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Städtlibrand 1984: Als es in Lichtensteig lichterloh brannte

Am 28. Februar 1984 brannte es in Lichtensteig. 120 Feuerwehrleute, unterstützt durch eine Kompanie Infanteristen, bekämpften den Brand. Grosse Teile einer Häuserzeile an der Hauptgasse fielen den Flammen zum Opfer.
Michael Hehli
Das Feuer wurde um 9.45 Uhr entdeckt. Gegen Abend war es unter Kontrolle (Bild: Toggenburger Museum, Lichtensteig)

Das Feuer wurde um 9.45 Uhr entdeckt. Gegen Abend war es unter Kontrolle (Bild: Toggenburger Museum, Lichtensteig)

Angesichts des Brandes in der Notre Dame in Frankreich werden in Lichtensteig Erinnerungen an den «Städtlibrand» am 28. Februar 1984 wach, als grosse Teile einer Gebäudereihe an der Hauptgasse niederbrannten.

Hinweis

In einer früheren Version dieses Textes wurde fälschlicherweise der 28. April als Tag des Brandes angegeben.

Gemeldet wurde das Feuer um 9.45 Uhr durch die Kompanie 3 des Infanteriebataillons 71. Die Angehörigen der Armee sahen den Brand vom Schulhausplatz aus, wo sie im Rahmen ihres WK gerade eine Inspektion hatten. Als die Feuerwehr im Städtli eintraf, hatte sich der Brand schon ausgebreitet. Laut Rolf Geiger, damals einer der Einsatzleiter und Vizekommandant der Feuerwehr Lichtensteig, wurde schnell klar, dass der Brand für die lokale Feuerwehr allein zu gross war. Deshalb wurde Hilfe aus den umliegenden Orten angefordert. Schlussendlich standen rund 120 Feuerwehrleute im Einsatz.

Zur Bekämpfung des Städtlibrandes 1984 standen rund 120 Feuerwehrleute im Einsatz. Unterstützt wurden diese durch die Armee und zivile Helfer. (Bild: Toggenburger Museum, Lichtensteig)

Zur Bekämpfung des Städtlibrandes 1984 standen rund 120 Feuerwehrleute im Einsatz. Unterstützt wurden diese durch die Armee und zivile Helfer. (Bild: Toggenburger Museum, Lichtensteig)

Die «plündernde Soldateska» im Schmuckladen

Während sich das Feuer weiter ausbreitete, konnten alle Bewohnerinnen und Bewohner sicher evakuiert werden. Auch die Infanteriekompanie half mit. Im Juweliergeschäft Perret spielte sich derweil eine skurril anmutende Szene ab. «Der Toggenburger» schrieb dazu: «Eine Handvoll Soldaten stürmen, einer nach dem anderen, in das Uhrengeschäft, entreissen dort ganze Schubladen mit glitzerndem Inhalt dem Feuer und rennen damit durch das Städtchen, in den Tresorraum der Bank. Ein Passant mit überbordender Phantasie wundert sich über die ‹plündernde Soldateska›».

Der Brand war verheerend: Vier der aneinandergebauten Häuser wurden nahezu gänzlich zerstört. Der Schaden lag im Millionenbereich. Einen Lichtblick gab es jedoch: Ausser 17 Leichtverletzten gab es keine Opfer.

Brandschaden

Das Feuer richtete grossen Schaden an... (Bild: Der Toggenburger)

Die Brandursache konnte trotz Ermittlungen nie gefunden werden. Nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass Teile der brennenden Gebäude zur Brandlöschung niedergerissen werden mussten. Geiger sagt dazu: «Um die vier verbrannten Häuser ganz löschen zu können, musste man sie einreissen. Am Schluss wusste man nicht einmal mehr, welcher der herumliegenden Kamine zu welchem Haus gehört.»

Nach dem Brand wurde nachgebessert: Die damals betroffenen Häuser sind nun alle mittels Brandschutzmauern unterteilt. Dem Ortsbild zuliebe sind diese jedoch von aussen nicht sichtbar. Laut René Perret, Vizekommandanten der Feuerwehr Wattwil/Lichtensteig, ist dies für den Brandschutz allerdings nicht optimal. Eine solche Mauer müsste, um den besten Schutz bieten zu können, noch ungefähr einen halben Meter über die Liegenschaft hinausreichen.

Allgemein sei trotz Verbesserungen im Städtli nicht optimal für den Brandschutz gesorgt. Von der Westseite der Ortschaft wäre es im Ernstfall für die Feuerwehr praktisch unmöglich, auf Höhe der Dächer zu kommen: «Gibt es an der Westfassade ein Problem, kann man nur aus dem Kern des Städtli heraus angreifen.» Wäre ein Brand so gross, dass die Hitze die Bekämpfung aus dem Ortskern verunmöglichen würde, wäre der Schaden riesig. Perret fügt hinzu, dass im Kanton sogar heute Neubauten ohne eine Zufahrtsmöglichkeit für die Feuerwehr errichtet würden.

Die Zerstörungskraft des Feuers war immens. (Bild: Toggenburger Museum, Lichtensteig)

Die Zerstörungskraft des Feuers war immens. (Bild: Toggenburger Museum, Lichtensteig)

Die Solidarität in der Region war gross

Der Brand von 1984 zeigte Mängel im baulichen Brandschutz auf. Er zeigte aber auch, wie gross die Hilfsbereitschaft in der Region war. Geiger erinnert sich daran, dass alle sieben St.Galler Regierungsräte noch am selben Abend nach Lichtensteig gereist waren, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

«Der Toggenburger» schrieb, dass der Samariterverein sofort begonnen habe, Kleider Lebensmittel und andere Hilfsgüter für die Geschädigten zu sammeln. Es wurde auch ein Spendenkonto eröffnet. Die Fasnachtsgesellschaft Lichtensteig habe die Einnahmen aus ihren 1984er–Plaketten gespendet und bekannt gegeben, dass die Kinder im Ort sich entschieden hätten, auf die traditionelle Wurst– und Bürliverteilete zu verzichten und das gesparte Geld zu spenden.

Der Wiederaufbau wurde erheblich dadurch erleichtert, dass von den betroffenen Gebäuden zwischen 1970 und 1972 Sicherstellungsdokumentationen erstellt worden waren. Dies war eine Massnahme nach dem Beitritt der Schweiz zum Haager Abkommen zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten im Jahre 1962. Das 1954 in Den Haag verabschiedete Abkommen verpflichtet zum Schutz von Kulturgut auf eigenem und dem Gebiet der Vertragsstaaten.

Hinweis

Webseite des Toggenburger Museums in Lichtensteig: www.toggenburgermuseum.ch

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