Kolumne

Speerspitz: Schöne Grüsse von zu Hause

Feriengrüsse aus fernen Ländern? Damit ist wohl nichts in diesem Sommer. Redaktorin Sabine Camedda überlegt sich darum Alternativen.

Sabine Camedda
Drucken
Teilen
Sabine Camedda, Redaktorin.

Sabine Camedda, Redaktorin.

Bild: Urs Jaudas

Ich gehöre zur Generation Postkarte. Zu jenen Menschen also, die gerne Feriengrüsse aus ihrem Briefkasten fischen. Zum Glück habe ich eine Freundin, die a) genauso ist und b) auch immer wieder herumreist. Und wenn es nur für ein Wochenende ist. Tausende Postkartengrüsse aus allen Ecken der Welt habe ich von ihr schon erhalten.

Natürlich revanchiere ich mich, um sie – und auch weiteren Daheimgebliebenen – mit einem Gruss aus den Ferien zu erfreuen. Dabei nimmt der Aufwand stetig zu, er beginnt schon bei der Auswahl.

Nehme ich dasselbe Motiv für alle? Nein. Soll die Karte möglichst kleingeteilt sein mit vielen Sehenswürdigkeiten? Oder das Schloss in Gross? Nicht doch lieber die Kirche? Ein kitschiger Sonnenuntergang? Für die Kinder sicher ein Tier.

Die Suche nach Briefmarken dauert bisweilen Stunden

Und dann braucht es noch Briefmarken. Kriegt man die nicht zusammen mit der Karte, geht die Suche los. In Italien beispielsweise bin ich schon von Kiosk zu Tabakhändler gelaufen, um schliesslich doch erst in der Post – nach Stunden in der Warteschlange – die Briefmarken zu finden.

Dass ich mit meiner Retro- Gewohnheit nicht alleine bin, habe ich unlängst im Kaffeeräumli eines Geschäfts gesehen. An der Pinnwand hingen bunte Karten vom Wolfgangsee, von einer kanarischen Insel, vom Strand an der Adria und von einem Kreuzfahrtschiff auf einem norwegischen Fjord.

Ferien, in denen man alles vergisst? Das gilt für dieses Unternehmen nicht – zumindest an die Arbeitskollegen wird in dem Moment gedacht, wenn Postkarten-Schreiben auf dem Ferienprogramm steht.

Abwechslung mit Schweizer Seen und Schweizer Bergen

Nach diesem Sommer werden die angepinnten Postkarten wohl weit weniger Abwechslung bieten: Schweizer Seen, Schweizer Berge, die Kapellbrücke in Luzern und der Jet d’Eau in Genf. Vielleicht mal eine Rösti – man will ja vor den Arbeitskollegen auch mal von den exotischen Speisen schwärmen, die man in den Ferien ausprobiert hat.

Vielleicht bleibt die Pinnwand aber auch ganz leer. Wie sinnlos ist es, den Arbeitskollegen eine Postkarte von seinen Uhu-Ferien zu schicken. Oder wäre das eine Marktlücke? Der wunderbare Ausblick vom eigenen Garten in Richtung Nachbarhaus? Nur getrübt durch das Grün einer Hecke.