Kolumne

Speerspitz: Warum Klimaschutz schon vor der Geburt beginnt

Die Redaktorin Sabine Camedda tut das Ihre für den Klimaschutz. Das ist aber nicht ganz einfach bei der Familienkonstellation.

Sabine Camedda
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Sabine Camedda, Redaktorin

Sabine Camedda, Redaktorin

Bild: Urs Jaudas

Die jungen Leute haben schon recht: So kann es nicht weiter gehen. In Australien ist es so heiss, dass die Buschfeuer viel Wald zerstören und dabei Menschen und Tiere bedrohen. In der Arktis schmilzt den Eisbären das Eis unter dem Hintern weg und wir hier im Toggenburg haben einmal mehr warme Weihnachten und grüne Neujahrstage hinter uns.

Das Klima zu verbessern, kann aber nur gelingen, wenn jeder bei sich selber anfängt. Also auch ich. Den Abfall zu sortieren und zu wissen, wo der nächste Bahnhof ist, genügt aber bei weitem nicht. Ich verwende beispielsweise zum Kochen fast ausschliesslich einheimische und saisonale Produkte.

Warum sollte ich jetzt Erdbeeren essen? Die werden um die halbe Welt gekarrt und schmecken nach gar nichts. Da warte ich lieber bis in den Frühsommer. Beim Kleiderkauf lebe ich nach dem Motto: Qualität hat ihren Preis, hält dafür aber auch länger als die Billigware aus weiss ich nicht woher.

Ja, ich bin oft auf der Strasse unterwegs

Bei einem Punkt aber schneide ich in meiner Klimabilanz sehr schlecht ab: der Mobilität. Ja, ich bin oft auf der Strasse unterwegs. Ja, dabei sitze ich meistens alleine im Auto. Ja, meine ganze Familie wohnt westlich der Reuss. Ja, meine Schwiegerfamilie ist längs über ganz Europa verteilt. Ich gebe auch zu, dass ich diese Menschen gerne besuche. Respektive, dass ich ihren Besuch bei mir sehr schätze. Sie reisen ebenfalls mit dem Auto, was wiederum eine schlechte CO2-Bilanz nach sich zieht.

Klimaschutz beginnt also schon vor der Geburt. Wenn ich nicht in diese Familie gekommen wäre, würde diese Reiserei wegfallen, ich hätte einen kleineren ökologischen Fussabdruck und folglich ein weniger schlechtes Gewissen der Umwelt gegenüber. Nun denn, ändern kann ich das nicht. Aber irgendwie sollte sich das Problem doch lösen lassen.

Am besten würde ich mich klonen lassen, und das grad dreimal. So könnten wir vier jeden Morgen gemeinsam zur Arbeit fahren. Könnten uns sogar abwechseln, was die Klimabilanz jedes Einzelnen massiv verbessern würde. Ob die Welt jedoch durch vier von meinem Schlag wirklich besser würde, bleibt dahingestellt.