Spitalschliessung Wattwil: Die Befürworter nehmen den Entscheid des Kantonsrats «konsterniert zur Kenntnis»

Für Region, Ärzteverein, Gemeinde und Förderverein ist der Entscheid des Kantonsrats «völlig unverständlich». Nach den gemachten Versprechungen müsse die Regierung wieder Vertrauen in der Bevölkerung schaffen.

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«Wir sind konsterniert»: Das Spital Wattwil soll geschlossen werden.

«Wir sind konsterniert»: Das Spital Wattwil soll geschlossen werden.

Bild: Urs M. Hemm (27.02.2020)

(pd/fin) «Der Entscheid des Kantonsrats, das bereits für 60 Millionen Franken erneuerte Spital Wattwil ganz zu schliessen und keine stationäre Alternative zuzulassen, ist für uns völlig unverständlich», schreibt der Wattwiler Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner.

In einem gemeinsam mit der Region Toggenburg, dem Toggenburger Ärzteverein und dem Förderverein Regionalspital Toggenburg Wattwil (Pro Spital) verfassten Communiqué nimmt die Gemeinde den Entscheid des St.Galler Kantonsrats, das Spital Wattwil zu schliessen, «konsterniert zur Kenntnis».

Vertrauen durch Taten wiederherstellen

«Wir haben zu den Plänen für Wattwil mehrere bemerkenswerte Versprechen und Aussagen gehört», stellt Uwe Hauswirth, Präsident des Toggenburger Ärztevereins, fest:

Mit dem Gesundheits- und Notfallzentrum (GNZ) – es wird das Spital Wattwil ersetzen – werde die ambulante Versorgung besser als im heutigen Einspartenspital. Auch die Notfallversorgung sei sicher, so die Versprechen. Das Vertrauen in der Bevölkerung aber sei durch den Spitalschliessungsprozess arg in Mitleidenschaft gezogen worden.

Hauswirth und Gemeindepräsident Gunzenrainer rufen Regierung und Kantonsrat dazu auf, jetzt durch entsprechende Taten wieder Vertrauen in der Bevölkerung zu schaffen.

Grundversorgungsinitiative weiterhin nötig.

Für Norbert Stieger, Vizepräsident des Fördervereins (Pro Spital), ist klar, dass die Grundversorgungsinitiative auch weiterhin nötig ist: «Der Kantonsratsbeschluss hält explizit fest, dass die Spitäler nicht abgebaut werden dürfen, bevor die GNZ in Betrieb sind».

Der Spital-Verwaltungsrat habe in den letzten Jahren wiederholt Fakten geschaffen und das Angeot am Spital Wattwil empfindlich ausgehöhlt. Allein schon, um eine weitere Aushöhlung zu verhindern, müsse die Initiative weiterhin unterstützt werden.

Ferner verweist Stieger auf den volkswirtschaftlichen Schaden: Die Pläne bedeuteten vor Ort keinen effektiven Zuwachs, sondern hätten weitere Umnutzungen und Umzüge zur Folge – etwa für das psychiatrische Ambulatorium, das bereits in Wattwil besteht.