habe ich mir für diese Titelkämpfe einiges erhofft» – Wilenerin Alina Granwehr nach ihrem starken Auftritt an der Schweizer Meisterschaft

Erst im Finale gebremst: Die 17-jährige Alina Granwehr aus Wilen setzte bei den Schweizer Tennismeisterschaften der Aktiven in Biel letzte Woche mehrere grosse Ausrufezeichen.

Maria-Theres Brühwiler
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Alina Granwehr zeigte an fünf Tagen beeindruckende Leistungen und musste sich erst im Finale gegen Viktorija Golubic geschlagen geben.

Alina Granwehr zeigte an fünf Tagen beeindruckende Leistungen und musste sich erst im Finale gegen Viktorija Golubic geschlagen geben.

Bild: Urs Lindt/freshfocus

Mit ihrem schnellen Angriffstennis hatte Alina Granwehr beim ersten Turnier dieses Jahres im Januar ihre Gegnerinnen vom Platz gefegt und in Luzern souverän einen weiteren Schweizer-Junioren-Meister-Titel gewonnen.

Beim letzten Turnier des Jahres waren die Vorzeichen anders. Die Wilenerin war nicht wie bei den Juniorinnen die Topfavoritin, sondern startete in Biel als Ungesetzte in die Titelkämpfe der Aktiven.

Doch dies hinderte Alina Granwehr nicht, bei der unter strengen Schutzauflagen und gänzlich ohne Publikum durchgeführten Swiss Champion Trophy ihr gewohntes Offensivtennis auszupacken und ihre älteren, besser klassierten Gegnerinnen in die Schranken zu weisen.

Die 17-Jährige hat grosses Selbstvertrauen

«Nach drei Turniersiegen in Folge habe ich mir für diese Titelkämpfe einiges erhofft», verrät die seit einigen Jahren im Nationalen Leistungszentrum von Swiss Tennis in Biel geförderte Alina Granwehr (N2.21; Leistungsklasse 2, aktuell die nationale Nummer 21). Es sei anfänglich schwierig gewesen, in ihrer Trainingsstätte und ohne Publikum in den Turniermodus zu finden.

Ihre Erstrundenaufgabe gegen Aline Thommen (N3.34) löste sie gleichwohl souverän. In der zweiten Runde kam es zu einer Premiere. Zum ersten Mal überhaupt stand Alina Granwehr in einem Ernstkampf der an Nummer fünf gesetzten Nina Stadler (N2.13) gegenüber.

Die amtierende U18-Schweizer-Meisterin trumpfte vom ersten Ball an auf und gewann gegen die um acht Jahre ältere Toggenburgerin in drei Sätzen. Alina Granwehr sagt:

«Ich bin sehr glücklich, dass ich das umsetzen konnte, was wir in den letzten Monaten schwerpunktmässig trainiert haben.»

Auf sehr hohem Niveau mit wenigen Fehlern gespielt

Auch die an Nummer zwei gesetzte Fed-Cup-Spielerin, Ylena In-Albon (N1.6), fand gegen die entfesselte Fürstenländerin kein Rezept. Und das obwohl Alina Granwehr in allen bisherigen Begegnungen gegen die 21-jährige Walliserin jeweils als Verliererin vom Platz musste. Das sehr hochstehende Viertelfinalspektakel endete mit einem klaren Zweisatzsieg der Aussenseiterin.

In den Halbfinals gewann die fünffache Junioren-Schweizer-Meisterin gegen die Genferin Sebastianna Scilipoti (N1.10). Für diesen Sieg habe sie ihr Kämpferherz auspacken müssen. Nach 6:1 im ersten Satz, lag die Wilenerin im zweiten Satz mit 1:4 zurück. Doch Granwehr krallte sich auch diesen Satz.

Gegen die erfahrene WTA-Spielerin und zweifache Schweizer Meisterin, Viktorija Golubic (N1.5), war im Finale allerdings nicht mehr viel zu machen. Trotzdem resümierte die neue Vize-Schweizer-Meisterin am Sonntagabend:

«Ich bin mit meinen Leistungen an den Titelkämpen sehr zufrieden.»

Die nächsten Einsätze sind ungewiss

«Zusammen mit meinem Trainer Kai Stentenbach habe ich das spezielle Jahr mit nur wenigen Turnieren und entsprechend wenigen Reisen sehr gut nutzen können. Mein offensives Spiel konnte ich verbessern, meine Schläge stabilisieren und die harten Konditions- und Krafttrainings zahlen sich nun aus.»

Wie es im Jahr 2021 weitergeht, weiss die Tennisspielerin, die in der Juniorenweltrangliste neu um die Position 80 klassiert sein wird und in ihrem letzten Jahr als Juniorin liebend gerne auf grossen internationalen Tennisbühnen auftreten möchte, noch nicht.

Der erste Höhepunkt – das Juniorenturnier beim Australian Open – wurde schon einmal auf unbekannte Zeit verschoben. Alina Granwehr wird trotzdem fokussiert, aber flexibel, ihren Weg gehen. So wie sie das auch beim letzten internationalen Turniersieg im deutschen Overath im Oktober gemacht hat. Aus Angst vor dem Virus verkürzte der Veranstalter nämlich kurzerhand die Turnierdauer.

Alina Granwehr absolvierte in drei Tagen fünf Spiele, musste in den Halbfinals einen Matchball abwehren, eine Stunde später zum Finalspiel antreten und gewann dieses schliesslich gegen die Russin Yaroslava Barashevich in extremis mit 6:7, 7:6, 10:4. «Was man nicht beeinflussen kann, soll man gelassen angehen. Immer das Beste daraus machen», nimmt sich die Fürstenländerin vor.