«Sport-verein-t»: Mit Bruno Schöb geht der «Vater» des Labels in Pension

Während 16 Jahren stand Bruno Schöb der IG St.Galler Sportverbände als Geschäftsleiter vor – im Mai tritt er in den Ruhestand und kann sich erstmals ausgiebig um sein neu erworbenes Maiensäss kümmern.

Beat Lanzendorfer
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Der «Heimweh-Gamser» Bruno Schöb, Geschäftsführer der IG St.Galler Sportverbände, auf der Sportanlage Lindenhof in Wil.

Der «Heimweh-Gamser» Bruno Schöb, Geschäftsführer der IG St.Galler Sportverbände, auf der Sportanlage Lindenhof in Wil.

Bild: Beat Lanzendorfer

Die anfänglich gehegte Skepsis schlug schnell in Aufbruchstimmung und Optimismus um. 2004 erklärte sich Bruno Schöb bereit, das Projekt «Sport-verein-t» zu entwickeln und ab 2005 auch die Geschäftsleitung der Interessengemeinschaft der St.Galler Sportverbände (IGSGSV) zu übernehmen. «Skepsis deshalb, weil ich als Leiter der Kirchberger Bauverwaltung ein geschätztes Umfeld verlassen musste», erklärt Bruno Schöb.

16 Jahre später blickt er auf eine Zeit zurück, die geprägt war von vielen Neuerungen und Änderungen, in der besonders das von ihm ins Leben gerufene Qualitätslabel «Sport-verein-t» in den Fokus rückt.

Dessen Weitergabe fühle sich fast ein wenig so an, als müsse er sein Kind ziehen lassen. Der bald 65-Jährige hat für die Zukunft aber genügend Pläne, sodass der Schmerz des Loslassens bald der Freude über die gewonnene Zeit weichen dürfte.

Er hat sich ein anderes Finale gewünscht

Die Frage, wie es ihm wenige Wochen vor seiner Pensionierung gehe, sei nicht einfach zu beantworten. Bruno Schöb: «Gesundheitlich geht es mir gut, was gerade in Zeiten der Coronakrise nicht selbstverständlich ist.» In Bezug auf den Abschied seines beruflichen Umfeldes gehe es ihm hingegen «durchzogen».

«Mir ist vieles in Zusammenhang mit den St.Galler Sportverbänden und -vereinen ans Herz gewachsen.» Er bedaure es, ausgerechnet jetzt in Pension zu gehen, denn ein persönlicher Abschied von Freunden und Mitarbeitenden sei kaum möglich.

«Natürlich hätte ich mir ein anderes Finale gewünscht. Das Wichtigste ist nun, dass wir uns alle solidarisch verhalten, auf einander achten und gesund aus dieser Situation herausgehen.»

«Ich hoffe, dass sich ein persönlicher Abschied irgendwann gebührend nachholen lässt.»

Auf seine Höhepunkte angesprochen, kommt er ins Grübeln. «Da gibt es viele, einzelne ‹Gipfel› herauszupicken ist schwer.» Die gelungene Neustrukturierung und Professionalisierung der IG-Geschäftsstelle, die Definition der Kooperation zwischen der IGSGSV und dem Kanton St.Gallen, die zahlreichen Verfahrens- und Beitragsoptimierungen zum «Sport-Toto/Swisslos»-Fonds für Sportvereinigungen und st.-gallische Sporttalente oder die Lancierung von «Sport-verein-t» seien aber schon erwähnenswert.

«Dass die Sportsonderausstellung an der Offa gestärkt und die IG-Sportgala als wichtigste Sport­lerehrung im Kanton St.Gallen positioniert werden konnte, erfüllt mich auch mit Stolz.» Unvergessen bleibe auch der Gewinn des ARGE-Alp-Hauptpreises mit «Sport-verein-t» in Bregenz. Natürlich freut ihn auch die Wertung des heutigen IGSGSV-Präsidenten Josef Dürr, welcher im aktuellen Geschäftsbericht schreibt: «Keiner hat die IG so geprägt wie Bruno Schöb.»

