Kolumne

Speerspitz: Trotz Coronasommer ein Mittel gegen Fernweh gefunden

Warum denn in die Ferne schweifen? Ja, das Gute liegt so nah. Trotzdem, was macht ein Weltenbummler in diesem Sommer? Redaktorin Sabine Camedda hat ein Rezept gefunden.

Sabine Camedda
Drucken
Teilen
Sabine Camedda, Redaktorin

Sabine Camedda, Redaktorin

Bild: Urs Jaudas

Ferien in der Schweiz! So lautet das Motto von vielen in diesem Jahr. Die Ostschweizer entdecken charmante Städtchen in der Westschweiz oder bewundern die hohen Felsen im Creux du Van. Die Romands sehen zum ersten Mal den Äscher in echt und geniessen den Blick vom Säntis bis in ihre Heimat.

Die Basler wandern entlang des Aletschgletschers und die Tessiner staunen über den Rheinfall. So klein unser Land auch sein mag, es hat viel zu bieten.

Wann, wenn nicht in diesem Jahr?

Die Lust am (Neu-)Entdecken des Guten in der Nähe hat Toggenburg Tourismus zu einer Kampagne bewogen. «Hüür» wird sie genannt und stellt die Frage: Wann, wenn nicht hüür? Wir werden aufgefordert, genau das zu erleben, wovon wir schon lange träumen. Es aber immer aufgeschoben haben, weil wir lieber ans Meer gefahren sind oder eine Reise nach New York gemacht haben.

Die Aufforderung, Selfies zu machen, hat – wie könnte es im Jahr 2020 anders sein – Anklang gefunden. So kann ich miterleben, wie eine Familie von der Alp Oberbächen in Ebnat-Kappel bis in ihre Heimat sehen kann. Ich erfahre, dass es in Bütschwil statt des Open Airs eine Wanderung gegeben hat.

Ich begleite Mutter und Kinder auf ihrer Wanderung auf einen Churfirsten-Gipfel. Ob sie dabei gleich noch ein Schiittli fürs Höhenfeuer am 1. August mitgenommen hat, bleibt mir jedoch verborgen. Stattdessen lerne ich, dass viele Toggenburger von Kühen fasziniert sind. Die Flora vor der Churfirstenkette, die Bella inmitten ihrer Herde vor dem Alpstein und die Fiona, die schon halb aus dem Bild gelaufen ist.

Die Fotos sind Inspiration, nichts sonst

Wenn Sie jetzt glauben, ich hätte diese Bilder nur aus Neugier angeschaut, sind Sie auf dem Holzweg. Die Fotos dienen mir vielmehr zur Inspiration, was ich hüür noch alles machen könnte. So viel, wie es scheint, dass das Jahr viel zu kurz ist, um alles zu erleben.

Zugegeben, das Fernweh wird durch keine Aktivität in der Heimat gestillt. Doch für diesen Fall habe ich ein gutes Mittel gefunden. Auf einem Bild ist ein Buch abgebildet, das die Leser ins Leben eines sizilianischen Commissario mitnimmt. Eine Inspiration, um wieder einmal einen Krimi von Camilleri aus dem Bücherregal zu nehmen. Der beste Zeitpunkt dafür: hüür.