St. Galler Baudirektorin Susanne Hartmann zeigt sich im Toggenburg beeindruckt über die Wirtschaftlichkeit der Holzenergie

Regierungsrätin Susanne Hartmann hat drei Energiestädte im Kanton St. Gallen besucht. Die erste Station war das Holzenergiezentrum in Nesslau. Seit zehn Jahren versorgt dieses 120 Kunden im Dorf mit Wärme und leistet so einen grossen Beitrag an die Energieautarkie der Gemeinde.

Sabine Camedda
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Regierungsrätin Susanne Hartmann lässt sich von Urs Zwingli (rechts) und Köbi Rutz durch das Holzenergiezentrum in Nesslau führen.

Regierungsrätin Susanne Hartmann lässt sich von Urs Zwingli (rechts) und Köbi Rutz durch das Holzenergiezentrum in Nesslau führen.

Bild: Sabine Camedda (Nesslau, 29. Oktober 2020)

Hoher Besuch am Donnerstagmorgen im Holzenergiezentrum in Nesslau. Die kantonale Baudirektorin Susanne Hartmann hat auf einer Tour durch den Kanton St.Gallen Halt im Obertoggenburg gemacht und liess sich von Köbi Rutz und Urs Zwingli das Holzenergiezentrum Nesslau vorstellen.

Pioniere haben auf ihrem Weg viele Unterstützer gefunden

Köbi Rutz, der als Präsident der Genossenschaft Holzenergiezentrum Toggenburg vorsteht, erinnerte an die Anfänge vor über zehn Jahren. «Wir wollten etwas Sinnvolles, Gutes und Zukunftsträchtiges auf die Beine stellen», sagte er. Das scheint gelungen zu sein. Vor ziemlich genau zehn Jahren wurde der Holzschnitzelofen erstmals eingefeuert.

Urs Zwingli war damals bei der Planung federführend. Eine Anlage wie in Nesslau, die zugleich Wärme und Strom produziert, gab es damals schweizweit noch nirgends. Nicht ohne Stolz sagt er, dass die Anlage heute noch so läuft, wie sie geplant worden war.

«Das zeigt, dass wir unsere Sache damals gut gemacht haben.»

Beim Bau der Heizzentrale und des Fernwärmenetzes seien rund 70 Anschlüsse erstellt worden. Diese Zahl ist stetig gewachsen, heute zählt der Wärmeverbund 120 Abnehmer entlang des rund sechs Kilometer langen Netzes.

Planer und Bauherren haben voll auf Automation gesetzt

Das Holzenergiezentrum versorgt heute das ganze Dorf Nesslau mit Wärme und Strom. Dafür werden pro Jahr 25'000 Kubikmeter Holz benötigt. Es sei eine Besonderheit, dass es beim Holzenergiezentrum Nesslau sowohl ein Schnitzellager als auch ein Rundholzlager gebe, sagte Urs Zwingli. Diese Doppelgleisigkeit habe sich aber bewährt, denn das Holz könne je nach Zeit direkt beim Schlag oder später bei der Zentrale gehackt werden.

Ebenfalls zahlt sich aus, dass die Bauherren schon im Jahr 2010 voll auf Automation gesetzt haben. Sie hätten sich für ein Leitsystem entschieden, mit dem sie den Kunden eine optimale Wartung bieten können. «Heute ist ein solches System Bedingung, um Fördergelder zu bekommen,» sagt Köbi Rutz.

Holzenergiezentrum steht im Marktumfeld

Köbi Rutz und Urs Zwingli betonten, dass das Holzenergiezentrum wirtschaftlich betrieben werden kann. Diesen Aspekt müsse man auch im Auge behalten und nicht nur ans Energiesparen denken. «Wir stehen im Markt und darum muss auch der Preis konkurrenzfähig sein», sagte Urs Zwingli. Es sei ihnen gelungen, obwohl die Gesellschaft vor zehn Jahren noch fossilgläubig war. «Wir sind akzeptiert und haben immer wieder Anfragen von potenziellen Kunden.»

Mit ihrem Bedarf von rund 25'000 Kubikmeter Holzschnitzel im Jahr ist das Holzenergiezentrum ein starker Partner der Forstwirtschaft. Der Forst sei damals kritisch gewesen, weil nicht sicher war, ob es überhaupt genügend Holzschnitzel geben würde. Mittlerweile ist klar, dass es für alle Anlagen genügend Holz gibt. Es habe sich viel bewegt im Forst, so sei beispielsweise die Effizienz bei der Logistik gestiegen, war zu vernehmen.

Noch mehr erneuerbare Energie produzieren

Mit ihrem Besuch in drei Energiestädten – nebst Nesslau besuchte sie Mels und Altstätten – will Regierungsrätin Susanne Hartmann die Aufmerksamkeit auf die nach wie vor wichtigen Themen Energie und Klima lenken.

«Es wäre wünschenswert, die Affinität zu erneuerbarer Energie zu steigern.»

Aktuell steht das neue Energiekonzept 2021 bis 2030 im Fokus der Vorsteherin des Baudepartements.

Der Kantonsrat berät das neue Energiekonzept in der Novembersession. Der Ausbau erneuerbarer Energie ist ein Schwerpunkt des neuen Konzeptes. Bis zum Jahr 2030 sollen zusätzlich mindestens 1100 Gigawattstunden mit erneuerbaren Energien produziert werden.

Mehrere kantonale Massnahmen wie zum Beispiel Beiträge zur Nutzung von Abwärme mit Wärmenetzen oder der Ausbau der Solarstromproduktion auf grossen Flächen zielen auf die Gewinnung von erneuerbarer Energie. Die Projekte der drei Energiestädte leisten einen wichtigen Beitrag, damit der Kanton seine energie- und klimapolitischen Ziele erreichen kann.

Nesslau ist zu 60 Prozent energieautark

Patricia Egloff, Präsidentin von Energietal Toggenburg, war beim Besuch von Regierungsrätin Susanne Hartmann ebenfalls anwesend.

Das Holzenergiezentrum in Nesslau sei eine von mittlerweile 35 Fernwärmeanlagen im Energietal Toggenburg, die mit Holz betrieben werden. Dazu kommen weitere zwei Anlagen, die mit anderen erneuerbaren Energien laufen. Dass dank des Holzenergiezentrums Nesslau zu 60 Prozent energieautark ist, freut Patricia Egloff sehr.

Alle zwölf Gemeinden im Wahlkreis hätten sich dem Energietal Toggenburg angeschlossen und unterstützen dessen Bestrebungen. Sieben Gemeinden führen das Label «Energiestadt».