St.Peterzell
Kühe verstehen und deren Signale umsetzen: Wie der Stall von Michael Raschle «kuhgerecht» umgebaut wurde

Mehr Licht und neue Liegeboxen: Angehende Jungbauern haben das Gelernte aus dem Kurs «Kuhsignale verstehen» von Trainer Christian Manser in die Praxis umgesetzt. Davon ist nicht nur ein Bauer aus St.Peterzell begeistert.

Ramona Riedener
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Voller Elan und von den Kühen beobachtet packen die Lernenden an, um im Stall von Michael Raschle für mehr Tierwohl zu sorgen.

Voller Elan und von den Kühen beobachtet packen die Lernenden an, um im Stall von Michael Raschle für mehr Tierwohl zu sorgen.

Bild: Ramona Riedener

Normalerweise gehen die Jungbauern des Landwirtschaftlichen Zentrums des Kantons St.Gallen im dritten Lehrjahr auf «Schulreise» ins Ausland. Doch aus bekannten Gründen fiel die Reise, stets ein Highlight für die Lernenden, ins Wasser.

Unter der Leitung von Christian Manser, Fachperson für Rindvieh und Kuhsignal-Trainer, entstand als Alternative das Wahlfachangebot «Kuhsignale verstehen und in die Praxis umsetzen». Für das Projekt wurden Betriebe gesucht, die es den Jungbauern ermöglichen, die Viehställe «kuhgerecht» zu optimieren und das umzusetzen, was sie vorher im theoretischen Unterricht zum Thema «Kuhsignale verstehen» gelernt hatten.

Nachdem sich Michael Raschle aus St.Peterzell bereit erklärt hatte, beim Projekt mitzumachen, musste alles für den Umbau organisiert werden.

Betrieb stets gewachsen

Eine schmale Strasse führt hinauf zum Milchwirtschaftsbetrieb der Familie Raschle, oberhalb des Dorfes St.Peterzell. Der 30-jährige Michael Raschle hat den Betrieb 2018 von seinen Eltern übernommen, nachdem er vorher sieben Jahre angestellt war. Heute bewirtschaftete er den Hof mit rund 30 Milchkühen und einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von 35 Hektaren in der Bergzone 2 selbstständig.

Der Landwirt kann aber stets auf die Unterstützung seiner Mutter, der Geschwister und seines Onkels zählen. Noch bis 1991 führte nur eine Kiesstrasse hinauf zum Hüsli-Hof. Nachdem die Zufahrt gängiger gemacht wurde, ist der Betrieb der Familie Raschle stets gewachsen.

Vor dem Umbau waren die Durchgänge eng und bargen verschiedene Stolpersteine.

Vor dem Umbau waren die Durchgänge eng und bargen verschiedene Stolpersteine.

Bild: Ramona Riedener

Die Stalleinrichtung stammt noch aus den 1990er-Jahren. So kam es Michael Raschle nicht ungelegen, beim Projekt der Lehrlinge mitzumachen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sein jüngerer Bruder Simon zur Gruppe gehört. Der Bauer hatte bereits als Betriebsleiter bei Christian Manser einen «Kuhsignale»-Kurs gemacht und war überzeugter Verfechter dieser Theorie.

Lernen aus den Signalen der Tiere

Zur frühen Morgenstunde diskutieren die Lernenden am ersten Tag im Kuhstall von Michael Raschle angeregt darüber, was aus dem Verhalten der Tiere zu schliessen gab. Während einige der Kühe neugierig ihre Besucher beobachten, andere unbeeindruckt weiter «mampfen» oder noch eine Runde «relaxen», wurde die Liste mit den Verbesserungsvorschlägen immer länger. Später präsentierte die Gruppe in der Stube der Bauernfamilie ihre Beobachtungen und was sie daraus ableiten, um im Stall für mehr Tierwohl zu sorgen.

Projektleiter Christian Manser sortiert bei der Besprechung in der Stube die lange Liste der Verbesserungsvorschläge nach Prioritäten.

Projektleiter Christian Manser sortiert bei der Besprechung in der Stube die lange Liste der Verbesserungsvorschläge nach Prioritäten.

Bild: Ramona Riedener

Nachdem die angehenden Landwirte Bauer Michael Raschle von ihren Vorschlägen überzeugt hatten und man sich über die Prioritäten einig war, machte sich das siebenköpfige Team unter Gruppenchef Simon Raschle an die Arbeit, während sich die andere Gruppe auf den Weg zu einem anderen Umbauprojekt machte.

Nun war Action angesagt im Kuhstall und es zeigte sich, dass die angehenden Landwirte nicht nur von ihrem Fach etwas verstanden, sondern vielseitige handwerkliche Fähigkeiten hatten. Mit Begeisterung machten sie sich an die Arbeit. Während die Jungs mit Kompressor und Schlagbohrmaschinen einen Höllenlärm machten, Trennscheiben Funken sprühten, frassen die Kühe daneben seelenruhig weiter. Andere Tiere wiederum, neugierig wie sie waren, konnten nicht nahe genug ans Geschehen herangehen.

Viel Licht und Luft im neuen Stall

Am Freitagnachmittag präsentierten die angehenden Landwirte ihr Werk. Die Bauarbeiten verliefen pannen- und unfallfrei. «Es ist unglaublich, was die jungen Leute in nur drei Tagen geschafft haben», freut sich Michael Raschle.

Der Stall wirkt nach dem Umbau viel grösser und heller.

Der Stall wirkt nach dem Umbau viel grösser und heller.

Bild: Ramona Riedener

Der Kuhstall erstrahlt im neuen Glanz. Bereits die Reinigung der Wände und Decke macht ihn heller und freundlicher. Durch den Abbruch von Trennwänden wirkt der Raum übersichtlicher und die Kühe haben in ihren nigelnagelneuen Liegeboxen viel mehr Platz, um aufzustehen. Zwei neue Tränken, genau in der richtigen Höhe, spenden stets frisches Wasser. Ohne Gedränge im Gang erreichen die Tiere durch den Streifenvorhang den Ausgang in den Laufhof, wo eine neue elektrische Kratzbürste zur Verfügung steht.

Nicht nur die Lehrlinge hatten Freude an ihrem Werk, auch Bauer Michael Raschle war begeistert: «Ausser ein paar Kleinigkeiten hat alles tipptopp geklappt. Die Jungs haben hervorragende Arbeit geleistet. Der Umbau hat sich wirklich gelohnt.»