Kolumne

Speerspitz: Was uns vom Jahr 2020 bleibt

Wir Menschen neigen dazu, Jubiläen zu begehen: 50 Jahre dies, 10 Jahre das. Werden wir im Jahr 2070 der Coronapandemie gedenken? Redaktorin Sabine Camedda hat eine andere Idee.

Sabine Camedda
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Sabine Camedda, Redaktorin.

Sabine Camedda, Redaktorin.

Bild: Urs Jaudas

Das Jahr 2020 war ein Jahr wie jedes andere. Zumindest, was das Erinnerungsvermögen von uns Menschen angeht. Wie in den Jahren zuvor gedenken wir wichtiger vergangener Ereignisse – bevorzugt solcher, die sich um eine runde oder halbrunde Zahl jähren.

Halbrund, wie beispielsweise das Ende des Zweiten Weltkriegs. Im September 1945, also vor 75 Jahren, war es, als Japan kapitulierte und die Waffen dieses schrecklichen und mörderischen Krieges definitiv schwiegen. Wenige Monate zuvor, im Mai 1945, endete mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht und der Befreiung vom Nationalsozialismus der zweite Weltkrieg in Europa.

Gerade weil von der Generation, die sich damals in den Schützengräben gegenübergestanden hat, nur noch wenige leben, hat ein Gedenken daran wahrlich seine Berechtigung.

Was die Wiedervereinigung Deutschlands bedeutet

Ebenfalls einschneidend war ein Ereignis im Jahr 1990. Deutschland wurde wiedervereinigt. Als damaliger Teenager in der Schweiz war mir nicht so recht klar, was das bedeutet. Ein Licht ging mir erst auf, als ich einige Jahre später Berlin besuchte und mich frei in der ganzen Stadt bewegen konnte.

Bei einem Besuch in einer Stadt namens Helmstedt erfuhr ich dann, wie das Leben im getrennten Deutschland sein musste. Die Grenze führte nämlich mitten durch die Stadt. Wir hier, ihr drüben: Man konnte sich sehen, durfte sich aber nicht besuchen.

Selbstverständlich gibt es 2020 weniger einschneidende Jubiläen zu feiern: 50 Jahre ist es her, seit in der Schweiz zum ersten mal die Lottozahlen gezogen worden sind.

Im selben Jahr wurde in Spreitenbach «vor den Toren Zürichs» das erste Shoppingcenter in der Schweiz eröffnet. Vor 40 Jahren gab es Jugenddemonstrationen in Zürich. Und zehn Jahre sind es her, seit Hans Rudolf Merz aus dem Bundesrat zurückgetreten ist.

Platz 1 für ein persönliches Highlight

Was wird uns, und vor allem unseren Nachfahren, wohl aus dem Jahr 2020 in Erinnerung bleiben? Die Coronapandemie? Die Wahl des amerikanischen Präsidenten? Ich weiss es nicht.

Wäre es nicht sinnvoller, wenn jeder seinem persönlichen Highlight den wichtigsten Platz in der Erinnerung einräumen würde? Ich fange mal an zu überlegen. Denn in die engere Auswahl kommen einige.