Spitaldebatte und Corona-Virus: Wattwils Vorversammlung stand im Zeichen der Gesundheit

Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner legte an der Wattwiler Vorversammlung dar, wieso er mit dem Stand in der Spitaldebatte unzufrieden ist. Das Thema Gesundheit nahm nicht nur deshalb einen grossen Teil des Abends ein.

Ruben Schönenberger
Hören
Drucken
Teilen
Die Vorversammlung der Gemeinde Wattwil am 11. März stand im Zeichen der Gesundheit. Wegen der Spitaldiskussion und wegen des Corona-Virus.

Die Vorversammlung der Gemeinde Wattwil am 11. März stand im Zeichen der Gesundheit. Wegen der Spitaldiskussion und wegen des Corona-Virus.

Bild: Ruben Schönennberger

Das Thema Gesundheit dominierte am Mittwochabend im «Thurpark». Zum einen natürlich wegen des Corona-Virus: Wie an so vielen Orten fanden auch an der Vorversammlung der Gemeinde Wattwil und der Schulgemeinde Wattwil-Krinau Eingangskontrollen statt, alle Anwesenden mussten sich in eine Liste eintragen. Abgehalten werden konnte die Versammlung jedoch, im Gegenteil zu jener in Hemberg.

Zum anderen dominierte das Thema Gesundheit aber auch den Abend, weil Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner den aktuellen Stand in der Spitaldebatte zusammenfasste. «Das war das intensivste Thema des Jahres», sagte er und rekapitulierte die Ereignisse seit Frühsommer 2018, als der Verwaltungsrat der Spitalverbunde in seinem Grobkonzept die Schliessung des Spitals Wattwil aufs Tapet brachte.

Alois Gunzenreiner, Wattwiler Gemeindepräsident.

Alois Gunzenreiner, Wattwiler Gemeindepräsident.

Bild: Benjamin Manser

Gunzenreiner zeigte sich wie schon in der Vergangenheit einerseits unzufrieden mit dem Vorgehen der Regierung. So habe diese zum Beispiel noch während der Vernehmlassung die Gemeinde dazu eingeladen, eine andere Institution zu besuchen, nach deren Vorbild in Wattwil eine Art Nachfolgelösung für das Spital errichtet werden könne. Der Wattwiler Gemeindepräsident sagte:

«Das geht gegen jegliche demokratischen Spielregeln.»

Mittlerweile wisse man, dass es der Regierung nur darum ging, die Gemeinde möglichst in den damals schon bereit liegenden Plan zu involvieren.

Grundversorgung in Gefahr

Andererseits äusserte Gunzenreiner erneut deutlich, weshalb auch die jetzige Lösung für den Standort Wattwil keine adäquate Lösung sei. Für ein Spital in Wattwil sprächen sowohl die Lage als auch die bereits getätigten Investitionen und erst recht die Grundversorgung, die in Gefahr sei.

Das von der Regierung angedachte Modell mit der Solviva AG, werde als mehr als ein Pflegeheim verkauft, in Tat und Wahrheit sei es aber eine Konkurrenz zu den bestehenden Angeboten, beispielsweise im Alters- und Pflegeheim Risi. Dort gebe es nämlich eine Abteilung für Demenz. Das am Spital Wattwil vorgesehene Projekt operiere mit dem Begriff «Hochdemenz», den aber keiner der ihm bekannten Experten überhaupt kennen würde. «Es ist zwar nett, dass man versucht hat, eine Lösung zu finden. Ganz kleine Elemente wurden gar übernommen. Aber ein medizinisches Angebot hätten wir nicht mehr», resümiert Gunzenreiner.

Sportanlage Rietwis wird gebaut

Es gab für den Wattwiler Gemeindepräsidenten aber auch Erfreulicheres zu berichten. Beim Campus Wattwil steht dank der gewonnenen kantonalen Volksabstimmung nun der Baubeginn für die Sportanlage im Rietwis-Areal noch in diesem Jahr an. Weitere Projekte sind aufgegleist, weshalb Gunzenreiner sagte:

«Wattwil verändert sich.»

Das sei wichtig, weil man daran den Zukunftsglauben der Zentrumsgemeinde erkennen könne.

