Dank Strassenverlegung zum Tierheim-Neubau

Nach einer Einsprache gegen den neuen Papageien- und Büsihof in der «Aachsäge», Mogelsberg, hat Marcel Jung das Projekt ändern müssen. Die strassenbaulichen Anpassungen verursachen erhebliche Mehrkosten.

Michael Hug
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Marcel Jung erklärte an der Orientierung seine Pläne für den neuen Papageien- und Büsihof. (Bilder: Michael Hug)

Marcel Jung erklärte an der Orientierung seine Pläne für den neuen Papageien- und Büsihof. (Bilder: Michael Hug)

Im vergangenen Jahr schien es, als hätte Marcel Jung nach längerer Suche eine gute Lösung für seinen Papageienhof gefunden. Den alten Standort im Hönensch-wil in Dicken aufzugeben und den gesamten Betrieb mit mehr als 200 Tieren und zehn Arbeitsplätzen in die «Aachsäge» zu zügeln, das war der Plan.

Im Sommer letzten Jahres erfolgte der erste Schritt: der Kauf der Sägerei- und Wohnliegenschaft Aachsäge an der Mündung der Aach in den Necker. Die Lösung, auf dem freien Gelände rund um die Sägereiliegenschaft – unter Einbezug der Holzlagerhallen – ohne sehr grossen Aufwand und wenige Neubauten, lag auf der Hand. Die Pläne scheiterten jedoch vorläufig an der Einsprache eines Nachbarn. Das Problem: die Grenzabstände.

Architekten mussten über die Bücher

Eine Einigung mit dem Einsprecher kam nicht zustande. Marcel Jung und sein Architekt mussten über die Bücher. Das neue Problem war die Strasse. Sie führt mitten durch das Grundstück und verhindert eine sinnvolle Ausnutzung. Kurzerhand entschloss sich Jung, die Strasse – eine Gemeindestrasse 3. Klasse mit eingeschränktem Fahrrecht – zu verlegen, damit im Zentrum des Grundstücks Platz für einen Neubau entsteht. «Die Verlegung der Strasse wird uns zusätzliche 35000 Franken kosten», sagt der Bauherr. Doch nicht nur das: «Durch die Verlegung können wir den entstehenden freien Platz optimaler nutzen.» Daraus ergab sich die Lösung mit einem zentralen Neubau, in dem alle benötigten Räume, Stationen und Volieren bis zu den Büro- und Dienstzimmer untergebracht werden können.

Neuer Plan verursacht 1,6 Millionen Baukosten

Die neue Lösung kostet mehr. Marcel Jung spricht von 1,6 Millionen Franken, die der Papageien- und Büsihof aufbringen muss: «Die Finanzierung ist auf gutem Weg.» Am vergangenen Wochenende präsentierte der Bauherr in der Sägerei seine Pläne. Der zweigeschossige Zweckbau fügt sich demzufolge unter Einhaltung aller Grenz-, Strassen- und Bachabstände optimal in das Grundstück ein. «Die Lagerhallen links der Strasse werden rückgebaut, die Sägerei und das Wohnhaus bleiben so, wie sie sind», sagt Jung.

Es werde auch eine Anzahl Parkplätze für den Eigenbedarf angelegt. Im Neubau werden seine 200 Papageien neue Volieren vorfinden, ebenso wie die zahlreichen herrenlosen Katzen und Hunde neue Aufenthaltsräume. Jung: «Dann haben wir auch noch Reptilien, Schildkröten, Schlangen sowie Hühner und Gänse, für die wir Räume schaffen.» Leider könne beim Bau nur beschränkt Holz eingesetzt werden. Jung: «Es wird ausser dem Dach alles in Beton sein. Holz würde den Papageien nicht lange widerstehen. Ausserdem zieht das Futter Mäuse an, die immer einen Weg hinein finden. Und Mäuse sind das Letzte, was wir uns wünschen.»

Kanton steht dem Vorhaben positiv gegenüber

Im Neubau sind auch Empfangs-, Untersuchungs- und Arbeitsräume sowie ein Dienstzimmer vorgesehen. Jung: «Der Kanton, der dem Vorhaben übrigens positiv gegenübersteht, verlangt bei einem Tierheim dieser Grösse eine Nachtwache.» Zurzeit laufe das Baubewilligungsverfahren bei Gemeinde und Kanton, sagt der Bauherr: «Das dauert noch seine Zeit. Ich hoffe, dass wir noch dieses Jahr mit dem Bauen beginnen können. Ende 2018 könnte dann der Zügeltermin sein.»

Marcel Jungs Gnadenhof in Dicken platzt schon jetzt aus allen Nähten: «Was soll ich machen, fast täglich werden uns Tiere gebracht, wir weisen keines ab, irgendwie gibt es immer eine Lösung.» Zum Beispiel der junge Hund Nemo, der von seinen Besitzern im vergangenen Winter in Wil ausgesetzt wurde. Nemo habe mittlerweile weitervermittelt werden können, so Marcel Jung: «Aber es gibt immer auch Tiere, die bei uns bleiben, weil sie niemand will oder weil wir sie nicht weitergeben.» Papageien gehören zu letzteren – sie dürfen bis an ihr Lebensende bleiben. Der Papageien- und Büsihof bietet zurzeit zehn Arbeitsplatze, davon vier für Lehrlinge.