Vier Kantonsräte suchen nach einer langfristigen Lösung für das Spital Wattwil

Die vier Toggenburger Kantonsräte Karl Brändle (CVP), Kilian Looser (FDP), Mathias Müller (CVP) und Christian Spoerlé (SVP) denken über Möglichkeiten für den Erhalt des Spitals in Wattwil nach. Als Input für die Politik, die beim Thema jetzt am Zug ist.

Sabine Camedda
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Die vier Kantonsräte Kilian Looser (FDP), Christian Spoerlé (SVP), Mathias Müller (CVP) und Karl Brändle (CVP) besprechen eine langfristige Lösung für das Spital Wattwil (von links).

Die vier Kantonsräte Kilian Looser (FDP), Christian Spoerlé (SVP), Mathias Müller (CVP) und Karl Brändle (CVP) besprechen eine langfristige Lösung für das Spital Wattwil (von links).

Bild: Sabine Camedda

Die Zukunft des Spitals Wattwil ist aktuell das grosse Thema, nicht nur bei den Kantonsräten, sondern auch in der Bevölkerung. So wie jetzt könne es nicht weitergehen. Diese Meinung haben nicht nur der Verwaltungsrat der St.Galler Spitäler und die Regierung, sondern auch die vier Toggenburger Kantonsräte Karl Brändle (CVP), Christian Spoerlé (SVP), Mathias Müller (CVP) und Kilian Looser (FDP).

Sie möchten die Schliessung aber auf jeden Fall verhindern. Damit wäre niemandem gedient. Viel mehr hätte man jetzt die Chance, das Spital weiter zu entwickeln, denn die Infrastruktur sei top-modern, sagt Kilian Looser.

«Es gibt alternative Lösungen», ist Karl Brändle überzeugt. Gemeinsam mit seinem Ratskollegen Christian Spoerlé hat er das Spital in Grenchen besucht, ein ehemaliges Kantonsspital im Kanton Solothurn. Dort wurde ein privater Anbieter ins Boot geholt und gemeinsam mit diesem wurde ein Gesundheitszentrum aufgebaut.

Ambulante und stationäre Grundversorgung erhalten

«Wir könnten uns ein ähnliches System für Wattwil gut vorstellen», sagt Christian Spoerlé. Hochspezialisierte Pflegeplätze beispielsweise würden für eine gute Auslastung der Betten sorgen. «Das hätte zudem den Vorteil, dass zumindest ein Teil der Arbeitsplätze erhalten werden könnte. Gut ausgebildetes Pflegepersonal und auch gewisses medizinisches Personal würde es nach wie vor brauchen. Unter Umständen müssten die Fachkräfte spezifisch weitergebildet werden», sagt Mathias Müller.

«Aber», betont Kilian Looser, «es braucht nach wie vor eine ambulante und stationäre Grund- und Notfallversorgung als Herzstück des Spitals Wattwil.» Dies soll zum einen die medizinische Versorgung der Toggenburger Bevölkerung sicherstellen. Zum zweiten seien auch die in der Region niedergelassenen Fach- und Hausärzte auf ein naheliegendes Spital angewiesen. Zum dritten sei ein solches Angebot für die Ausbildung von Ärzten unabdingbar), sind die vier Kantonsräte überzeugt.

Es braucht weiterhin Spitalbetten

Ein Gesundheits- und Notfallzentrum, wie es von der Regierung für Wattwil vorgeschlagen wird, geht den vier Kantonsräten Karl Brändle, Mathias Müller, Kilian Looser und Christian Spoerlé zu wenig weit. Es brauche in der Region unbedingt einige Spitalbetten, um stationäre Fälle zu behandeln. Die Kantonsräte sind sich aber bewusst, dass komplexere Fälle nicht in einem Landspital behandelt werden können.

Stattdessen könnte Wattwil durch eine Spezialisierung zu einem Kompetenzzentrum werden, dies vielleicht sogar schweizweit. Die Orte Nottwil, Zihlschlacht und Wetzikon seien zum Beispiel vielen Menschen mit einer medizinischen Spezialisierung des Spitals bekannt, erklärt Mathias Müller. «Es wäre eine grosse Chance für die Region», sagt er.

«Der Bedarf an langfristigen Pflegebetten und an vorübergehenden Betten für die Spezialpflege in der Schweiz ist ausgewiesen», sagt Karl Brändle. Doch die vier Kantonsräte würden nicht ausschliesslich auf ein einzelnes Fachgebiet setzen, sondern auf mehrere Sparten setzen. «Bereits heute ist Wattwil bekannt für die Alkoholkurzzeittherapien. Dies könnte sicher fortgeführt werden», glaubt Kilian Looser. Karl Brändle sagt, dass die Zukunft des Spitals Wattwil auf diese Weise langfristig gesichert werden könnte.

Vorschlag soll in die vorberatende Kommission getragen werden

Eine langfristige Lösung ist es, was die vier Kantonsräte für das Spital Wattwil anstreben. Es sei nicht zielführend, wenn das Spital in der heutigen Form auf Biegen und Brechen erhalten werde, aber in wenigen Jahren die Diskussion wieder entflamme. Daher setzen sie sich für ein Konzept für das Spital Wattwil ein, das über mehrere Jahrzehnte funktionieren soll.

Mathias Müller fungiert quasi als Botschafter der vier Toggenburger Kantonsräte. Er ist Mitglied in der vorberatenden Kommission, welche die Botschaft der Regierung zuhanden des Kantonsrats vorbespricht. «Wir handeln die Gesundheitsversorgung aus, wie sie künftig im Kanton St.Gallen aussehen soll», erklärt Mathias Müller.

Hausärzte sollen einbezogen werden

Ob sich dieses Konzept ebenfalls für andere Landspitäler eignen würde, lässt Kilian Looser noch offen. Für ihn ist klar, dass die Spitäler sowohl eine ambulante und stationäre Grund- und Notfallversorgung anbieten als auch eine fachliche Spezifikation. «Es ist auch wichtig, dass die Hausärzte in der jeweiligen Region einbezogen werden», ist Kilian Looser überzeugt.

Für Karl Brändle ist es wichtig, dass es einen Fokus im derzeit stattfindenden politischen Prozess gibt und dass von allen Seiten der Wille gezeigt wird, eine gute Lösung für die Landspitäler zu finden. «Wir müssen jetzt nach vorne schauen und nicht überlegen, wer was falsch gemacht hat», sagt Christian Spoerlé. «Wir wollen das Spital Wattwil erhalten, aber auf jeden Fall so, dass man nicht mehr weiter diskutieren muss.»

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Beim Joint Medical Master, der in St.Gallen angeboten wird, muss ein Teil der praktischen Ausbildung in einem Landspital absolviert werden. Nicht zuletzt darum setzen sich die vier Kantonsräte Karl Brändle (CVP), Kilian Looser (FDP), Mathias Müller (CVP) und Christian Spoerlé (SVP) für das Spital Wattwil ein.
Sabine Camedda