Stadtbus
Kritik am Wiler Buskonzept hät an: Jetzt wird der Betrieb analysiert

Seit Dezember verkehren die Wiler Busse nach dem neuen, umstrittenen Konzept 2021. Die Kritik ist auch nach der Umsetzung nicht verstummt. Jetzt wird der Betrieb auf Begehren der parlamentarischen Bau- und Verkehrskommission überprüft.

Andrea Häusler
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Kreuzungsmanöver auf dem Wiler Weierdamm: Zuweilen müssen die Buschauffeure auf das Trottoir ausweichen.

Kreuzungsmanöver auf dem Wiler Weierdamm: Zuweilen müssen die Buschauffeure auf das Trottoir ausweichen.

Bild: PD

Gerade einmal dreieinhalb Monate sind seit der Einführung des neuen Buskonzepts vergangen. Und bereits jetzt wird dessen «betriebliches Funktionieren» analysiert mit dem Ziel, «im Rahmen der Möglichkeiten» allfällige Sofortmassnahmen umzusetzen. Die Anregung dazu kam von der Bau- und Verkehrskommission des Wiler Stadtparlaments (BVK). «Die BVK hat mit dem Departement Bau, Umwelt und Verkehr vereinbart, das Konzept unter Einbezug von Wil Mobil als Betreiberin der Stadtbuslinien zu überprüfen und Bericht zu erstatten», heisst es in der entsprechenden Mitteilung der Stadt.

Weshalb die schnelle Reaktion auf eine Neuerung, die sich noch in der Einführungsphase befindet? BVK-Kommissionspräsident Mark Flückiger sagt:

«Es haben sich – möglicherweise auch sicherheitsrelevante – Situationen ergeben, die neu zu beurteilen sind.»

Als Beispiel nennt er Gegebenheiten, wie sie am Hofberg bestehen: Hier müssen die Busse zuweilen zum Kreuzen auf das Trottoir ausweichen. «Es stellt sich die Frage, ob ein Aufeinandertreffen so grosser Fahrzeuge im Viertelstundentakt tatsächlich zielführend ist.» Auch an der Reuttistrasse gebe es – unter anderem – schwierige Kreuzungssituationen.

Proaktiv eine Flut von Interpellationen verhindern

Das Mitte Dezember eingeführte Buskonzept 2021 ist eine von mehreren Massnahmen, mit denen die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs in Wil erhöht werden soll - und der erste Umsetzungsschritt der öV-Strategie Wil 2030/35. Das Ziel: eine Verbesserung der Fahrplanstabilität und damit der Anschlusssicherheit am Bahnhof. Was sich zukunftsträchtig und benützerfreundlich liest, hatte bereits im Vorfeld zu hitzigen Diskussionen geführt und für rote Köpfe gesorgt. Die neue Streckenführungen der Linien 701, 702 sowie 703 mit Stichlinien statt Rundkursen waren genauso ein Thema, wie die Kritik an der Platzierung einzelner Haltestellen, allfälliger Lärmemissionen oder an den Fahrzeiten.

Marc Flückiger, Präsident der Bau- und Verkehrskommission des Wiler Stadtparlaments.

Marc Flückiger, Präsident der Bau- und Verkehrskommission des Wiler Stadtparlaments.

Bild: PD

Die Auffassung, dass der Opposition aus der Bevölkerung im Vorfeld zu wenig Beachtung geschenkt und das Buskonzept unausgegoren eingeführt worden ist, teilt Flückiger nicht. «Vieles wurde nochmals vertieft diskutiert, einiges auch angepasst.» Jedoch müsse bei einem derart grossen und komplexen Projekt irgendwann entschieden werden: «Jeden und jede zufriedenzustellen, ist ohnehin nie möglich», sagt Flückiger.

Mit der Analyse nach rund 100 Betriebstagen soll einerseits aufgezeigt werden, dass die Probleme erkannt und der Wille zu Optimierungen vorhanden ist. Anderseits wolle man mit dem proaktiven Vorgehen eine Flut von parlamentarischen Vorstössen zum Thema Bus vorbeugen, sagt Marc Flückiger. Dass ein von privater Seite in Auftrag gegebenes Gutachten den Entscheid der BVK beeinflusst hat, verneint er explizit. Jenes hatte eine andere Linienführung zum Inhalt. Stattdessen sagt Flückiger: «Zum Buskonzept haben wir intern seit Dezember/Januar immer wieder intensive Gespräche geführt.»

Ein Entwicklungsprozess

Flückiger betont abschliessend, dass der Stadtrat offen sei für nötige Anpassungen. Kleinere Optimierungen könnten auch relativ kurzfristig umgesetzt werden. Grössere Veränderungen, gibt er zu Bedenken, bedingten allerdings längere politische Prozesse. Entsprechend wichtig sei es, den Ist-Zustand rasch zu beurteilen, um allfällige Massnahmen zeitnah aufgleisen zu können.