Die Kontakte bleiben am meisten haften

In seiner Amtszeit organisierte Bruno Schöb auch spezielle Festivitäten, die für schöne Begegnungen sorgten. Als Beispiele nennt er den Startanlass zu «Sport-verein-t» in Widnau, die 100. Labelübergabe von «Sport-verein-t» auf dem Säntis oder das Zehn-Jahr-Jubiläum desselben im Zirkus Stey in Gossau. Nicht vergessen möchte er das 75-Jahr-Jubiläum der IG St.Galler Sportverbände 2018 im Schloss Rapperswil.

Bruno Schöb, Geschäftsführer der IG St.Galler Sportverbände, in seinem Büro an der Toggenburgerstrasse 99 in Wil.

Bruno Schöb, Geschäftsführer der IG St.Galler Sportverbände, in seinem Büro an der Toggenburgerstrasse 99 in Wil.

Bild: Beat Lanzendorfer

«Aber eigentlich sind es die unzähligen Kontakte mit Verbands- und Vereinsverantwortlichen oder das Zusammenwirken innerhalb der IG, welche am meisten haften bleiben. Es war mir immer eine Ehre, als Geschäftsleiter der IG St.Galler Sportverbände in erster Linie dem Breitensport dienen zu können.»

Gibt es etwas, das er seinem Nachfolger Marco Peter mit auf den Weg geben möchte? «Neben einer Stärkung der Brückenfunktion zum öffentlich-rechtlichen Sport stand für mich immer die Unterstützung der sich für den Breitensport und das Gemeinwohl ehrenamtlich engagierenden Menschen im Zentrum.»

«Es würde mich freuen, wenn dieses Denken weiter gestärkt und verankert würde. Die auf freiwilliger Basis zum Wohl der Gesellschaft agierenden Sportvereinigungen benötigen und verdienen nachhaltige Hilfe.»

Teilrückzug auf sein Maiensäss

Der «Heimweh-Gamser» hat für die Zeit nach seiner Pensionierung konkrete Pläne. Der dreifache Vater, und seit kurzem auch dreifache Grossvater, konnte im letzten Jahr oberhalb von Werdenberg ein rund 100-jähriges Maiensäss erwerben. «Dieses benötigt nun einiges an Pflege, weshalb ich in nächster Zeit häufiger dort anzutreffen sein werde.»

Gleichzeitig soll das Maiensäss auf 1000 Meter Höhe jener Ort sein, an welchem Bruno Schöb die Distanz zum Alltag finden kann. «Der Blick von hier oben aufs Rheintal ist einmalig.» Der fixe Wohnort des Ehepaars Schöb bleibt aber Wil. Der Baldpensionär hofft auch, dass er sein soziales Netzwerk wieder stärken kann. «Leider haben die Begegnungen mit Freunden und Bekannten durch mein starkes berufliches Engagement etwas gelitten.»

Wieder mehr aufleben lassen dürfte er auch seine Verbindungen zum FC Kirchberg, wo er an der im Februar durchgeführten Hauptversammlung für 40 Jahre Mitgliedschaft geehrt wurde. Beim Toggenburger Fussballclub war er von 1989 bis 1997 Präsident. In seine Amtszeit fielen unter anderem die Feierlichkeiten «50 Jahre FC Kirchberg» sowie die Realisierung und Einweihung der Sportanlage Sonnmatt.

Berufliche und sportliche Engagements

Bruno Schöb wird am 12. Juni 65 Jahre alt. Aufgewachsen ist er in Gams. Als aktiver Fussballer spielte er neben dem FC Kirchberg beim FC Gams (3. Liga) sowie beim FC Mels (2. Liga).

Nach seinem Umzug im Mai 1979 von Bad Ragaz nach Kirchberg übernimmt er den Aufbau und die Leitung der Bauverwaltung der politischen Gemeinde Kirchberg.

Von 1989 bis 1997 war Bruno Schöb Präsident des Fussballclubs Kirchberg, von 1997 bis 2003 Präsident des St. Galler Kantonal-Fussballverband (und Vorstandsmitglied Ostschweizer Fussballverband) und seit 2001 Vorstandsmitglied der IG St. Galler Sportverbände.

Präsident der Projektgruppe/Kommission «Sport-verein-t» ist er seit 2004 und seit 2005 Geschäftsleiter der IG St. Galler Sportverbände. (bl)