Streamingangebot beim «Cinewil», Abwarten beim «Passerelle»: Auch in den Kinos in Wil und Wattwil bleibt das Licht aus

Frühestens am 8. Juni, vielleicht auch später: Filmfans müssen sich gedulden, bis sie wieder ins Kino dürfen.

Ruben Schönenberger
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Das Wattwiler Kino Passerelle ist wie alle anderen Kinos derzeit geschlossen. Wie lange noch, das bleibt offen.

Das Wattwiler Kino Passerelle ist wie alle anderen Kinos derzeit geschlossen. Wie lange noch, das bleibt offen.

Bild: PD

Auch für Filmfans ist die aktuelle Situation ungewiss. «Ob Kinos am 8.Juni den Betrieb wieder aufnehmen können, ist noch nicht klar», sagt René Gerber, Generalsekretär von Procinema, dem Dachverband der Schweizer Kino- und Filmverleihunternehmen.

«Es hängen alle in der Luft: Gross und Klein, Stadt und Land.»

Wie existenzbedrohend diese Situation werde, unterscheide sich von Kino zu Kino, so Gerber. «Es trifft uns», sagt Peter Bötschi, Geschäftsleiter des Wattwiler Kinos Passerelle. Es gebe aber Unterstützung vom Bund und vom Kanton. Und nach zuletzt guten Jahren sei man weiterhin liquide. Dabei hilft, dass das Kino unlängst eine Prämie für das hochstehende Programm erhalten hat. Auch Bötschi sagt aber: «Wie es die Kinos trifft, ist unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren ab.»

Autokino als Alternative

Unterschiedlich ist auch die Reaktion der Kinos auf die Krise. Viele bieten auf ihrer Website nun an, Filme zu streamen. So auch das «Cinewil». Das Kino fungiert dabei als Kurator. «Das ist nicht unbedingt neu», sagt René Gerber. Verbreitet sei es vor allem im Bereich der Arthouse-Kinos. Viel mehr an Alternativangeboten bliebe den Kinos nicht. Er wisse von einem Anbieter, der versuche, ein Autokino auf die Beine zu stellen.

Im «Passerelle» verzichtet man auf ein Ersatzangebot. «Kino lebt auch von der Atmosphäre, vom Austausch unter den Gästen», findet Geschäftsleiter Bötschi. Statt Zeit in ein Alternativprogramm zu investieren, macht man in Wattwil Arbeiten, für die ein Unterbruch nicht ungelegen kommt. «Wir optimieren unser Reservationssystem und lassen ein paar frische Ideen in unser Gastroangebot einfliessen», erwähnt Bötschi zwei Beispiele.

Best-of der verpassten Filme

Wann die ersten Gäste dieses Angebot testen können, bleibt offen. Ebenso, welche Filme sie dann zu sehen bekommen. Bötschi überlegt sich, eine Art Best-of der verpassten Filme zusammenzustellen. Also jene Filme, die man gezeigt hätte, hätte man denn dürfen. Bei neuen Filmen ist die Planung noch schwieriger. «Wir sind da auf die Verleiher angewiesen», sagt Bötschi. René Gerber sieht hier ein Problem. Er sagt:

«Kinos können nicht einfach am Tag X den Schlüssel drehen und die Gäste kommen. Wir sind angewiesen darauf, dass wir dann auch Filme haben.»

Mehrere potenzielle Blockbuster seien schon in den Herbst verschoben worden. Und wenn die Kinos beispielsweise in der Schweiz früher als in Deutschland öffnen würden, gäbe es in der Schweiz kaum neue deutschsprachige Filme zu sehen. «Die amerikanischen Anbieter würden auf die Öffnung der deutschen Kinos warten.» Das würde die Branche hart treffen: «Die Kinos machen über 65 Prozent des Umsatzes mit amerikanischen Filmen.»