Starthilfe für findige Köpfe aus dem Toggenburg

Im Lichtensteiger Macherzentrum entsteht ein neues Angebot. Für alle mit guten Projekten.

Sascha Erni
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Das Zukunftsbüro soll in den Räumlichkeiten des Macherzentrums in Lichtensteig öffnen.

Das Zukunftsbüro soll in den Räumlichkeiten des Macherzentrums in Lichtensteig öffnen.

Bild: Sascha Erni

Eigentlich hätte das Zukunftsbüro in Lichtensteig bereits am 18.März an den Start gehen sollen. Auf Grund der Corona-Pandemie kam es nicht dazu. «Wir eröffnen, sobald es die Situation erlaubt», sagt Michel Ganouchi im Gespräch. Der Berater und Mitglied des Macherzentrums ist federführend bei der Lancierung des neuen Angebots, das in Zusammenarbeit mit dem Verein Ort für Macherinnen und Macher, dem Rathaus für Kultur und der Gemeindeverwaltung Lichtensteig entsteht.

Michel Ganouchi.

Michel Ganouchi. 

Bild: PD

Das Ziel: Menschen, die eine Idee für ein kulturelles, gesellschaftliches oder geschäftliches Projekt haben, sollen niederschwelligen Zugang zum Gesprächsaustausch erhalten. Quasi als Resonanzraum. «Das Zukunftsbüro darf nicht mit einem Consulting-Büro verwechselt werden», erklärt Ganouchi.

«Man muss nicht mit einem Konzept ankommen und läuft nicht mit fertigen Lösungen raus.»

Expertinnen und Experten für den Gedankenaustausch

Viel mehr sei der Ansatz, dass die Bevölkerung die Möglichkeit erhalte, Ideen mit Experten zu spiegeln und Probleme zu diskutieren, präzisiert der Lichtensteiger Stadtpräsident Mathias Müller. «Schon darüber zu reden, wie man beispielsweise als Unternehmer mehr öffentliche Aufmerksamkeit und dadurch Kunden gewinnen könnte, kann Gedanken auslösen.»

Bestehende Angebote seien dafür nicht niederschwellig genug. Das Zukunftsbüro ist laut Müller als vorgelagerte Triage-Stelle gedacht, bevor eine Idee konkret genug ist, dass man sich direkt an die Gemeindeverwaltung, das Macherzentrum oder das Rathaus für Kultur wenden kann.

Drei Spezialisten an jedem dritten Mittwoch

Es geht um den offenen Dialog und die Perspektive, die das Zukunftsbüro-Team den Interessenten bieten kann, erklärt Michel Ganouchi. Jeden dritten Mittwoch im Monat wird das Büro geöffnet sein, mindestens drei der freiwilligen Spezialisten sind dann vor Ort. Für kulturelle Belange wirken Maura Kressig und Sirkka Ammann vom Rathaus für Kultur, auf geschäftliche Ideen spezialisiert sind Michel Ganouchi und Matthias Hüberli, gesellschaftliche Aspekte decken Gemeinderat Roland Walther und Gemeindepräsident Mathias Müller ab.

Als Ort wählte das Team das Macherzentrum in Lichtensteig, das Angebot steht aber allen Toggenburgerinnen und Toggenburgern aus dem ganzen Tal offen. Und die Kosten? «Wir folgen dem Prinzip, dass jeder das zahlen soll, was ihm das Treffen wert war», sagt Michel Ganouchi. Wer das Gefühl hat, dass es reine Zeitverschwendung war, müsse gar nichts zahlen. «Wir alle beim Zukunftsbüro arbeiten ehrenamtlich.»

Eine Frage der Lebenshaltung

Das «Zukunftbureau Lichtensteig» ist das erste in der Region, aber nicht das erste oder letzte seiner Art. Es sind nun schweizweit vierzehn an der Zahl, auch im deutschen Leipzig konnte die Idee Fuss fassen. Bis Ende Jahr sollen 50 Zukunftsbüros entstehen.

Niki und Florian Wieser starteten die Bewegung 2019.

Niki und Florian Wieser starteten die Bewegung 2019.

Bild: PD

Begonnen hat die Bewegung 2019 in den Köpfen von Niki und Florian Wieser. Sie hätten nach Formaten gesucht, um Ideen und Visionen zu neuen Lebens- und Arbeitsformen in die Gesellschaft einzubringen, erzählen sie. Nach Vorlaufformaten in Savognin und Teufen entstand das erste Zukunftsbüro an ihrem Wohnort in Tuggen. Im September 2019 folgte der Aufruf an die Öffentlichkeit, ob jemand Lust hätte, sein eigenes Zukunftsbüro zu gründen. «Die Resonanz war überwältigend», erinnert sich Niki Wieser. In 48 Stunden seien über 130 Anfragen eingegangen.

Kurz darauf lancierte die Community das Konzept der «Zukunftbureaus» – als Bewegung, nicht als Produkt, wie Niki Wieser festhält. Dieser Punkt ist auch Michel Ganouchi wichtig, der die Wiesers schon seit langer Zeit kennt. Es ginge um Mindfulness, das bedeutet Achtsamkeit, und eine Lebenshaltung: «Wir konkurrieren nicht mit klassischen Consulting-Angeboten. Wir wollen etwas für die Region bewirken.»

Informationen über die Website www. zukunftbureau.org.

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