Spitalstrategie ohne stationäres medizinisches Angebot ab 2024: Wattwiler Gemeinderat verlangt bei der vorberatenden Spitalkommission eine «Zusatzschlaufe»

Bereits vor Monaten hielt der Gemeinderat von Wattwil fest, dass der Vorschlag der Regierung für eine längerfristig verlässliche Sicherung der medizinischen Versorgung im Toggenburg viel zu vage sei. Nun doppelt er nach und gelangt mit einem Schreiben an die Mitglieder der vorberatenden Spitalkommission des Kantonsrats.

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Der Wattwiler Gemeinderat kämpft für den Erhalt einer stationären Abteilung im Spital Wattwil.

Der Wattwiler Gemeinderat kämpft für den Erhalt einer stationären Abteilung im Spital Wattwil.

Bild: Mareycke Frehner

(pd/sas) Die Toggenburger Bevölkerung sorgt sich um die Qualität und Leistungsfähigkeit der künftigen medizinischen Versorgung in der Region. Mit Blick auf den öffentlichen Versorgungsauftrag und die besonderen Verhältnisse im Tal sei der Gemeinderat Wattwil mit einem Schreiben an die Mitglieder der vorberatenden Spitalkommission gelangt.

Er habe sie «mindestens» um eine «Zusatzschlaufe» für den Spitalstandort Wattwil gebeten, um eine für die Region solide Lösung auszuarbeiten, schreibt der Gemeinderat in einer Medienmitteilung. Eine Zusatzschlaufe hat die Regierung bereits für den Spitalstandort Walenstadt vorgesehen.

Versorgung für die Region sicherstellen

Gemäss der von der St.Galler Regierung vorgestellten Spitalvorlage gäbe es in Wattwil ab 2024 kein stationäres medizinisches Angebot mehr. Dem Toggenburg droht ein Versorgungsnotstand. Dazu gäbe es eine nachhaltige Alternative.

Die nachhaltige Alternative umschreibt der Rat als Private-Public-Partnerschaft. Bereits vor einem Jahr hat der Gemeinderat Wattwil der Regierung anerkannte etablierte private Leistungserbringer als Partner präsentiert. Diese seien bereit, die medizinische Versorgung der Region zu sichern, schreibt der Gemeinderat Wattwil.

Der Wattwiler Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner.

Der Wattwiler Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner.

Bild: Benjamin Manser

Die damals eingebrachte Lösung steht gemäss der Botschaft, welche die Regierung Ende Februar 2020 präsentiert hat, nicht mehr zur Diskussion. Die Partner stehen jedoch weiterhin für eine alternative Lösung in Kooperation mit dem Kanton zur Verfügung, erklärt der Wattwiler Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner.

Diese Lösung wäre auf die Bedürfnisse vor Ort, auf Stärken und Kompetenzen ausgerichtet. Sie würde die medizinische Versorgung aus der Region für die Region sicherstellen.

Medizinischer Versorgungsnotstand ohne stationäres Angebot

Wie bereits der Toggenburger Ärzteverein befürchtet auch der Wattwiler Gemeinderat einen medizinischen Versorgungsnotstand, falls in der Region kein stationäres Angebot an Innerer und Altersmedizin bestehe.

«Zum Nähen einer Wunde am Knöchel mit dem Krankenwagen von Wattwil nach Wil und retour, weil im Spital Wattwil keine Ärztin und kein Arzt verfügbar ist, die das machen könnte: Das ist seit kurzem Alltag», erläutert Alois Gunzenreiner die Sorge des Gemeinderats.

«Und es ist zu befürchten, dass mit einem Gesundheits- und Notfallzentrum die Situation noch bedenklicher würde.»

Sowohl für den Wattwiler Gemeinderat als auch für den Toggenburger Ärzteverein ist klar, dass die Schliessung des Spitals, der akute Mangel an Hausärzten und die Weitläufigkeit des Tals ohne schnelle Hauptverkehrsachse sich gegenseitig verstärken würden.

An dieser Gefahr würde ein Pflegezentrum nichts ändern, ergänzt Alois Gunzenreiner. «Grund- und Notfallversorgung im Tal liessen sich nicht mehr sicherstellen. Pflege ist keine Medizin. Und ‹ambulant vor stationär› gilt zunehmend auch in der Pflege. Es besteht auf längere Sicht kein Bedarf nach einem zusätzlichen Pflegeangebot.»

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