Fussball
Paninitauschbörse Bütschwil: Wenn Klebebildchen Generationen vereinen

Am 11. Juni startet die Fussball-Europameisterschaft in Rom. Nebst der Vorfreude gehört für die Fans auch das Sammeln von Paninibildchen dazu. Um das Heft möglichst schnell zu vervollständigen, hilft es, Tauschbörsen zu besuchen.

Francesca Stemer
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Paninitauschbörse in der Bibliothek in Bütschwil.

Paninitauschbörse in der Bibliothek in Bütschwil.

Bild: Francesca Stemer

334? 336? 340? «Ja, habe ich, hier.» Ein Paninibild wechselt den Besitzer. Behutsam wird es in einer karierten Hemdtasche, geschützt von einem dunkelblauen Pullunder, verstaut. Die vor kurzem noch fehlende Nummer wird von einer grünen Liste durchgestrichen. Das Tauschgeschäft ist abgeschlossen. Kurt Brägger atmet auf. Er sitzt seit 16 Uhr an einem Holztischchen in der Bibliothek Bütschwil. Vor ihm liegen zwei Listen, eine grüne – Bilder, die er noch benötigt – und eine rote – Bilder, die bereits eingeklebt sind – ausgelegt. Daneben liegt ein Stapel doppelter Paninibildchen und sein Regenschirm. Brägger sammelt für seinen Kollegen. Dieser ist ein begeisterter Fussballfan. Sein Ziel: Das Paniniheft möglichst vervollständigen. Kein leichtes Unterfangen, vor allem, wenn die Zeit zum Tauschen fehlt. Doch genau dafür hilft ihm Brägger.

Kurt Brägger sammelt die Paninibilder für einen Freund.

Kurt Brägger sammelt die Paninibilder für einen Freund.

Bild: Francesca Stemer

Bereits vor einigen Jahren ging der Wattwiler nach St.Gallen, um dort für seinen Kollegen zu tauschen. Als Pensionär habe er ja Zeit. Doch Brägger sagt, es sei manchmal anstrengend: «Vor allem, wenn es hektisch zu- und hergeht. Oder die Tauschpartner unorganisiert sind.» Daher der Tipp vom Tausch-Profi: Saubere Listen und nur zu Beginn Bilder kaufen. «Irgendwann hat man die Sticker doppelt, dann hilft nur noch tauschen.» Bräggers hellblaue Augen funkeln bei der nächsten Frage schalkhaft auf: «Ob ich etwas dafür bekomme? Ja, schön wär's.» Der Pensionär fährt fort: «Am Schluss darf ich das volle Album ansehen.» Selber ist Brägger auch Fussball-Fan, besonders dann, wenn der FC St.Gallen gewinnt. Sein Blick schweift zur Seite, neue Tauschpartner warten auf ihn.

Am Nachbartisch steht Yezda, sie hilft ihrem jüngeren Bruder, die 678 Sticker zu sammeln. Sie haben schon für die WM 2018 Paninibildchen gesammelt. Auch damals kamen sie in die Bibliothek, um zu tauschen. «Ab einem gewissen Zeitpunkt ist das die beste Möglichkeit, das Buch zu vervollständigen.» Sie vergleicht prüfend einen Stapel Sticker mit ihrer Liste. Es fehlen noch 40 Bildchen. Sie ist zuversichtlich, dieses Mal das Heft füllen zu können.

Weg von staubigen Klischees

«Konntet ihr einiges tauschen?» Andrea Hollenstein schallen glückliche Ja-Rufe entgegen. Nachdem die Bibliothekarin einige Bilder für die Website machte, widmete sie sich wieder ihren Büchern. Während sie eine Schutzfolie um ein Buch klebt, erklärt sie, dass Fussball nicht ihre Welt sei. Doch die begeisterten Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen beim Tauschen zu sehen, mache sie glücklich.

«Es ist schön zu sehen, wie dadurch Generationen vereint werden.»

Mit der Tauschbörse, welche bereits zum zweiten Mal in der Bütschwiler Bibliothek stattfindet, möchten sie weg vom klischeehaften Bibliotheksbild beispielsweise, dass man in Bibliotheken stets ruhig sein müsse, und den Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit geben, die Bibliothek und die Bücher von einer neuen Seite kennen zu lernen.

In der Leseecke tauschen einige Jungen Paninibildchen. Unter ihnen Mauro und Emiliano, die beiden gehen zusammen zur Schule, sind fussballbegeistert und beste Freunde. Sie freuen sich auf den EM-Beginn, dann werden ihre Herzen besonders für die schweizerische, italienische und französische Nationalmannschaft schlagen. Seit einigen Jahren gehört für die beiden das Sammeln der Sticker zu jeder EM oder WM dazu. Als die Bilder auf den Markt gekommen sind, bekamen sie einige Karten geschenkt. Jetzt ertauschen sie sich die Übrigen. Emiliano erklärt:

«Es macht viel Spass, auch um dann später zu sehen, welche Mannschaften dabei waren.»
Marc konnte einige Bilder tauschen.

Marc konnte einige Bilder tauschen.

Bild: Francesca Stemer

In Yezdas Nähe sitzt Marc, von seiner Mutter hat er zu Ostern einen 100er-Pack der Klebebildchen erhalten. Er wirft ein Blick auf seine Liste, er konnte in der letzten Stunde einiges tauschen. Er ist zufrieden, denn jetzt fehlen ihm noch rund 50 Bildchen. An seiner Schule sammelt nur er. Für ihn ist klar, wenn er nächsten Mittwochnachmittag Zeit hat, wird er wieder zum Tauschen vorbeikommen. Am Nachbartisch wirft Kurt Brägger einen Blick auf seine Armbanduhr. Eigentlich wollte er vor einer Viertelstunde auf den Zug. Doch als er erneut von einer Sammlerin angesprochen wird, ob er noch tausche, nickt er. Mit geübtem Blick vergleicht er die Zahlenlisten. Sein Zug ist ohne ihn abgefahren, dafür ist seine Hemdtasche noch etwas voller geworden.

Fussball-Europameisterschaft

Am 11. Juni findet im Olympiastadion Rom das Eröffnungsspiel der Fussball-Europameisterschaft Italien gegen Türkei statt. Die EM hätte im vergangenen Jahr ihr 60-jähriges Jubiläum gefeiert. Die Idee: Die Spiele in unterschiedlichen Stadien auszutragen. Daran wurde festgehalten. Die Europameisterschaft findet nun, ein Jahr später, in elf Städten statt. Die Halbfinals und der Final sollen Anfang Juli im Wembley-Stadion in London ausgetragen werden. Zuschauer würden zu allen Spielen zugelassen. Die Schweiz spielt am Samstag, 12. Juni, das erste Spiel gegen Wales im Nationalstadion Baku in Aserbaidschan. (fra)