2,7 Millionen Franken Gewinn und Steuerfusssenkung

Auch finanziell war es für Wattwil ein gutes Jahr. Die Rechnung schliesst mit einem Überschuss von rund 2,7 Millionen Franken. Diese werden zu je einem Drittel für Vorfinanzierungen verwendet: Zum einen für die Umgestaltung der Bahnhof- und Poststrasse, die wegen einer Einsprache vermutlich erst im kommenden Jahr an die Hand genommen werden kann; zum anderen für das kombinierte Bistro-/Kiosk-Gebäude, das bei der Badi entstehen soll; zum dritten für den Gemeindesaal.

Ermöglicht wurde das gute Ergebnis unter anderem durch einen Rekordertrag bei den Steuereinnahmen der juristischen Personen. Hier nahm die Gemeinde fast zwei Millionen Franken ein. Auch die Nachzahlungen lagen deutlich über Budget. Das gute Ergebnis führt auch dazu, dass der Gemeinderat erneut eine Steuersenkung beantragen will. Drei Prozentpunkte weniger sollen die Steuern noch betragen, der Steuerfuss läge dann bei 132 Prozent.

Schulgemeinde hatte tieferen Finanzbedarf

Norbert Stieger, Schulratspräsident Wattwil-Krinau.

Norbert Stieger, Schulratspräsident Wattwil-Krinau.

Bild: Urs M. Hemm

Zum guten Ergebnis der Gemeinde beigetragen hat auch der Minderbedarf der Schulgemeinde Wattwil-Krinau. Schulratspräsident Norbert Stieger durfte an der Vorversammlung eine Besserstellung gegenüber dem Budget von fast 700'000 Franken verkünden.

Diese ist zu einem grossen Teil darauf zurückzuführen, dass in der Oberstufe Aufwände tiefer ausfielen als budgetiert. Dies zum Beispiel deshalb, weil eine budgetierte Klasse nach Vorliegen der Zuweisungszahlen doch nicht eröffnet werden musste. Dass diese Zahlen jeweils erst spät bekannt sind, würden die Budgetierung erschweren, sagte Stieger.

Tiefe Kosten pro Schüler

Für das Jahr 2020 rechnet der Schulratspräsident mit Aufwänden von rund 19,1 Millionen Franken und einem Finanzbedarf von rund 17,3 Millionen Franken. Die Kosten pro Schüler seien in der Schulgemeinde Wattwil-Krinau mit rund 16'500 Franken deutlich tiefer als im Kanton mit rund 18'200 Franken.

Im laufenden Jahr stehen sowohl bei der Schule als auch in der Gemeinde einige Investitionen an. Der grösste Brocken für die Schulgemeinde dürfte die Sanierung der Schulanlage Risi sein. Dies insbesondere, weil die Schülerinnen und Schüler während den Arbeiten in die anderen Schulhäuser verteilt werden, was zusätzliche Verschiebungen zur Folge hat. Noch ist nicht ganz sicher, wann die Bauarbeiten beginnen können. Unter anderem muss noch eine Einsprache geklärt werden. Im Idealfall ist das bereits diesen Sommer der Fall, die Fertigstellung wäre dann im nächsten Frühling zu erwarten.

Wattwil investiert netto 48 Millionen Franken

In der Investitionsrechnung der politischen Gemeinde tauchen ebenfalls verschiedene grössere Posten auf. So sind rund 24,5 Millionen Franken für die Sportanlage Rietwis eingestellt, 3,4 Millionen für die Beckensanierung im Schwimmbad oder 7,7 Millionen Franken für die Umgestaltung der Bahnhof- und Poststrasse. Auch Gewässerverbauungen schlagen mit 12,7 Millionen Franken ordentlich zu Buche, wobei hier ebenso fast 10 Millionen Franken Einnahmen erwartet werden, unter anderem durch Bundesbeiträge.

Insgesamt betragen die Nettoinvestitionen fast 48 Millionen Franken. Dadurch nimmt auch das Vermögen der Gemeinde ab, aber man habe «eine gesunde Bilanz», wie Gunzenreiner abschliessend feststellte.

Die Bürgerversammlungen der Gemeinde Wattwil und der Schulgemeinde Wattwil-Krinau finden am 18. März, 20 Uhr, in der katholischen Kirche in Wattwil statt.

Mehr zum Thema