Spitäler haben es im Wahlkreis Wil schwerer als im Wahlkreis Toggenburg

Eine Umfrage zeigt: Kandidierende im Wahlkreis Wil stehen Spitalschliessungen positiver gegenüber als im Wahlkreis Toggenburg.

Ruben Schönenberger
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Toggenburger Kandidierende sind eher gegen die Umwandlung von Spitälern – wie hier Wattwil – als die Kandidierenden im Wahlkreis Wil.

Toggenburger Kandidierende sind eher gegen die Umwandlung von Spitälern – wie hier Wattwil – als die Kandidierenden im Wahlkreis Wil.

Bild: Urs M. Hemm

Die Zukunft mehrerer Spitäler im Kanton St.Gallen ist ungewiss. Die Regierung will fünf der neun Häuser schliessen, darunter auch Wattwil und Flawil.

Der Ball in der Frage liegt nun beim Kantonsrat. Zwar wird dieser noch in alter Besetzung die Behandlung der neuen Spitalstrategie aufnehmen, kommt es jedoch zur Rückweisung der Vorlage oder zur Rückweisung einzelner Artikel, fände die Behandlung in der im Mai zu Ende gehenden Legislatur keinen Abschluss mehr. Das Gesicht des Kantonsrats könnte in der neuen Legislatur ein anderes sein.

Kandidierende stehen hinter der Regierung

Eine Auswertung der Umfrage der Plattform Vimentis zeigt, dass die grundsätzliche Stossrichtung der Regierung unter den Kandidierenden deutliche Mehrheiten findet. Die Umwandlung der fünf Spitäler in sogenannte Gesundheits- und Notfallzentren (GNZ) – neben Wattwil und Flawil droht auch Altstätten, Walenstadt und Rorschach dieses Szenario – wird nur von den Kandidierenden dreier Parteien in der Mehrheit abgelehnt. Bei der SP sind es von kantonsweit 117 Kandidierenden, die an der Umfrage teilgenommen haben, gerade mal zwölf, die diesen Schritt befürworten. Ebenfalls mehrheitlich ablehnend stehen der Umwandlung Kandidierende der Grünen und der EDU gegenüber.

Diese Kandidierenden stehen ganz links oder ganz rechts

Das Wahltool von Vimentis generiert nach dem Ausfüllen des Fragebogens – ob Kandidat oder Wähler – einen Spider. Auf dieser Spinnennetzgrafik wird der Umfrageteilnehmer in insgesamt acht Dimensionen verortet. Dazu gehört beispielsweise die Finanzpolitik oder der Umweltschutz. Davon ausgehend hat Vimentis für diese Zeitung die jeweils linksten und rechtesten Kandidierenden eruiert. Es zeigt sich ein wenig überraschendes Bild: Rechts steht die SVP, links die SP. Lediglich Andreas Widmer als drittrechtester Kandidat im Wahlkreis Wil gehört als FDPler nicht diesen beiden Parteien an.

Sowohl auf der linken als auch auf der rechten Seite sind Bisherige zu finden. Teilgenommen haben im Wahlkreis Wil 100 der 171 Kandidierenden (58,48 Prozent). Im Wahlkreis Toggenburg waren es 59 von 93 Kandidierenden (63,44 Prozent).

Die rechtesten Politiker im Wahlkreis Toggenburg

  1. Wendel Eberhard, SVP
  2. Thomas Bösch, SVP
  3. Mirco Gerig, SVP

Die linksten Politikerinnen und Politiker im Wahlkreis Toggenburg

  1. Joel Müller, SP
  2. Natascha Wetter, SP
  3. Lena Eberhard, SP

Die rechtesten Politiker im Wahlkreis Wil:

  1. Karl Schweizer, SVP
  2. Marco Baumann, SVP
  3. Andreas Widmer, FDP

Die linksten Politikerinnen und Politiker im Wahlkreis Wil:

  1. Timo Räbsamen, SP
  2. Anna Miotto, SP
  3. Dario Sulzer, SP

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch, wenn man nur den Wahlkreis Wil beobachtet. Bei den gleichen drei Parteien findet das Vorhaben der Regierung keine Mehrheit. Bei CVP und GLP beträgt die Zustimmung indes gar 80 beziehungsweise 90 Prozent, wobei die Zahlen gerade bei den Grünliberalen mit Vorsicht zu werten sind, weil nur zehn Kandidierende an der Umfrage teilgenommen haben. Insgesamt sind im Wahlkreis 56 Prozent der Kandidierenden für die Pläne der Regierung oder zumindest eher dafür.

Im Toggenburg ist die Ablehnung gross

Auffallend ist, dass sich das Bild im Wahlkreis Toggenburg ganz anders präsentiert. Nur 36 Prozent aller Kandidierenden, die an der Umfrage teilgenommen haben, sind für oder eher für die Umwandlung in GNZ. Nur bei der CVP und den Jungfreisinnigen kommt das Vorhaben der Regierung in der Mehrheit gut an. Auch hier sind die Gesamtzahlen der Umfrageteilnehmer aber relativ gering.

Für den Wahlkreis Wil bietet sich zudem ein Blick auf die Antworten der Kandidierenden zur Frage nach der Befürwortung eines Verkaufs des Spitals Flawil an. Hier äussern sich nur noch 33 Prozent aller Kandidierenden zustimmend. Bloss die FDP-Kandidierenden stehen in dieser Frage in der Mehrheit hinter der Regierung (die EDU wird ausgeklammert, weil sie mit ihrer Ein-Frau-Liste nicht genügend Daten ergibt).

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