Kolumne
Speerspitz: ... und dann ein kühles Bier

Es gibt unterschiedliche Gesprächskulturen: Die einen sind geprägt von Gehässigkeiten, die anderen zeugen von Reife und Anstand. Als Moderator von Podiumsdiskussionen weiss Redaktor Urs M. Hemm den respektvollen Umgang miteinander hierzulande zu schätzen.

Urs M. Hemm
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Urs M. Hemm, Stellvertretender Redaktionsleiter.

Urs M. Hemm, Stellvertretender Redaktionsleiter.

Bild. Katja Nideröst

Sie bezeichnen sich als Clown, Lügner, Trottel, Rassisten und verbieten sich gegenseitig den Mund. Das ist nicht etwa ein Streit zwischen zwei Kindergartenschülern. Nein. Der eine ist der amtierende Präsident eines der mächtigsten Länder der Welt.

Der andere möchte gerne den Ersteren aus eben diesem Amt verdrängen. Er würde aber von seinem Alter her besser mit seinen Enkelkindern im Sandkasten spielen, als Weltpolitik machen zu wollen. Was beide auszeichnet: Sie haben weder vor dem Amt, der Sache noch vor dem jeweiligen anderen Respekt. Der Moderator dieser Debatte oder besser gesagt, der Dompteur dieses Affenzirkus’, konnte einem nur leidtun.

Jungpolitiker beweisen Fairness

Ich selbst durfte schon mehrfach Gesprächsrunden als Moderator leiten. Sei es mit Kandidaten für einen Gemeinderat oder für den Ständerat, sei es über Themen, welche die regionale Bevölkerung beschäftigten oder über die das Stimmvolk an einer Abstimmung zu befinden hatte.

Auch im Vorfeld der Abstimmungen vom letzten Wochenende hatte ich das Vergnügen, ein Podium zu leiten. Thematisch ging es zwar nicht um die Weltmacht. Die Begrenzungsinitiative war aber für unser Land – unabhängig vom Ausgang der Abstimmung – eine wegweisende Vorlage.

Die Kontrahenten auf dem Podium waren zwei Jungpolitiker aus den zwei Pol-Lagern, die bei diesem Thema ihr Heu beileibe nicht auf der gleichen Bühne, ja nicht einmal auf dem gleichen Planeten haben.

Der Faktor Mensch

Obwohl ich mich stets gut in die Themen einlese und seriös auf Podiumsdiskussionen vorbereite, habe ich doch immer ein wenig Lampenfieber.

Denn am Ende bleibt immer ein Unsicherheitsfaktor, und das ist der Mensch. Wie werden sich die Podiumsteilnehmer verhalten? Antworten sie auf die vorbereiteten Fragen oder rezitieren sie einfach ihr Parteiprogramm? Vor allem aber, wie gehen sie als Gegner miteinander um? Bisher waren meine Befürchtungen immer unbegründet.

Auf der Bühne wird zwar stets heftig, aber sachlich debattiert. Persönliche Angriffe auf den Gegner oder gar Beleidigungen habe ich glücklicherweise nie erlebt.

So gab es nach solchen Podien auch nie eine Schlammschlacht, sondern immer ein Lächeln, ein Handschlag und dann ein kühles Bier gemeinsam am Stammtisch.

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