Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Spurensuche auf dem verschneiten Baumwipfelpfad

Dass die Natur auch im Winter nicht schläft, zeigt ein Rundgang über den verschneiten Baumwipfelpfad Neckertal. Die Pflanzen und Tiere trotzen der Kälte und stecken voller Leben.
Urs M. Hemm
Wie aus einem verwunschenen Winterland entsprungen präsentiert sich der tief verschneite Baumwipfelpfad Neckertal. (Bild: Urs M. Hemm)

Wie aus einem verwunschenen Winterland entsprungen präsentiert sich der tief verschneite Baumwipfelpfad Neckertal. (Bild: Urs M. Hemm)

Die Stille im Steinwäldli ist beinahe greifbar. Die dicke Schneedecke scheint jedes Geräusch zu verschlucken − nur ab und zu ein leises Rascheln im Unterholz und sanfte Spuren im Schnee lassen Leben vermuten.

Regionalförster Christof Gantner hält inne, geniesst für einen kurzen Augenblick diese Ruhe. Für ihn hat der Winter keineswegs etwas mit Stillstand in der Natur zu tun. Ganz im Gegenteil. Gantner sagt:

«Der Wald, die Pflanzen stecken voller Leben, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint.»

Da der Haupttrieb fehlt, wird der Nebentrieb des Ahorns stärker wachsen. (Bild: Urs M. Hemm)

Da der Haupttrieb fehlt, wird der Nebentrieb des Ahorns stärker wachsen. (Bild: Urs M. Hemm)

«Im Sommer nehmen wir die Blätter und Früchte wahr. Aber die Knospen, welche die Bäume bereits im Herbst für das kommende Jahr bilden, übersehen wir gerne.» Er inspiziert die Knospe einer Ulme. Aber erst auf den zweiten Blick ist er sicher, dass es sich wirklich um eine Ulme handelt. «Die Artenbestimmung nur anhand der Knospen war schon während meiner Ausbildung anspruchsvoll», gibt Gantner zu. Denn die Ähnlichkeit sei zum Teil aussergewöhnlich.

Christof Gantner, Regionalförster der Waldregion Toggenburg 5, auf dem winterlichen Rundgang. (Bild: Urs M. Hemm)

Christof Gantner, Regionalförster der Waldregion Toggenburg 5, auf dem winterlichen Rundgang. (Bild: Urs M. Hemm)

Hinweise, um welchen Baum es sich handeln könnte, geben neben den Knospen die Triebe, welche wechselständig oder gegenständig wachsen, also einander gegenüber oder versetzt stehen. Ohne das Blattwerk ist auch das Wachstum eines Baumes besser zu erkennen. «In der Regel ist es der mittlere Trieb, der am stärksten wächst. Fehlt der aber, weil er abgebrochen wurde, wird der stärkere der zwei Nebentriebe dessen Aufgabe übernehmen und kräftiger wachsen», erläutert Christof Gantner. Klar zu erkennen sei, dass einige Baumarten die Warmwetterperiode des vergangenen Sommers für sich genutzt haben und teils stark gewachsen sind.

Eine Schneelast von mehreren Tonnen

Kräftiges Astwerk brauchen die Bäume, denn der nasse Schnee drückt sie mit einem unglaublichen Gewicht − je nach Grösse des Baumes können das mehrere Tonnen sein − nach unten. «Die Laubbäume haben es in der Beziehung zwar etwas leichter als die Nadelbäume, da diese viel mehr Schnee aushalten müssten.»

Dennoch sind auch Laubbaume vor so genanntem Schneebruch nicht gefeit, vor allem dann, wenn es sich um Jungbäume handelt. Christof Gantner deutet auf einen solchen Baum. Eigentlich ist es eine dünne Rute, die von der Schneelast zu Boden gedrückt wird. «Das Problem ist, dass die jungen Bäume nicht genügend Platz haben, eng stehen und dann ans Licht drängen. Sie schiessen daher zu schnell in die Höhe. Gleichzeitig bleibt der Stamm aber dünn, sodass die Jungbäume schneller unter der Schneelast abbrechen», sagt Gantner.

«Dort ruht sich der Fuchs aus»

Aus der Höhe des Baumwipfelpfades lassen sich auch zahlreiche Tierspuren im Schnee entdecken. «Rehe wird es hier oben kaum haben», vermutet Christof Gantner. Aber er könne verschiedene Vogelspuren und Fährten von Eichhörnen und Füchsen erkennen. «Spannend ist, von hier oben den Verlauf der Spuren zu verfolgen.» Oftmals endeten sie unter Nadelbäumen, wo die unter der Schneelast nach unten gedrückten Äste regelrechte Höhlen bilden.

Spur eines Fuchses im Schnee, entdeckt beim Baumwipfelpfad. (Bild: Urs M. Hemm)

Spur eines Fuchses im Schnee, entdeckt beim Baumwipfelpfad. (Bild: Urs M. Hemm)

«Dort ruhen sich Tiere wie der Fuchs aus. Denn durch den Schnee stapfen ist nicht nur für uns Menschen, sondern auch für Tiere mit kurzen Beinen sehr anstrengend», sagt Gantner. Dies vor allem zu einer Zeit, in der sie ihre Energie sehr gut einteilen müssten, weil das Futterangebot sehr begrenzt sei. Um diesen Mangel zu umgehen hat die Natur verschiedene Strategien entwickelt.

Unter einem Baum findet Christof Ganter eine Stelle, wo offenbar ein Tier etwas gesucht hat. «Ich vermute, dass hier ein Eichhörnchen im Herbst ein Lager mit Futter angelegt hat und es jetzt ausgraben wollte.» Andere Tiere, vor allem Vögel, sparen sich diese Mühe. Sie vertrauen auf das, was ihnen die Natur auch im Winter bietet. So wie beispielsweise der Gemeine Schneeball, der seine roten Früchte den ganzen Winter trägt. Aber auch hier gilt: Eine Hand wäscht die andere. Während die Beeren den Vögeln als Futter dienen, transportieren sie die Samen des Busches, und sorgen für dessen Vermehrung.

Hinweis

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, jeweils von 10 bis 16 Uhr. Weitere Informationen unter www.baumwipfelpfad.ch.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.